Barrierefreiheit im Weimarer Schloss:

Führungen für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung

 

Im Rahmen der Barrierefreiheit hat die Klassik Stiftung Weimar mit Unterstützung des Thüringer Blindenverbands, des Förderzentrums Sehen Weimar sowie der Behindertenbeauftragten der Stadt Weimar ein Konzept entwickelt, das Blinden und Menschen mit Sehbehinderung in einer interaktiven Führung ein Tast- und Hörerlebnis rund um das Weimarer Residenzschloss bietet.

Ausgehend von der Außenarchitektur über die Innenausstattung des Schlosses und einzelne historische Exponate, die zum Betasten freigegeben sind (z.B. Wände, Säulen, Bronzeskulpturen, Kamine, Türgewände mit Ornamentik), erlebt der Blinde oder sehbehinderte Besucher die verschiedenen Materialien der historischen Ausstattung und ihre unterschiedliche Oberflächenbeschaffenheit. Die von Goethe beeinflusste Innendekoration des Festsaals (Grundriss) wird anhand spezieller Tastpläne erschlossen.

Eine musikalische Untermalung mit zeitgenössischer Musik und die Verwendung eines mitgeführten Museumskorbs, der unterschiedliche Gegenstände enthält, die auch ertastet und mit dem Geruchssinn wahrgenommen werden, erweitern das Erlebnis vor Ort. Der Besuch eines extra eingerichteten Tastkabinetts mit zahlreichen originalen Objekten rundet die Führung ab.

 

Museumskörbe

Zur Unterstützung einer vielfältigen, museumspädagogischen Vermittlungsarbeit wurden speziell für Führungen mit Kindern, Jugendlichen und Museumsbesuchern mit Sehbehinderungen „Museumskörbe“ entwickelt. Die sorgfältig zusammengestellten Objekte (Stoff- Holz- und Fellproben, Leinwand, Pergament und handgeschöpftes Papier, Glasprisma, Diadem etc.) und Duftproben, die die Tafelkultur und Essgewohntheiten der damaligen Zeit widerspiegeln, vervollständigen die Sinneseindrücke und lassen so die Führung durch die historischen Räume lebendig werden.

Während der eine bei der Mitmachführung „Zu Gast bei der russischen Zarentochter Maria Pawlowna“ eingesetzt wird, wurde der zweite Führungskorb speziell auf die Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten Besuchern abgestimmt.

 

Tastkabinett

Für Menschen mit Sehbehinderung hat die Klassik Stiftung Weimar ein sogenanntes Tastkabinett entwickelt, in dem die Baugeschichte und Ausstattung des Weimarer Stadtschlosses museumspädagogisch vermittelt werden kann. Proben des Gesteins und anderer Materialien, die bei dem Wiederaufbau des Schlosses nach dem Brand 1774 verwandt wurden, lassen die Baugeschichte „begreifbar“ werden.

Anhand einer Auswahl von Kunst- und Gebrauchsobjekten – meist aus der Goethezeit um 1800, die Goethe- und Schillerbüsten und einer Nachbildung des Goethe- und Schiller-Denkmals auf dem Theaterplatz, lässt sich der Bezug zur Memorialkultur der Dichterzimmer des Schlosses und der Plätze Weimars nachvollziehen.

Das Anprobieren und Erfühlen von Kostümen, die nach historischen Originalen angefertigt wurden, lassen das Lebensgefühl des Empire und Biedermeier erlebbar werden. Neben der Kostümkunde und der Etikette kann so auch die Sittengeschichte rund um die Hofhaltung der Weimarer Herzöge lebendig vermittelt werden.

 

Die Klassik Stiftung Weimar bietet pro Jahr 5 bis 10 kostenlose Spezialführungen mit max. 15 Personen für Schüler- und Erwachsenengruppen mit Sehbehinderung im Schlossmuseum an.

Ansonsten ist der Preis für eine Gruppenführung für Erwachsene: € 60 (60 min) und € 85 (90 min), bzw. Schüler: € 30 (60 min) und € 45 (90 min)

Beratung: Emese Doehler
Buchung: Besucherinformation

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