Gedächtnis der Menschheit

Der handschriftliche Nachlaß Goethes ist 2001 durch die Vollversammlung der UNESCO in das Register des Gedächtnisses der Menschheit "Memory of the World" aufgenommen worden. Er zählt damit zu den weltweit rund 100 Objekten, die die UNESCO als herausragendes dokumentarisches Erbe der Menschheit besser schützen und über Internet zugänglich machen will.

Das in seltener Vollständigkeit erhaltene Dichtererbe wird seit 1885 im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar aufbewahrt und wissenschaftlich erschlossen. Es umfaßt etwa 90 Prozent aller poetischen Manuskripte Goethes, darunter eine umfangreiche handschriftliche Überlieferung zum „West-Östlichen Divan” und die Reinschrift zum „Faust II”. Nahezu vollständig überliefert sind auch die Tagebücher des Dichters aus sechs Jahrzehnten seines Lebens, mehr als ein Drittel der Briefe, die er schrieb, und etwa 20.000, die er erhielt. Zum Nachlaß, der rund 480 Archivkästen füllt, zählen außerdem Schriften Goethes zur Naturwissenschaft und zur Kunsttheorie sowie Lebenszeugnisse seiner Familie.

Das Goethe- und Schiller-Archiv hofft mit der Aufnahme dieser in ihrer Vielfalt und Geschlossenheit beispielhaften Sammlung in das „Weltgedächtnis”-Programm der UNESCO besonders auf Unterstützung für Digitalisierungsprojekte. Seit dem vergangenen Jahr stellt das Archiv eine Datenbank mit Angaben zu sämtlichen Goethe-Briefen im Internet zur Verfügung. Für die Digitalisierung der Briefe selbst fehlt es jedoch an der teuren technischen Ausstattung. Auch für notwendige Restaurierungen reichen die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel oft nicht aus. Für wertvollste, akut gefährdete Einzelbestände, darunter Goethes Briefe an Charlotte von Stein und seine Korrespondenz mit Schiller, sucht das Archiv deshalb dringend Hilfe von außen.

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