Bücherregal im Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek © Klassik Stiftung Weimar

Klassik Kolleg 2016

Zwischen Klassik und Romantik (Goethe, Hölderlin, Kleist)

29. Februar bis 4. März 2016

mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern von der Universität Kiel (Prof. Albert Meier), Oldenburg (Prof. Sabine Doering) und Mailand (Prof. Alessandro Costazza).

Studierende aus Deutschland und Italien arbeiteten im Frühjahr 2016 in Weimar zur Literatur der Zeit um 1800, mit besonderem Fokus auf einer Problematisierung der Epochenbegriffe ›Klassik‹ und ›Romantik‹. Das umfangreiche Rahmenprogramm beinhaltete zahlreiche Führungen und Gespräche,
unter anderem in Schillers Gartenhaus in Jena, im Romantikerhaus Jena, im Stadtschloss Weimar, im Goethe-Nationalmuseum Weimar und im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar.

Klassik Kolleg 2014

Italienreisen

8. bis 12. September 2014

mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern von der Universität Bergamo (Prof. Elena Agazzi), der Universität Rom 2 Tor Vergata (Prof. Gabriella Catalano) und Friedrich-Schiller-Universität Jena (PD Dr. Stephan Pabst)

Im Zentrum des Klassik Kollegs 2014 standen Italienreisen des 18. Jahrhunderts. Neben den beiden bekannten Reiseberichten von Johann Wolfgang Goethe und Karl Philipp Moritz wurde auch der Reisebericht des Vaters von Goethe – Johann Caspar – in die Überlegungen einbezogen. Alle drei Reiseberichte korrespondieren auf unterschiedlichen Ebenen miteinander. Das betrifft den Gegenstand – Italien –, die konfessionell markierte Erfahrung von Fremdheit – alle drei sind Protestanten –, die Form des Reiseberichts in Briefen und die persönlichen Berührungspunkte zwischen Vater und Sohn Goethe sowie Goethe und Moritz, die sich zeitgleich in Rom aufhalten. Vor dem Hintergrund dieser Gemeinsamkeiten nahmen die Studierenden in ihren Vorträgen und den anschließenden Diskussionen die Unterschiede zwischen den Texten in den Blick. Durchgängig interessierte die Differenz zwischen der gelehrten, auf Objektivität bedachten Reisebeschreibung Johann Caspar Goethes und der Inszenierung des individuellen Bildungserlebnisses bei seinem Sohn, zwischen der moralischen und theologischen Katholizismuskritik Johann Caspars und der ästhetisierten, in die Sprache und die ästhetischen Urteilskriterien zurückgenommenen Katholizismuskritik Moritz‘, zwischen der in der Vergangenheit abgeschiedenen Antike Johann Caspars und der vergegenwärtigten Antike Johann Wolfgangs Goethes und Karl Philipp Moritz‘, die Destruktion eines katholischen Zeichenraums und die Sehnsucht nach einem kohärenten Zeichenraum der Antike. Lernen hieß dabei für alle Beteiligten auch Lernen an unterschiedlichen Unterrichts- und Diskussionsformen. Die Seminareinheiten des Kollegs wurden durch ein umfangreiches kulturelles Rahmenprogramm und die damit verbundene Möglichkeit einer ungezwungenen Fortsetzung des Gesprächs bereichert und intensiviert.

Klassik Kolleg 2013

Goethe als Übersetzer und Übersetzter. Theorie und Praxis der Übersetzung um 1800

11. bis 15. März 2013

mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern von der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Prof. Dr. Edoardo Costadura, Prof. Dr. Olaf Müller), der Universität Paris-Sorbonne (Prof. Dr. Gerard Laudin, Sophie Picard) und der Universität Udine (Dr. Elena Polledri)

Das Kolleg 2013 brachte Teilnehmer aus drei verschiedenen Nationen zusammen: Deutschland, Frankreich und Italien. Passend zur internationalen Ausrichtung des Kollegs stand auch ein nationenübergrifendes Thema im Vordergrund: Das Kolleg beschäftigte sich mit der Theorie und Praxis der Übersetzung um 1800. Ein besonderer Fokus lag dabei auf Übersetzungen von Goethes Werken in andere europäische Sprachen sowie Goethes eigene Übersetzertätigkeit. Diskutiert wurde beispielsweise Friedrich Schleiermachers Übersetungstheorie und Goethes Übersetzung von Diderots "Le Neveu de Rameau". Ergänzend wurden auch Zeitgenossen Goethes betrachtet, etwa die Übersetzung von Mozarts Opern für die Pariser Opernbühne.

