MDR-Musiksommer 2009 im Hof des Stadtschlosses Weimar © Klassik Stiftung Weimar
Ausstellungen
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So 24. März 2013 - So 23. Juni 2013
Neues Museum Weimar

Leidenschaft, Funktion und Schönheit

Henry van de Velde und sein Beitrag zur europäischen Moderne

Die Klassik Stiftung Weimar nimmt den 150. Geburtstag des belgischen Architekten und Designers Henry van de Velde zum Anlass, die bahnbrechenden Leistungen des »Alleskünstlers« und seine Wirkungsstätten in Weimar vorzustellen. Mit rund 700 Exponaten aus internationalen Museen und einer bedeutenden Zahl bislang nie gezeigter Spitzenstücke aus deutschen und belgischen Privatsammlungen wird der umtriebige Flame als einflussreicher Gestalter der Moderne präsentiert.

Das Gesamtkunstwerk
Entlang der einzelnen Lebensstationen des bekennenden Europäers und Pazifisten werden Henry van de Veldes vielseitige Schaffensphasen von 1890 bis Ende der 1930er Jahre präsentiert. Im Fokus steht die Idee des Gesamtkunstwerkes, in dem jedes künstlerische Detail mit seinem Umfeld harmoniert. Im Kampf gegen den als Verfall empfundenen Historismus folgte der ursprünglich in der Malerei ausgebildete Künstler einer »vernunftgemäßen« Formgebung. Henry van de Velde ignorierte die Grenzen zwischen ›Kunst‹ und ›Kunsthandwerk‹ und gestaltete alle Lebensbereiche: den Bau des Hauses, die Gestaltung des Innenraums, Kleidung und Schmuck, die Form von Alltagsgegenständen, vom Leuchtkörper über das Möbelstück bis zum Spazierstock. Seinen Intentionen des Gesamtkunstwerks folgend, fungierte Henry van de Velde zudem als Sammler und Kunstvermittler, der seine Kunden an die Moderne heranführte. Einst in seine Räume integrierte Gemälde von Paul Signac, Théo van Rysselberghe, Louis Valtat oder Henri Manguin sowie Plastiken von Georges Minne oder Aristide Maillol ergänzen die Ausstellung.

Ausprägungen des Jugendstil um 1900
Henry van de Velde sah sich selbst nie als ›Jugendstilkünstler‹. Um seine Eigenart wie auch die grundsätzliche Vielseitigkeit der unter dem Begriff ›Jugendstil‹ verorteten frühen Moderne zu visualisieren, werden zeitgenössische Positionen der parallel arbeitenden Werkstätten in Wien, Darmstadt, München und Brüssel vorgestellt. Im Vergleich mit der englischen Art & Crafts-Bewegung werden van de Veldes künstlerische Vorbilder sichtbar.

Die Weimarer Zeit von 1902 bis 1917
Mit dem 1902 in Weimar gegründeten Kunstgewerblichen Seminar gelang es Henry van de Velde, Kunst, Industrie und Handwerk in Praxis und Theorie zu vereinen. Die Ausstellung zeigt viele bislang unbekannte Schülerarbeiten sowie Entwürfe und Umsetzungen des thüringischen Handwerks. Mit dem Aufbau seiner Werkstätten und dem pädagogischen Konzept schuf van de Velde die Basis für die Gründung des Bauhauses in Weimar. Während des Ersten Weltkrieges als »feindlicher Ausländer« diffamiert, empfahl er 1915 Walter Gropius als seinen Nachfolger in der Direktion der Kunstgewerbeschule. Henry van de Veldes Offenheit für künstlerische Entwicklungen kommt in seiner Freundschaft zu Ernst Ludwig Kirchner zum Ausdruck. Kirchners ausdrucksstarke Porträts des väterlichen Freundes,1917 im Schweizer Exil entstanden, spiegeln eine unbekannte Seite des damals weder in Belgien noch in Deutschland willkommenen Künstlers.

Holland und Belgien von 1920 bis 1947
Die Werke der frühen zwanziger Jahre sind von einer monumentalen, expressiven Formensprache gekennzeichnet. Repräsentative Arbeiten für das deutsch-holländische Ehepaar Kröller-Müller belegen diese Phase des Übergangs. Mit der Gründung der Designhochschule im Kloster La Cambre in Brüssel 1926/27 konnte sich Henry van de Velde erneut der Verbreitung seiner Ideen widmen. Hier etablierte er den in Belgien nur verhalten aufgenommenen ›Internationalen Stil‹ und prägte eine partnerschaftlich ausgerichtete Lehre. Die bis heute bestehende Schule wird mit Fotografien der historischen Werkstätten und Schülerarbeiten vorgestellt.

Das Spätwerk
Wie der Bau der Universitätsbibliothek in Gent oder die beiden Weltausstellungspavillons für Paris (1937) und New York (1939) zeigen, ist Henry van de Veldes Spätwerk von schlichter Sachlichkeit geprägt. Der über Siebzigjährige experimentierte mit neuen technischen Verfahren und Baustoffen, entwarf den Innenausbau moderner Fährschiffe und gestaltete die Wagons der Belgischen Staatsbahn. Sein letztes Exil suchte er 1947 in der Schweiz, wo er seine Memoiren verfasste und bis zu seinem Tode 1957 in engem Dialog mit frühen Weggefährten aber auch jungen Architekten und Designern stand.

