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Friedrich Schiller. Gemälde von Christian Xeller, 1. Hälfte 19. Jahrhundert. Empfangszimmer im Mansardengeschoss von Schillers Wohnhaus © Klassik Stiftung Weimar
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Lutherschriften

Obwohl die Herzogliche Bibliothek in Weimar unter dieser Bezeichnung erst fast 150 Jahre nach Luthers Tod gegründet wurde, haben die Weimarer Fürsten die Zeugnisse der Reformation von Generation zu Generation weitergegeben. Johann Friedrich der Großmütige zog sich 1552 in seine einzig verbliebende Residenz Weimar zurück. Die Ernestiner verstanden sich als Schutzmacht der neuen Bewegung.

Zu den Kostbarkeiten der Herzogin Anna Amalia Bibliothek gehört die erste Gesamtausgabe des Alten und Neuen Testaments von Martin Luther. Nachdem die Übersetzung des Neuen Testaments bereits 1522 erscheinen konnte, beschäftigte sich Luther mehr als zwölf Jahre lang mit der Übersetzung des Alten Testaments. Auch Philipp Melanchthon, der ein hervorragender Kenner der alten Sprachen war, und andere Freunde wirkten daran mit. Zunächst erschienen einzelne Teile davon, bevor das Gesamtwerk in Wittenberg bei dem Druckerverleger Lufft fertiggestellt und im Oktober 1534 auf der Leipziger Buchmesse angeboten werden konnte. Das Weimarer Exemplar der Ausgabe in zwei Bänden mit den Signaturen Cl I: 58 b und c unterscheidet sich von den etwa 60 übrigen, die weltweit noch erhalten sind, vor allem durch die Ausmalung der 128 Holzschnitte und Bildinitialen. Sie sind nicht bloß koloriert, sondern mit blauen, grünen und roten Deckfarben prachtvoll ausgemalt und zum Teil mit Gold gehöht. Nicht nur der gedruckte Text transportierte das Wort Gottes, sondern auch das Bild.

Beim Bibliotheksbrand am 2. September 2004 konnte die berühmte Ausgabe zusammen mit Luthers September- und Dezember-Testament von 1522 im letzten Augenblick aus dem Rokokosaal gebracht werden. Die übrige 648 Ausgaben umfassende Bibelsammlung, in deren Mitte sie stand, wurde beschädigt. Inzwischen sind alle Bibeln restauriert und stehen der Benutzung wieder zur Verfügung. Auch die anderen Quellen zur Kirchen- und Theologiegeschichte, insbesondere zur Reformation in Sachsen und Thüringen, sind weniger stark vom Brand betroffen gewesen, weil sie überwiegend nicht im Rokokosaal aufgestellt waren und daher unversehrt geblieben sind. Das gilt z.B. auch für die 415 Einzelschriften Luthers, die zu seinen Lebzeiten erschienen sind. Insgesamt haben die Bibliographen 574 dieser Luther-Schriften gezählt, d.h. dass knapp drei Viertel aller zeitgenössischen Lutherdrucke in Weimar vorhanden sind. So finden sich z.B. der Sermon vom päpstlichen Ablass (1518), die Flugschrift An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes (1524) oder Die Sendschrift vom Dolmetschen (1530), jeweils in verschiedenen Ausgaben.

Reprint: Biblia. Das ist die gantze heilige Schrifft Deudsch. Mart. Luth. Wittemberg [Die Luther-Bibel von 1534.] Vollständiger Nachdruck [des Exemplars aus dem Besitz der Herzogin Anna Amalia Bibliothek]. Köln u.a.: Taschen 2002. 2 Bände und 1 Begleitheft von Stephan Füssel.

Konrad Kratzsch: Verzeichnis der Luther-Drucke 1517-1546. Aus den Beständen der Zentralbibliothek der deutschen Klassik. Weimar: Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der klass. dt. Literatur 1986.

Kontakt

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Telefon: +49 (0) 3643-545-205
Fax: +49 (0) 3643-545-829
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