Liebe Freunde von MelosLogos,

zweifellos, es hatte sehr gewichtige Gründe, MelosLogos im vergangenen Jahr in den Ok­tober zu verlegen: So wurden die Poetischen Liedertage Teil des großen Festes zu Ehren von Herzogin Anna Amalia und zur Wiedereröffnung ihrer Bibliothek. Trotzdem bin ich sehr zufrieden darüber, dass MelosLogos 7, zu dem ich Sie heute ganz herzlich einlade, wieder in den vertrauten, ebenso stillen wie intensiven November zurückkehrt.

Zugleich kehren wir in die Moderne zurück. Keinen besseren Cicerone in die Kultur des frühen 20. Jahrhunderts könnte es geben als den Protagonisten unseres diesjährigen Festi­vals: Harry Graf Kessler. Als ich mit Bruno Ganz die authentischen Orte abging, zu denen uns das Programm führen soll, passierten wir in der Seifengasse ein Touristenpaar. Wie erstarrte ich, als ich in unserem Rücken den Kommentar des Mannes hörte: „Der sieht aber wirklich wie Adolf Hitler aus!“ Bruno Ganz sieht nicht wie Adolf Hitler aus, Bruno Ganz ist vom 21. bis 23. November 2008 das Alter ego von Graf Kessler. Vier thematisch zentrierte Lesungen aus dem uferlosen Tagebuch des Grafen, seinem eigentlichen Lebenswerk, wird Bruno Ganz an vier denkbar unterschiedlichen, aber jeweils zum Thema passenden Orten präsentieren. Selbst den Habitués unter Ihnen verspreche ich, Weimar bei dieser Gelegen­heit noch einmal aus neuer Perspektive kennenzulernen.

Graf Kessler war nicht nur Kosmopolit und unentwegte Förderer von Kunst und Kul­tur, aus seinem Tagebuch wissen wir, dass ihm die moderne Musik seiner Zeit wohlver­traut war. Intensive Beziehungen verbanden ihn mit Maurice Ravell, Claude Debussy, Gustav Mahler, Max Reger, Igor Strawinsky und vor allem mit Richard Strauss. Für diesen ver­fasste er, gemeinsam mit Hugo von Hofmanns­thal, hier in Weimar das Libretto für den Rosenkavalier, für uns Grund genug, Hermann Beil um die Ein­richtung einer Rosenkava­lier-Soirée zu bitten.

Liebe Freunde von MelosLogos, wenn Sie unser Programm studieren, wird es Sie nicht überraschen, wenn ich Ihnen gestehe, dass wir uns, was unsere finanziellen Mög­lichkeiten anbelangt, dieses Jahr fast ein wenig übernommen haben. Bitte erwägen Sie deshalb zu­gunsten unseres Festivals die Bestellung eines Förderabonnements – aber auch jede son­stige Spende ist uns hoch­ willkommen. Liese Klahn-Albrecht und nicht weniger ich selbst freuen sich schon in die­sen heißen Tagen am Beginn des Hochsommers auf das Wiederse­hen mit Ihnen im späten Herbst, bevor das Jahr sich gänzlich neigt.

Mit einem herzlichen Gruß aus Weimar

Hellmut Seemann

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