Park an der Ilm. Ausschnitt aus dem »Grundriß von der Großherzogl.- Sächs. Residenzstadt Weimar, aufgenommen, berechnet und gezeichnet von J. V. Blaufuß«, 1818/22 © Klassik Stiftung Weimar

Provenienzforschung an der Klassik Stiftung Weimar

Die Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Herkunft von Kulturgütern und sucht Aufschluss über deren frühere Besitzerinnen und Besitzer zu geben. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei sogenanntes NS-Raubgut: Objekte, die ihren rechtmäßigen Eigentümerinnen und Eigentümern im Zusammenhang mit ihrer Verfolgung durch das NS-Regime entzogen wurden. Das geschah nicht nur durch direkte Zwangsmaßnahmen, wie es der Begriff »NS-Raubgut« nahelegt. Viele Verfolgte mussten ihr Hab und Gut unter Wert verkaufen, um ihr Überleben zu sichern, um Zwangsabgaben zu leisten oder ihre Emigration zu finanzieren.

Im Jahr 1998 verständigten sich 44 Staaten, darunter auch Deutschland, auf der Washingtoner Konferenz darauf, diese NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgüter zu identifizieren und sie den Verfolgten oder deren Erben zurückzugeben.

Darauf aufbauend unterzeichneten Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände im Jahr 1999 eine »Gemeinsame Erklärung«. Diese Selbstverpflichtung legt den verantwortungsvollen Umgang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern in Deutschland fest. Eine »Handreichung« bietet Orientierungshilfen zur Umsetzung der »Gemeinsamen Erklärung«.

Auch in den Beständen der Klassik Stiftung Weimar befinden sich unrechtmäßig erworbene Kulturgüter. Seit 2010 überprüft die Stiftung daher ihre Bestände systematisch auf NS-Raubgut und sucht gemeinsam mit den Verfolgten oder ihren Erben nach fairen und gerechten Lösungen.

Im Jahr 2011 ist diese Aufgabe in das Leitbild der Stiftung eingegangen. Zukünftig umfasst sie neben der Suche nach NS-Raubgut auch die Überprüfung von Erwerbungen während der sowjetischen Besatzung und der DDR-Zeit auf ihre Rechtmäßigkeit.

Alle Objekte in ihren Sammlungen, die als NS-Raubgut identifiziert wurden oder deren rechtmäßiger Erwerb nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, meldet die Klassik Stiftung an das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste; sie sind unter www.lostart.de recherchierbar.

Darüber hinaus werden Bücher aus den Beständen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, für die der Verdacht auf einen verfolgungsbedingten Entzug besteht, im bibliothekseigenen Online-Katalog »NS-Raubgut« nachgewiesen.

Die Forschungsprojekte im Bereich der Provenienzrecherche werden durch eine ebenfalls seit 2009 in der Klassik Stiftung etablierte Arbeitsgruppe (AG) NS-Raubgut begleitet. Ihr zur Seite steht seit 2014 ein wissenschaftlicher Fachbeirat. Dem Beirat gehören an:

  • PD Dr. Frank Bajohr, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin
  • Dr. Anja Heuß, Provenienzforscherin an der Staatsgalerie Stuttgart
  • Dr. Jens Hoppe, The Conference on Jewish Material Claims Against Germany, Frankfurt a.M.
  • Prof. Dr. Sybille Steinbacher, Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

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