Johann Joachim Winckelmann. Gemälde von Anton von Maron, 1768. Schlossmuseum Weimar © Klassik Stiftung Weimar

Jahrestagungen

Jahrestagung 2016

Der ›andere Klassiker‹. Johann Gottfried Herder und die Weimarer Konstellation um 1800

13. bis 15. Oktober 2016

Veranstalterinnen und Veranstalter: Prof. Dr. Hans Adler, Dr. Gesa von Essen, Prof. Dr. Werner Frick

Johann Gottfried Herders Stellung zum Gesamtphänomen der sogenannten Weimarer Klassik war schon zu Lebzeiten uneindeutig und wartet im Grunde bis heute auf ihre genauere Bestimmung. Die Jahrestagung 2016 des Zentrums für Klassikforschung setzt sich das Ziel, nach dem spezifischen Ort, dem originären Profil und der singulären Leistung dieses ›anderen‹ Klassikers in der Weimarer Konstellation um 1800 zu fragen. Dabei soll es weniger darum gehen, Herder unter einen wesentlich durch Goethe und Schiller geprägten Begriff von ›Klassik‹ zu subsumieren. Vielmehr soll der Klassik-Begriff selbst so modelliert und geöffnet werden, dass Autoren und Denker wie Herder von der problematischen Peripherie ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken und die komplexe
ideengeschichtliche Gemengelage zwischen Spätaufklärung, Sturm und Drang, Klassik und Romantik sich in neuen Perspektiven und Kontextualisierungen erschließt. Im Blick auf repräsentative Tätigkeitsfelder des Weimarer Generalsuperintendenten leistet die Tagung einen Beitrag zu
dieser überfälligen Re-Evaluation Herders im intellektuellen Kräftefeld der Epoche. Fallstudien aus Literaturwissenschaft, Theologie, Philosophie, Pädagogik, Kunst- und Ideengeschichte beleuchten das facettenreiche Spektrum von Herders Wirken in Weimar. Darüber hinaus lassen exempla classica Herders prägende Kraft für den genius loci des Memorialortes Weimar anschaulich hervortreten.

Jahrestagung 2015

ordo inversus - Formen und Funktionen einer Denkfigur um 1800

26. bis 28. März 2015

Veranstalterinnen und Veranstalter: Prof. Dr. Andrea Albrecht, Dr. Franziska Bomski, Prof. Dr. Lutz Danneberg

Im Mittelpunkt der Tagung steht die Denkfigur des ordo inversus um 1800. Garantierte diese seit der Antike in den verschiedensten Disziplinen vor allem epistemische Sicherheit, so lässt sich mit Beginn der ›Moderne‹ ein Funktionswandel beobachten, der mit modifizierten Formen der Denkfigur einhergeht. Diese Veränderungen sollen in ihrem historischen Kontext nachgezeichnet und analysiert werden.

Der ordo inversus meint dabei eine zirkuläre Bewegung des Ausgehens von einem Anfangs- zu einem Endpunkt, der durch ein Zurückkehren wieder mit dem Ausgangspunkt verbunden wird. Historisch findet sich die Bezeichnung ordo inversus für diese Bewegung eher selten, häufiger wird sie durch Begriffspaare benannt, die ihre beiden Teilbewegungen benennen, etwa fluxus (efluxus) / refluxus, exitus / reditus, progressio / regressio, ascensio / descensio oder analysis / synthesis, resolutio / compositio.

Als Methodenkonzept spielt der ordo inversus von der Antike über das Mittelalter und die Frühe Neuzeit bis weit ins 18. Jahrhundert hinein eine zentrale Rolle in den verschiedensten Wissensbereichen und Disziplinen (Theologie, Logik, Naturphilosophie und Hermeneutik) und eignet sich daher besonders für eine vergleichende Zusammenschau. Doch auch der Verlust seiner Plausibilität im 18. Jahrhundert provoziert eine Reihe von Restitutionsversuchen, die sich auf vielfältige Weise nicht nur in der Naturphilosophie und Hermeneutik, sondern auch in Kunst, Literatur, und Ästhetik niederschlagen.

