Bücherregal im Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek © Klassik Stiftung Weimar
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Digitalisierung und Erschließung der Zeitschrift »Simplicissimus«

Bild zum Forschungsprojekt

Direktion / Referat:
Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Projektverantwortung:
Dr. Michael Knoche

Laufzeit von 2005 bis 2010

Der »Simplicissimus«, am 1. April 1896 durch Albert Langen begründet, ist bis heute die prominenteste deutsche politisch-satirische Wochenschrift. Ihr Name steht für die Auseinandersetzung mit der Innen- und Außenpolitik des Kaiserreichs und der Weimarer Republik ebenso wie für die pointierte Mentalitätskritik am deutschen Normalbürger, dem ›Michel‹. Für literarische, historische und soziologische Fragestellungen im Kontext der beiden Weltkriege bietet die Zeitschrift ein unersetzliches Quellenmaterial. International hat sie als zeitgeschichtliches Zeugnis Gewicht wie kaum ein anderes deutsches Periodikum.

Schon bald nach seiner Gründung wurde der »Simplicissimus« ein Forum für die künstlerische und literarische Avantgarde seiner Zeit. Thomas Theodor Heine, der zuvor als Dackelzeichner bei den »Fliegenden Blättern« engagiert war, entwickelte sich als ständiger Mitarbeiter der neuen Zeitschrift binnen Kurzem zu einem der führenden Karikaturisten Europas. Von ihm stammt die wohl erste Brecht-Karikatur. Ursprünglich als kulturell-literarisch orientiertes Periodikum konzipiert, war der »Simplicissimus« auch Forum für alle wichtigen Literaten seiner Epoche: Frank Wedekind, die Gebrüder Mann, Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse, Hugo von Hofmannsthal und viele mehr sind mit dem Namen der Zeitschrift durch Erstveröffentlichungen untrennbar verbunden.

Im Rahmen des Projektes wurden die entsprechenden Ausgaben der Jahrgänge 1 (1896) bis 49 (1945) digitalisiert und inhaltlich erschlossen. Dafür wurden alle erwähnten Realien wie Personen, Schauplätze und Institutionen, historisch bedeutsame Ereignisse sowie, in realisierbarem Umfang, auch thematische Stichworte in einen Begriffsthesaurus aufgenommen. Die daraus entstandene Datenbank ist seit Juni 2008 im Internet unter der Adresse → http://www.simplicissimus.info/ verfügbar und wird weiter aktualisiert. An dem Projekt waren neben der Herzogin Anna Amalia Bibliothek die RWTH Aachen und das Deutsche Literaturarchiv Marbach beteiligt.

Dieses Projekt wurde gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Zugehörige Publikationen:

Hans Zimmermann: Das Bauhaus, der »Simplicissimus« und die Philister. In: Hellmut Th. Seemann, Thorsten Valk (Hrsg.): Klassik und Avantgarde. Das Bauhaus in Weimar 1919-1925. Jahrbuch der Klassik Stiftung Weimar 2009. Göttingen 2009, S. 385-399.