Decke im Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek © Klassik Stiftung Weimar

325 Jahre Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Am 30. September 2016 feiert die Herzogin Anna Amalia Bibliothek ihr 325-jähriges Bestehen. Sie erinnert damit an den Ausbau der herzoglichen Büchersammlung unter Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar ab 1691, den dann, zwei Generationen später, Anna Amalia in einem eigenen Bibliotheksgebäude als strategisches Projekt betrieb.

Heute ist die Bibliothek eine öffentlich zugängliche Forschungsbibliothek für Literatur- und Kulturgeschichte mit Schwerpunkt auf der deutschen Literatur der Zeit um 1800. Diese Entwicklung ist aufs Engste mit dem 25-jährigen Wirken ihres Direktors Dr. Michael Knoche verbunden.

Das Gründungsjubiläum der Bibliothek fällt mit dem Ende der Amtszeit Michael Knoches zusammen, der am 30. September als 28. Nachfolger von Konrad Samuel Schurzfleisch, dem ersten Bibliotheksdirektor, und als erster Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in den Ruhestand tritt. Mit der Tagung »Die Zukunft des Sammelns an wissenschaftlichen Bibliotheken« im April 2016 und seinem jüngst erschienenen Buch Auf dem Weg zur Forschungsbibliothek. Studien aus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek hält Michael Knoche ein entschlossenes Plädoyer für das bibliothekarische Konzept des Sammelns, das heute zunehmend in Frage gestellt wird.

Die Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek widmet Michael Knoche zum Abschied eine Sonderausgabe ihrer Zeitschrift SupraLibros mit 33 Beiträgen von Wegbegleitern, Freunden und Kollegen sowie einer Chronik 1991–2016.

Die letzten 25 Jahre zählen zu den bewegtesten und bewegendsten der Bibliotheksgeschichte. Seit der politischen Wiedervereinigung 1989/90 und der Gründung der Stiftung Weimarer Klassik 1991 besuchten zahlreiche gekrönte Häupter, Staats- und Regierungschefs die Weimarer Bibliothek, darunter der japanische Tenno Akihito und der französische Präsident Mitterrand. Sie besichtigten den Rokokosaal der Bibliothek als Sinnbild für Weltliteratur und klassische Bildung.

Mit der Umbenennung der (Zentral-)Bibliothek der deutschen Klassik zur Herzogin Anna Amalia Bibliothek fanden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jahr 1991 unaufgeregt einen Namen für den Neuanfang. Im Jahr 1998 erklärte die UNESCO die Weimarer Klassikerstätten zum Weltkulturerbe, 1999 feierten Millionen Besucher die Kulturhauptstadt Europas. In der Nacht vom 2. auf den 3. September 2004 brannte die Bibliothek. Wie Michael Knoche und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Wiederaufbau des Gebäudes und der Buchbestände gelang, beschreibt er in seinem betont sachlichen Erinnerungsbuch Die Bibliothek brennt.

Die letzten zehn Jahre der Bibliotheksarbeit waren vorrangig durch die Rekonstruktion und Restaurierung der durch Feuer und Löschwasser zerstörten oder geschädigten Bestände geprägt. Hinzu kamen systematische Provenienzermittlungen, insbesondere zu NS-Raubgut, der Ausbau und die Erschließung historischer Sammlungen, Digitalisierungsprojekte und die Unterstützung kulturwissenschaftlicher Forschungsvorhaben.

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