Die komparative, interdisziplinäre und historische Betrachtung dieser Prozesse soll im Zentrum der Tagung stehen. Ein wesentliches Ziel besteht dabei darin, das derzeit vor allem einzeldisziplinär behandelte Phänomen des ordo inversus in seinen grundlegenden, verschiedene Wissensbereiche und Disziplinen gleichermaßen durchgreifenden Formen und Funktionen sichtbar zu machen und auf diese Weise einen disziplinenübergreifenden Einblick in den historischen Wandel im Übergang zur ›Moderne‹ zu liefern. Dabei sollen insbesondere Antike, Mittelalter und Frühe Neuzeit als ideengeschichtlich relevante Traditionen für die Verhandlung des Konzepts im späten 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert deutlich gemacht werden.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Franziska Bomski.

Jahrestagung 2014

Genealogien der Natur und des Geistes

27. bis 29. März 2014

Veranstalterin und Veranstalter: Franziska Bomski und Prof. Dr. Jürgen Stolzenberg

Die Jahrestagung des Zentrums für Klassikforschung richtet den Blick auf einen zentralen Problemkomplex der Wissenschafts- und Kulturgeschichte der Moderne: die Virulenz und zunehmende Bedeutung genealogischen Denkens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Genealogisches Denken formiert sich zuerst in den Naturwissenschaften. Es greift sodann auf die Philosophie sowie die Kunst und die Literatur über und prägt sich in Form von Entwicklungsgedanken und den idealistischen Konzepten einer Geschichte des Bewusstseins aus.

Den Ausgangspunkt für die Untersuchung dieses ideengeschichtlichen Zusammenhangs bildet folgende These, die in der Tagung auf ihre Tragfähigkeit hin zu überprüfen sein wird: Das innovative aufklärerische wissenschaftstheoretische Projekt einer Geschichte der Natur wird zunächst von der zeitgenössischen Theorie des Geistes aufgenommen (Etienne Bonnot de Condillac: Traité des sensations, 1754 u.a.). Das neue genealogische Denken wird sodann für die gesamte klassische deutsche Philosophie nach Kant (Fichte, Schelling, Hegel) zu einem systemkonstitutiven Modell in Gestalt einer Geschichte des Bewusstseins. Dieser These folgend, stellt sich die Frage, inwieweit ästhetische und poetologische Konzepte um 1800 stärker als bislang angenommen neben der Philosophie des nachkantischen Idealismus auch von genetischen Modellen und Methoden der Naturforschung inspiriert sind bzw. inwieweit die Naturforschung ihrerseits Anregungen für die Ausbildung genealogischen Denkens aus der Philosophie und den Künsten erfahren hat.

Die Tagung gliedert sich den Untersuchungsbereichen entsprechend in drei Sektionen: Die erste Sektion untersucht Bedingungen, Folgen und Ausmaß des Umbruchs in der Theorie naturwissenschaftlicher Forschung in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Im Zentrum steht hier in wissenschaftshistorischer und wissenschaftshistoriographischer Hinsicht die Diskussion einer These von Wolf Lepenies: Lepenies beobachtet im 18. Jahrhundert das »Ende der Naturgeschichte« und den Übergang von einer klassifikatorischen zu einer historisch-genealogischen Konzeptualisierung der Natur. Die zweite Sektion widmet sich dem Thema aus philosophiegeschichtlicher Perspektive. Gefragt wird hier zum einen nach genealogischen Modellen in der Theorie des Geistes im entsprechenden Zeitraum, zum anderen auch nach Beziehungen zwischen genealogischen Denkfiguren in Naturbeschreibung und Subjektphilosophie. Die dritte Sektion beleuchtet die Bedeutung von Entwicklungsgeschichten in Kunst und Literatur um 1800, die genealogische Modelle aus zeitgenössischer Naturforschung und Philosophie aufgreifen und auf eine spezifisch ästhetische Weise darstellen.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Programm in der rechten Spalte.

