
Geschichte der Bibliothek
Die heutige Herzogin Anna Amalia Bibliothek wurde 1691 gegründet und bezog unter ihrer Namensgeberin, Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach, das sogenannte Grüne Schloß mit dem Rokokosaal. Sie ist eine der ersten öffentlich zugänglichen Fürstenbibliotheken.
Die Herzogliche Bibliothek ist älter als der Rokokosaal. Sie war zunächst im Stadtschloß untergebracht. Als Gründer der Weimarer Bibliothek gilt Herzog Wilhelm Ernst (1662 - 1728). Vom Jahr 1691 an, als 500 genau inventarisierte Bücher aus einem Erbteilungsvertrag den bereits vorhandenen wertvollen Grundbestand vermehrten, begann der zielgerichtete Ausbau der herzoglichen Büchersammlung und ihre Verwaltung durch berühmte Gelehrte, die der Herzog als Bibliothekare berief. Seit dem frühen 18. Jahrhundert wurde die Bibliothek als öffentlich bezeichnet, doch war ein liberaler Zugang erst wirklich gewährleistet, als die Büchersammlung 1766 aus der unmittelbaren Umgebung des Hofes in ihr heutiges Gebäude umsiedeln konnte. Der Bibliothek dadurch eine eigene Entwicklung eröffnet zu haben, ist das Verdienst der jungen Herzogin Anna Amalia. Sie war, aus Wolfenbüttel kommend, bereits mit 19 Jahren Witwe geworden und bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes Carl August am 3. September 1775 Regentin des kleinen Staates. Wegen ihrer Verdienste um die Bibliothek, der sie unter anderem auch ihre reiche Musikaliensammlung hinterließ, wurde sie anläßlich des 300jährigen Bibliotheksjubiläums im Jahre 1991 zur Namenspatronin gewählt.
In den folgenden Jahrzehnten nach dem Umzug ins Grüne Schlößchen erlebte die Herzogliche Bibliothek einen raschen Aufschwung, der im Anwachsen der Bestände von etwa 30 000 Bänden im Jahr 1766 auf 132 000 Bände im Jahr 1832 zum Ausdruck kommt. Das Sammelspektrum war von universaler Breite: Geschichte, Kunst und die europäische schöne Literatur waren besonders stark vertreten. 1797 beauftragte Herzog Carl August Goethe und seinen Ministerkollegen Voigt mit der Oberaufsicht über die Bibliothek. Goethe und Voigt reformierten die innere Verwaltung, lösten die Bauprobleme und trugen Sorge für den Erwerbungsetat wie für einzelne bedeutende Anschaffungen. Die Weimarer Bibliothek rückte in der Goethezeit in die Reihe der zwölf bedeutendsten Bibliotheken in Deutschland auf.
Besonders fortschrittlich war die von den beiden Ministern am 26. Februar 1798 erlassene "Vorschrifft, nach welcher man sich bey hießiger Fürstl. Bibliothek, wenn Bücher ausgeliehen werden, zu richten hat". Da werden die Öffnungszeiten der Leihstelle (zwei Vormittage pro Woche) und die Leihfrist (12 Wochen) festgelegt, aber auch die Zulassung "junger Leute" zur Benutzung erlaubt, sofern Eltern oder Lehrer die Leihscheine unterzeichnen. Tatsächlich gab es unter den 475 eingetragenen Lesern des Zeitraums 1798 bis 1801 etwa drei Dutzend Gymnasiasten. Wenn man in Rechnung stellt, daß Weimar damals nur 6500 Einwohner zählte, war der Anteil der Bibliotheksbenutzer aus der Stadt höher als heute.
Im späteren 19. Jahrhundert verlangsamte sich die Entwicklung der nunmehr "Großherzoglichen" Bibliothek. Die Zuwendungen der fürstlichen Familie waren nicht mehr so reichhaltig wie im 18. Jahrhundert. Aus der rapide wachsenden Buchproduktion konnte die Weimarer Bibliothek kaum noch das wissenschaftlich Wichtige erwerben und geriet gegenüber vergleichbaren Bibliotheken ins Hintertreffen. Das Sammelgebiet beschränkte sich mehr und mehr auf die thüringische Geschichte und die klassische deutsche Literatur.
Nach Auflösung des Großherzogtums wurde die Bibliothek 1920 in Thüringische Landesbibliothek umbenannt und erhielt auch volksbildnerische Aufgaben übertragen. Die Etatmittel waren in den zwanziger bis vierziger Jahren äußerst gering und mit den Summen anderer Landesbibliotheken überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Im Zweiten Weltkrieg wurden die wichtigsten Bestände ausgelagert, Bücher und Gebäude blieben unversehrt. In den fünfziger und sechziger Jahren übernahm die Thüringische Landesbibliothek die Aufgabe einer sehr breit verstandenen Literaturversorgung von Stadt und Region.
Im Zuge einer Strukturveränderung im Bibliothekswesen der DDR wurde das traditionsreiche Haus 1969 mit der kleineren Institutsbibliothek der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar vereinigt. Diese 1954 gegründete Spezialbibliothek verdankte den Kernbestand ihrer Büchersammlungen der Goethe-Gesellschaft und führte den Namen "Zentralbibliothek der deutschen Klassik". Der Name wurde der vereinigten Bibliothek nunmehr übertragen und galt bis 1990/91. In dieser Phase als Zentralbibliothek der deutschen Klassik hat sich die Bibliothek auf das Kernsammelgebiet Deutsche Literatur der Periode 1750 bis 1850 konzentriert und die Funktion einer Regionalbibliothek aufgegeben.
Öffnungszeiten
Lesebereiche/Kataloge/Auskunft
Mo – Fr 9 – 21 Uhr
Sa 9 – 16 Uhr
Ausleihe
Mo – Fr 9 – 18 Uhr
Sa 9 – 16 Uhr
Information
Tel. 03643 | 545-205
info-haab@klassik-stiftung.de
Ausleihe Tel. 03643 | 545-206
Direktion Tel. 03643 | 545-200