An den Nachmittagen lud ein abwechslungsreiches Führungs- und Gesprächsangebot dazu ein, die verschiedenen Einrichtungen der Klassik Stiftung näher kennenzulernen und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Klassik Kolleg 2012

Illusion und Tragik. Schillers inszenierte Geschichte

22. bis 26. Oktober 2012

mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern von der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Jun.-Prof. Dr. Nina Birkner), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Prof. Dr. Fulda) und der Universität Sorbonne/Paris (Prof. Dr. Gerard Laudin)

Unter den Weimarer Klassikern gilt Schiller seit jeher als »Dichter der Geschichte«. In der Tat erproben seine Dramen immer neue Modelle des geschichtlichen Prozesses. Seine dazwischen entstandene Historiographie führt zudem auf eine seinerzeit neuartige Weise vor, wie sich Geschichte erzählen und dadurch erklären lässt. Gleichwohl werden Schillers historiographische und dramatische Gestaltungen von Geschichte selten im Zusammenhang behandelt. Hier setzte das Klassik-Kolleg 2012 an, indem es einen Bogen spannte vom ersten Versdrama ›Don Karlos‹ (1787) bis zum letzten Dramenfragment ›Demetrius‹ und auch die Rezeption von Schillers Geschichtsinszenierungen in Kleists wenig später entstehender Dramatik sowie auf der Bühne des 19. Jahrhunderts berücksichtigte. Im Zentrum stand Schillers größtes und geschichtsbildlich ergiebigstes Drama, die ›Wallenstein‹-Trilogie (1798/99). Sie wurde in ihren Bezügen zu Schillers stofflich entsprechender Historiographie, der ›Geschichte des dreyßigjährigen Kriegs‹ (1791–1793), ebenso analysiert wie ›Don Karlos‹ im Zusammenhang mit der ›Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande‹ (1788).

Wesentlich neu an Schillers dramatischer wie historiographischer Gestaltung von Geschichte ist seine Einsicht, dass diese nicht objektiv gegeben ist, sondern durch ästhetische Formung konstituiert wird. Bei Schiller ist Geschichte etwas, das erst durch – zugleich retrospektive und vergegenwärtigende – Inszenierung entsteht. Dieser Gemachtheit (Poietizität) der dargestellten Geschichte korrespondiert auf der Ebene der in der Geschichte handelnden Akteure das Bestreben, den Verlauf des Geschehens zum eigenen Vorteil zu lenken (und insofern ›Geschichte zu machen‹). In Schillers Texten erweist sich dieses Bestreben jedoch regelmäßig als illusionär, denn die Interessen der verschiedenen Akteure verflechten sich in einer so komplexen Weise, dass sie unbeherrschbar werden. Gleichsam ›über‹ den Akteursinteressen entsteht so eine Eigendynamik des geschichtlichen Prozesses, der die Figuren, die selbständig zu handeln versuchen, tragisch zum Opfer fallen. Ob dem übergeordneten Geschichtsprozess zugleich ein ›höherer Sinn‹ innewohnt, ist in der Schiller-Interpretation seit jeher umstritten und wurde auch im Kolleg kontrovers diskutiert.

Klassik Kolleg 2011

Klassik, Romantik – Zur Epochendiskussion der deutschen Literatur um 1800.

14. bis 18. März 2011

mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern von der Universität Jena (Prof. Dr. Stefan Matuschek) und der Sorbonne Nouvelle, Paris (Prof. Dr. Stéphane Michaud)

Das Kolleg 2011 beschäftigte sich mit dem Klassik‐Begriff und mit der Verbindung von Klassizismus und Romantik im Blick auf die deutsche Literatur um 1800. Es ging insbesondere um die Bedeutung und den heuristischen Wert dieser Epochen‐ und Stilbegriffe. Teilgenommen haben zwei studentische Gruppen und deren Dozenten aus Paris und Jena. Die Jenaer Gruppe unter Leitung von Stefan Matuschek hatte sich im vorausliegenden Wintersemester in einem Masterseminar mit aktuellen Forschungsbeiträgen zu diesem Thema vorbereitet; die französische Gruppe hatte sich ihrerseits in Lehrveranstaltungen präpariert, unter Leitung ihres Dozenten Stéphane Michaud von der Sorbonne Nouvelle. Das Kolleg bot die Mögichkeit, mit französischen Wissenschaftlern, Doktoranden und Studierenden ins Gespräch zu kommen und ermöglichte den Teilnehmern, einen eigenen Forschungsvortrag zu halten. Vormittags widmete man sich der Diskussion und wissenschaftlichen Auseinandersetzung, an den Nachmittagen wurden unter einschlägiger Führung die verschiedenen Einrichtungen der Klassik Stiftung Weimar besucht.