Jahrestagung 2013

Die Rede vom Klassischen im 20. Jahrhundert

21. bis 23. März 2013

Veranstalter: Dr. Martin Dönike, Prof. Dr. Michael Gamper, PD Dr. Thorsten Valk

Die Jahrestagung des Zentrums für Klassikforschung richtet den Blick auf Konzepte und Rhetoriken des Klassischen, die während des 20. Jahrhunderts in ästhetischen Programmen und wissenschaftlichen Diskursen entfaltet wurden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach Anlässen, Motiven und Funktionen der Rede vom Klassischen.

Die erste Tagungssektion widmet sich wissenschaftlichen Konzeptualisierungen des Klassischen in der Literatur- und Kunstgeschichtsschreibung. Ein besonderes Interesse gilt hierbei der 1930 von Werner Jaeger in Naumburg ausgerichteten Tagung »Das Problem des Klassischen und die Antike« sowie der Kategorisierung des Klassischen in Heinrich Wölfflins kunsthistorischen Arbeiten. Zudem werden germanistische Klassikkonzepte von Fritz Strich und Hermann August Korff sowie der Epochenbegriff der Klassischen Moderne beleuchtet. Die zweite Sektion rekonstruiert das Klassische als Leitbegriff unterschiedlicher ästhetischer Programme in Philosophie, Musik und Literatur. Im Zentrum stehen neben dem Philosophen Hans-Georg Gadamer auch Künstler wie Ferruccio Busoni und Thomas Stearns Eliot. Deren Äußerungen demonstrieren, dass die Rede vom Klassischen während des 20. Jahrhunderts keineswegs nur im deutschsprachigen, sondern auch im internationalen Kontext stets virulent geblieben ist. Die dritte Sektion konzentriert sich schließlich auf die Frage, wie der Begriff des Klassischen im 20. Jahrhundert eingesetzt wurde, um wissenschaftliche oder kulturelle Strömungen im Dienste einer bestimmten Agenda zu etikettieren – etwa in der Architektur, in der Physik, in der Ökonomie oder auch im Sport.

Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses schreibt die Klassik Stiftung Weimar anlässlich der Jahrestagung des Zentrums für Klassikforschung zehn Reisestipendien aus. Weitere Informationen finden Sie rechts im Download-Bereich.

Jahrestagung 2012

Die Farben der Klassik

Die wirkungsmächtigste Bestimmung der Klassik und zugleich ein zentrales Element des Klassizismus liegen in der Orientierung auf Form und Gestalt. Farbe scheint in diesem Zusammenhang nur eine untergeordnete Rolle zu spielen, in klassizistischen Programmen wird sie mitunter auch als Opposition zum Ideal reiner Marmorweiße abgelehnt. Diesen Positionen stehen zwei signifikante Beobachtungen gegenüber: Einerseits wandelt sich um 1800 das Bild der Antike gerade im Hinblick auf chromatische Fragen, andererseits affizieren Transformationen von Farbwissen und Farbauffassung die künstlerische Praxis und die Lebenswelt in vielfältiger Weise. Die epochemachenden Ausgrabungen von Wandmalereien in Herculaneum und Pompeji fördern eine leuchtend bunte Antike zutage, die eine Herausforderung sowohl für die klassizistische Kunsttheorie als auch für die zeitgenössische Malerei, Skulptur, Architektur und Gebrauchskunst darstellt. Mit Goethes Farbenlehre wiederum liegt ein besonders spektakulärer von mehreren zeitgleichen Versuchen vor, physikalische, physiologische, chemische und ästhetische Aspekte der Farbforschung in einen umfassenden Entwurf zu integrieren. Um 1800 ist Farbe mithin ein höchst virulentes Thema, das in der Interaktion unterschiedlichster Wissensgebiete und Praxisfelder verhandelt wird. Allen gemeinsam ist die Farbensprache, deren Gebrauch in Philologie und Philosophie reflektiert und deren Kodifizierung von Theoretikern und Praktikern der Zeit versucht wird.

Die Jahrestagung möchte die vielfältige Bedeutung der Farbe als Material und Diskurselement, als ästhetischen Wert und wissenschaftlichen Gegenstand für den Klassizismus um 1800 in den Blick nehmen. Ziel ist es, Reichtum und sinnliche Vitalität eines bunten Klassizismus wieder erkennbar werden zu lassen.