Die Ausstellung findet in Kooperation mit den Musées royaux d’Art et d’Histoire in Brüssel statt und steht unter der gemeinsamen Schirmherrschaft Seiner Majestät König Albert II von Belgien und von Bundespräsident Joachim Gauck. In enger Zusammenarbeit mit der Bauhaus-Universität Weimar sind die virtuellen Rekonstruktionen der von Henry van de Velde 1908 entworfenen Räume im Neuen Museum Weimar entstanden sowie die Modelle der vier für seine Familie entworfenen Häuser.

Henry van de Velde (1863–1957) kam 1902 als künstlerischer Berater von Großherzog Wilhelm Ernst nach Weimar. Er ließ das Haus Hohe Pappeln 1907/08 nach eigenen Plänen errichten und bewohnte es bis 1917 zusammen mit seiner Frau Maria und den fünf Kindern. Von der Raumstruktur im Inneren ausgehend, entwickelte der Künstler die äußere Gestalt des Gebäudes. Die Wohndiele in der Beletage fungiert als Zentrum, an das sich alle weiteren Räume anschließen. Mit dem Verzicht auf Ornamentik ist das Haus Hohe Pappeln an der Ästhetik der modernen Industrie orientiert und nach Prinzipien der Zweckmäßigkeit gestaltet. In dem einzigartigen Gesamtkunstwerk ist van de Veldes Handschrift in jedem Detail zu finden. Die Besichtigung umfasst den Garten und den repräsentativen Wohnbereich der Familie mit Salon, Speisezimmer, Arbeitszimmer und Wohndiele. Die ausgestellten Möbel hatte van de Velde 1903/04 für die Familie von Münchhausen entworfen. Das Nietzsche-Archiv wurde 1894 von Elisabeth Förster-Nietzsche, der Schwester des Philosophen Friedrich Nietzsche, in Naumburg gegründet und später nach Weimar verlegt. 1897 bezog sie die »Villa Silberblick«, um ihren kranken Bruder bis zu seinem Tod im Jahre 1900 zu pflegen. Auf Anregung Harry Graf Kesslers wurde Henry van de Velde 1902 mit der Umgestaltung und Neueinrichtung der Räume im Erdgeschoss beauftragt. Er entwarf nicht nur die Einbauten, sondern auch die Öfen, das Mobiliar und den Flügel sowie die Stoffbezüge, die Lampen, die Bodenbeläge und die dekorativen Vasen, die den Räumen ihre harmonische Ausstrahlung verleihen. Im Mittelpunkt des Gesamtkunstwerks steht der Bibliotheksraum mit Max Klingers Nietzsche-Herme. Im ehemaligen Speisezimmer dokumentiert eine Ausstellung die widerspruchsvolle Geschichte des Nietzsche-Archivs und dessen Rolle im Nationalsozialismus.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, gefördert von der Vertretung der Deutschsprachigen Gemeinschaft, der Wallonie und der Föderation Wallonie-Brüssel in Berlin (Belgische Botschaft).
ISBN: 978-3-1830-35-6
Verkauspreis: 39,90 EUR


Die Hauptförderer des Van-de-Velde-Jahres 2013 in Thüringen sind die Sparkassen-Finanzgruppe, die Ernst von Siemens Kunststiftung, der Freistaat Thüringen und die Impulsregion Erfurt-Weimar-Jena.

Besucherinformationen

Preise

5,50 EUR / ermäßigt 3,50 EUR / Schüler 1,50 EUR
Bis 16 Jahre Eintritt frei
Kombi-Ticket für die Ausstellung im Neuen Museum Weimar, Haus Hohe Pappeln und Nietzsche-Archiv (gültig an bis zu drei frei wählbahren Tagen während der Ausstellungslaufzeit):
Erw. 9,00 EUR / erm. 6,00 EUR / Schüler 2,00 EUR
Führungen: Erw. 3,00 EUR / Schüler 1,00 EUR zzgl. Eintritt

Öffnungszeiten

Di Mi Fr Sa So 10:00 - 18:00 Uhr, Do 10:00 - 20:00 Uhr

Verlängerte Öffnungszeiten:
ab 02.05.2013 Do 10:00 - 20:00 Uhr

Ausnahme:
25.03.2013 10:00 - 18:00 Uhr geöffnet
(Am Montag, dem 25.03.2013 ist die Ausstellung im Neuen Museum zusätzlich geöffnet.)


Feiertage:
Karfreitag 10:00 - 18:00 Uhr geöffnet
Ostersonntag und Ostermontag 10:00 - 18:00 Uhr geöffnet
Tag der Arbeit 1.5. 10:00 - 18:00 Uhr geöffnet
Himmelfahrt 10:00 - 18:00 Uhr geöffnet
Pfingsten (Sonntag und Montag) 10:00 - 18:00 Uhr geöffnet

Hinweise zur Barrierefreiheit

Zufahrt für Rollstuhlfahrer auf der Rückseite des Museums. Ausstellungsräume barrierefrei für Menschen mit Gehbehinderungen.

Kontakt

Informationsstand in der Tourist-Information Weimar
Markt 10
99423 Weimar
Telefon: +49 (0) 3643-545-400
Fax: +49 (0) 3643-545-409

Veranstalter

Klassik Stiftung Weimar

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