Friedrich Schiller. Gemälde von Christian Xeller, 1. Hälfte 19. Jahrhundert. Empfangszimmer im Mansardengeschoss von Schillers Wohnhaus © Klassik Stiftung Weimar
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Freimaurerliteratur

Zum Bestand gehören zahlreiche Werke von Freimaurern und über die Freimaurerei von der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.

In derselben Zeit, in der auf Anregung von Herzogin Anna Amalia das Grüne Schlösschen zur Bibliothek umgestaltet wurde (1761-1766), gründete Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch mit Brüdern der zuvor aufgelösten Jenaer Loge die Weimarer Freimaurerloge »Anna Amalia zu den drei Rosen« (24. Oktober 1764). Johann Wolfgang von Goethe, der von 1797 bis zu seinem Tod die Oberaufsicht über die herzogliche Bibliothek führte, gehörte seit 1780 der Weimarer Loge an. Damals, mehr als vierzig Jahre nach der Eröffnung der ersten deutschen Freimaurerloge und etwa sechs Jahrzehnte nach dem Auftakt der neuzeitlichen humanitären Freimaurerbewegung in London 1717, waren bereits zahlreiche Publikationen von Freimaurern und über die Freimaurerei erschienen. Darunter darf James Andersons Konstitutionsbuch der Londoner Großloge »The Constitutions Of The Free-Masons« (London, 1723) als früheste Schrift der neuen geistigen Freimaurerei gelten. In Deutschland zählten Übersetzungen englischer und französischer Publikationen zu den frühesten Veröffentlichungen: So zum Beispiel die Übertragungen von Andersons »Constitutions«, die 1745 aus dem Französischen übersetzten »Gebräuche der Freymäurer bey ihren Versammlungen, besonders bey Aufnahme ihrer Lehrlinge und Meister« oder der Band »Das Geheimniss Der Freymäurer in einem Schauspiel eröfnet«, der ebenfalls zunächst in französischer Sprache erschienen war. Die beiden Letzteren gehören zum Bestand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Von besonderem Interesse sind im lokalen Zusammenhang frühe Werke zur Freimaurerei, die in Weimar erschienen sind, etwa das Huldigungsgedicht auf Ferdinand, Herzog von Braunschweig-Lüneburg »Seiner Durchlaucht dem Herzoge Ferdinand zu Braunschweig und Lüneburg, Großmeister der vereinigten Freymaurer-Logen, als Er die Loge Amalia zu Weimar mit Seiner hohen Gegenwart beglückte, den 4. März 1777« (Weimar, 1777) oder die »Gesänge für Freimaurer zum Gebrauche aller Teutschen Logen« (Weimar, 1813).

Verschiedene Veröffentlichungen und Dokumente der Bibliothek beleuchten die Geschichte der Weimarer Loge: Zum Beispiel eine »Liste der Ehren- und ordentlichen Mitglieder der gerechten und vollkommenen Freymaurer-Loge Amalia zu Weimar von 1826«, außerdem die »Lieder zur Todten-Feier des verewigten Br. Wieland in der Loge Amalia« (Weimar 1813) und Christoph Martin Wielands Vorlesung »Über das Fortleben im Andenken der Nachwelt, eine Vorlesung in der [Loge] Amalia im Orient von Weimar, gehalten an ihrem 48. Stiftungstage den 24. October 1812 vom Bruder Wieland in seinem 80ten Jahre« (Weimar, 1812).

Bis heute erwirbt die Bibliothek aus ihrem Erwerbungsetat und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft maßgebliche Literatur zum Thema Freimaurerei (insbesondere über die Zeit von 1750 bis 1850) und vervollständigt ihre Bestände auch rückwärtig durch antiquarische Erwerbungen mit Mitteln des Johann Heinrich Meyer Fonds. Freilich stellt die Freimaurerei dabei für die Herzogin Anna Amalia Bibliothek — im Unterschied zu ausgewiesenen Spezialbibliotheken wie zum Beispiel der Bibliothek des Bayreuther Freimaurermuseums — nur einen Aspekt ihres Sammelspektrums zur Kultur und insbesondere Literatur der Zeit von 1750 bis 1850 dar.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung »Geheime Gesellschaft — Weimar und die deutsche Freimaurerei« der Stiftung Weimarer Klassik, die vom 21. Juni bis 31. Dezember 2002 im Weimarer Schillermuseum gezeigt wurde, nahm auch die Herzogin Anna Amalia Bibliothek das Thema Freimaurerei wieder verstärkt in den Blick: Zum einen konnte die Bibliothek aus Ihren Beständen mehr als zweihundert Exponate (vor allem Bücher aber auch Kunstwerke wie ein zeitgenössisches Gemälde des Freiherrn Jakob Friedrich von Fritsch oder eine Büste Karl August Böttigers) zur Verfügung stellen; zum anderen wurde eine Vielzahl von neuer Literatur gekauft und zahlreiche Titel des 18. und 19. Jahrhunderts antiquarisch erworben.

Eine Auflistung früher Freimaurertitel (1745 bis 1850) sowie neuerer Forschungsliteratur (1992 bis 2002) — aus dem elektronischen Katalog der Bibliothek generiert (Stand Juni 2002) — vermittelt einen ersten Eindruck von Art und Umfang der vorhandenen Bestände. Diese Liste erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit und erfüllt nicht die hohen qualitativen Ansprüche, die zum Beispiel an die Weimarer Personalbibliographien gestellt werden. Vielmehr handelt es sich um ein einfaches Arbeitsinstrument, das die Recherche erleichtern und einen ersten Überblick über die relevanten Bestände vermitteln soll. Unselbständige Veröffentlichungen (Zeitschriftenbeiträge, Rezensionen, Aufsätze) sind nicht enthalten. Die Auflistung bildet die Vorzüge der heutigen Autopsiekatalogisierung dabei ebenso weitgehend ungefiltert ab wie die vorkommenden Unzulänglichkeiten konvertierter Daten nach historischen Regelwerken wie den Preußischen Instruktionen. Die Anlage ist chronologisch und innerhalb der Jahrgänge alphabetisch; bei jedem Titel wird die heute gültige Signatur angegeben. Wo der Titel keine eindeutigen Hinweise auf den Freimaurerbezug enthält, wird die verbale Sacherschließung als Anmerkung mitgeliefert. Titel zu benachbarten Themen wie etwa zum Rosenkreuzertum und ähnlichem sind in die Liste nicht eingeflossen. Erwerbungen seit Dezember 2002 sind dem Online-Katalog der Bibliothek zu entnehmen.

Informationen in der Datenbank

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