Jahrestagung 2011

Konstellationen der Künste um 1800

Die Frage nach den spezifischen Differenzen der verschiedenen Kunstgattungen bildet ein zentrales Problemfeld in der ästhetischen Theorie und künstlerischen Praxis um 1800. Während Charles Batteux ein halbes Jahrhundert zuvor noch umstandslos die Verwandtschaft und analoge Verfahrensweise aller ›schönen Künste‹ behaupten kann, etabliert sich spätestens mit Lessings ›Laokoon‹ die Differenzierung zwischen wortgebundenen und bildhaften Ausdrucksformen, mithin zwischen zeitlich und räumlich bestimmten Darstellungsmodi. Mit der um 1800 aufkommenden Autonomieästhetik beschleunigt sich das Auseinanderrücken der Künste, die nun nicht länger als konkurrierende Formen der Wirklichkeitsnachahmung, sondern als autarke und selbstbezügliche Zeichensysteme verstanden werden. Freilich führen die gattungsästhetischen Auseinandersetzungen um 1800 nicht nur zu einer klärenden Abgrenzung der verschiedenen Künste, sondern sensibilisieren zugleich auch für die Möglichkeiten wechselseitiger Kombination und Transformation. In der kunsttheoretischen Reflexion des Verhältnisses zwischen Literatur, Bildkunst und Musik liegt der Keim zur erneuten Grenzüberschreitung begründet.

Die Jahrestagung des Zentrums für Klassikforschung beleuchtet die vielfältigen Konstellationen der Künste um 1800. Sie fragt nicht nur nach den Interferenzen zwischen diskursiver Standortbestimmung und künstlerischer Praxis, sondern erkundet auch die gattungsästhetischen Grenzüberschreitungen durch Kombination oder Transformation literarischer, bildkünstlerischer und musikalischer Gestaltungselemente. Die Beiträge in der Sektion ›Exempla classica‹ vergegenwärtigen die Theoriebildungen und künstlerischen Praktiken um 1800 anhand paradigmatischer Werke aus den Sammlungsbeständen der Klassik Stiftung Weimar.

Jahrestagung 2010

Heikle Balancen - Die Weimarer Klassik im Prozess der Moderne

In der literaturwissenschaftlichen und kunsthistorischen Forschung wird die Weimarer Klassik zunehmend als Formierungsphase der ästhetischen Moderne begriffen. Und in der Tat lassen sich die um 1800 in Weimar entstandenen Werke als diskursive Auseinandersetzungen mit einer als krisenhaft erfahrenen Moderne verstehen: Sie reflektieren den Legitimationsverlust traditioneller Gesellschaftsordnungen im Kontext der Französischen Revolution, reagieren auf den irreversiblen Zerfall ständisch geprägter Lebensformen im Gefolge der Industrialisierung und antworten auf die zunehmende Differenzierung des Wissens und der Arbeit.

Die Weimarer Klassik begegnet den gesellschaftlichen und kulturellen Umwälzungen um 1800 mit einer ästhetischen Bewältigungsstrategie. Diese ist von dem Bemühen gekennzeichnet, Balancen zwischen jenen Gegensätzen herzustellen, die im Zuge des Modernisierungsprozesses immer entschiedener hervortreten: Sie sucht nach Vermittlungen zwischen Rationalität und Emotionalität, Vernunft und Sinnlichkeit, Idealität und Realität, Natur und Kunst, Antikem und Modernem. Da diese Vermittlungen zwangsläufig heikel bleiben, treibt das fortgesetzte Streben nach Ausgleich zu immer neuen künstlerischen wie philosophischen Versuchsanordnungen, aus denen schließlich jene Werke hervorgehen, die das Prädikat des »Klassischen« gerechtfertigt erscheinen lassen.

In interdisziplinären Dialogen reflektiert die erste Jahrestagung des Zentrums für Klassikforschung das zwischen Normativität und Historizität changierende Kunstverständnis der Weimarer Klassik, ihre spezifisch modernen Antikenbezüge sowie die morphologische Naturauffassung Goethes. Ästhetische Theoriebildung und materielle Überlieferung werden in »wiederholten Spiegelungen« aufeinander bezogen.