
Geschichte
Nach dem Tod des letzten Goethe-Enkels Walther Wolfgang von Goethe am 15. April 1885 ging durch dessen testamentarische Verfügung der Nachlaß des Dichters in das Eigentum der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach über. Noch im selben Jahr gründete die Fürstin ein Goethe-Archiv. 1889 kam Schillers Nachlaß als Stiftung von Schillers Enkel und Urenkel, den Freiherren Ludwig und Alexander von Gleichen-Rußwurm, hinzu, und seither trägt das Archiv den Namen „Goethe- und Schiller-Archiv”.
Die frühen Jahre
Für den rasch anwachsenden Archivbestand, an dessen Erwerbung sich neben der fürstlichen Schatulle auch die 1885 gegründete Goethe-Gesellschaft mit erheblichen Beträgen beteiligte, ließ Großherzogin Sophie zwischen 1893 und 1896 den heutigen Archivbau errichten. Am 28. Juni 1896 wurde er eingeweiht. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs nannte das Archiv bereits etwa 35 persönliche Archivbestände sein eigen, neben den Nachlässen der Namensgeber weitere aus klassischer Zeit (darunter die von Herder, Wieland, Knebel, Riemer, Eckermann, Kanzler von Müller, Johann Heinrich Meyer und Bertuch) sowie aus dem späteren 19. Jahrhundert (u. a. Freiligrath, Immermann, Otto Ludwig, Fritz Reuter, Hebbel).
Die Sophien-Ausgabe
Wichtigste Arbeitsaufgabe des Archivs in den ersten Jahrzehnten, von der Großherzogin Sophie initiiert und gefördert, war die Weimarer oder Sophien-Ausgabe von Goethes Werken (1887-1919 in 143 Bänden erschienen), die bis heute die einzige vollständige Goethe-Ausgabe mit wissenschaftlichem Anspruch geblieben ist und in vier Abteilungen Goethes Werke, seine naturwissenschaftlichen Schriften, seine Tagebücher und Briefe umfaßt.
Zwischenkriegszeit
Zwischen den beiden Weltkriegen gelangte eine längst notwendige Erschließung der Bestände nicht über Ansätze hinaus. Auch die Erwerbungstätigkeit stagnierte. Wichtigster Zugewinn war 1924 der Nachlaß Georg Büchners, der als Geschenk Anton Kippenbergs anläßlich seines 50. Geburtstags ins Archiv kam. Von 1925 bis 1947 wurde der Haushalt des Goethe- und Schiller-Archivs zu 48% vom Lande Thüringen, zu 32% von der fürstlichen Schatullverwaltung und zu 20% von der Goethe-Gesellschaft bestritten; aus diesen Instanzen setzte sich auch die Verwaltungsgemeinschaft für das Archiv zusammen. Mit einer systematischen Ordnung und Verzeichnung der Bestände konnte erst 1954 begonnen werden.
Die Nachkriegsjahre
In den 50er Jahren gelangten die Nachlässe von Franz Liszt und Friedrich Nietzsche ins Goethe- und Schiller-Archiv. Weitere Nachlässe (vor allem von Wissenschaftlern) wurden in den 60er Jahren aus den Beständen der ehemaligen Thüringischen Landesbibliothek hinzugewonnen. Auch Bestandsabgleichungen mit dem heutigen Thüringischen Hauptstaatsarchiv kamen zustande.
Die Situation heute
Heute besitzt das Goethe- und Schiller-Archiv 122 persönliche Archivbestände, hauptsächlich Nachlässe von Schriftstellern, aber auch von Gelehrten, Philosophen, Komponisten und bildenden Künstlern, 11 Bestände institutioneller Herkunft (darunter Bestände des Insel Verlags Leipzig und der Deutschen Schillerstiftung) sowie eine Autographensammlung, in der ca. 3.000 Autoren vertreten sind. Nach seinem Bestandsprofil besitzt es den Charakter eines zentralen Archivs der deutschsprachigen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts. Seit 1953 den damaligen Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar (NFG) zugehörig, ist das Goethe- und Schiller-Archiv heute eine Fachdirektion der Klassik Stiftung Weimar.
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Information & Kontakt
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