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MelosLogos 9

Es schwinden, es fallen
die leidenden Menschen
Blindlings von einer
Stunde zur andern,
Wie Wasser von Klippe
Zu Klippe geworfen,
Jahrlang ins Ungewisse
hinab.

Friedrich Hölderlin

Liebe Freunde von MelosLogos,

die Sonnenglut eines verzehrend heißen Sommers hat uns alle fest im Griff. Kaum zu glauben, dass genau in vier Monaten, am 12. November 2010, wenn das Jahr zur Neige geht, die Tage schon kurz und die Winde kalt sein werden, MelosLogos 9 beginnt.

Brahms-Phantasien haben wir als Titel über diese Liedertage geschrieben, denn in diesem Jahr soll es – endlich! – um Johannes Brahms gehen. Wenn die vielfältig-innige Verbindung von Poesie und Musik das eigentliche Anliegen von MelosLogos ist, dann ist das Thema dieses Jahres wirklich bereits seit langem fällig. Eine besondere Freude freilich ist es, dass wir Ihnen als die Sänger-Protagonisten dieser Liedertage Juliane Banse, Ingeborg Danz, Thomas Cooley und Olaf Bär ankündigen können. In denkbar unterschiedlichen Räumen und in immer wieder wechselnden Konstellationen lassen sie uns die unendlich reiche Liederwelt Johannes Brahms’ erkunden.

Der Titel verweist aber zugleich auf eine weitere Verknüpfung. In den Sammlungen der Klassik Stiftung hat sich eines der raren Exemplare eines besonders kostbaren Buches erhalten, in dem Max Klinger dem verehrten Brahms – eben unter dem Titel Brahms-Phantasie – einen seiner berühmtesten Graphikzyklen dediziert hat. Ein Höhepunkt der Synästhesie: Klinger phantasierte nicht nur in symbolistisch hoch aufgeladenen Bildern über die Klangwelten von Brahms; vielmehr verband er seine Bildwelten mit den Liedkompositionen selbst zu einer illustrierten Partitur. Jan Brachmann, der über diese Künstler-Beziehung ein hinreißendes Buch geschrieben hat, wird Ihnen die Brahms-Phantasie von Max Klinger, deren Kulmination das Schicksalslied op. 54 ist, präsentieren. Jan Brachmann: »Als prachtvolle Musiziervorlage, die zum Spielen, Singen und Schauen am Flügel, im kleinen Kreis, einlädt, offenbart sie ihren Doppelcharakter von Kunstwerk und ›Gebrauchsgegenstand‹, will sie Intimität ›um jeden Preis‹.«

Ist das nicht eine ungemein treffende Beschreibung auch unserer Poetischen Liedertage?

Wir, Liese Klahn-Albrecht und ich, freuen uns auf ein Wiedersehen mit Ihnen – spätestens im November!

Mit ganz herzlichen Grüßen aus Weimar
Hellmut Seemann

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