Boisselot & Fils, Flügel, Marseille, 1846

Boisselot & Fils, Flügel

Marseille, 1846

Diesen Flügel benutzte Liszt während seiner letzten Konzerttournee entlang der Schwarzmeerküste, und danach für Kompositionen in den Privaträumen seines Weimarer Domizils in der Altenburg.

Der Liszt-Flügel von Boisselot besitzt einige konstruktive Besonderheiten wie eine stabilisierende Eisenverspreizung unterhalb des Resonanzbodens, die jedoch den enormen Saitenzug so nicht auffangen konnte, wodurch das Instrument wahrscheinlich schon zu Liszts Lebzeiten allmählich seine Spielbarkeit verlor.

Generell waren solche Flügel auf eine Lebens- und Gebrauchsdauer von wenigen Jahrzehnten konstruiert. Dies belegt auch der stetige Wandel in der Gehäusegestaltung, welche mit dem jeweils herrschenden Möbelstil harmonieren sollte. Erst als die immer weiter ausgedehnten Tonumfänge dazu zwangen, die Instrumente gegen den Saitenzug von dann mehreren Tonnen mit Rahmenkonstruktionen aus Gusseisen auszustatten, stieg die Haltbarkeit, aber auch das Gesamtgewicht. Derartige Flügel konnten nicht mehr von einzelnen Handwerkern hergestellt werden, sondern erforderten eine praktisch fabrikmäßige Herstellung.

Dieser Flügel wird für die Weimarer Ausstellung spielfähig nachgebaut, um das seltene Original in dem Zustand, wie es aus Liszts Besitz unverändert erhalten geblieben ist, weiter bewahren zu können. Daneben wurde eine Dokumentation des Originals mit modernsten technischen Mitteln vorgenommen.

Franz Liszt war mit der Familie Boisselot in Marseille über Jahrzehnte eng befreundet. Auf seiner letzten Tournee verwendete er Boisselot-Instrumente – zum Unwillen der Firma Erard in Paris. Wie erfolgreich diese Tournee als Werbung für Boisselot war, zeigt der Umstand, dass bald darauf eine Filiale in Barcelona eröffnet werden konnte, um die gesteigerte Nachfrage nach Instrumenten von Boisselot in Spanien zu erfüllen.