Friedrich Schiller. Gemälde von Christian Xeller, 1. Hälfte 19. Jahrhundert. Empfangszimmer im Mansardengeschoss von Schillers Wohnhaus © Klassik Stiftung Weimar
« zurück zu Sammlungen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Shakespeare-Bibliothek

Derzeit umfasst die Shakespeare-Bibliothek circa 10000 Bände. Neuanschaffungen werden weiterhin getätigt. Sie wurde 1864 von der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft gegründet und hatte das Ziel, »sämtliche Hilfsmittel zum Shakespeare-Studium an einem Ort bereitzustellen«. Dieses Ziel konnte anfangs erfüllt werden. Die wachsende Zahl der Publikationen und die Beschränktheit der Mittel seit dem Ende des Ersten Weltkriegs zwangen allerdings zu einer gewissen Bescheidenheit.

Der Bestand gliedert sich in mehrere Untergruppen, die im Wesentlichen bereits 1864 definiert wurden. Die erste Gruppe enthält Gesamt- und Teilausgaben sowie Anthologien und Einzelausgaben der Werke Shakespeares (Sign. A und B). Die ersteren, mit circa 100 meist mehrbändigen Titeln vor 1900, beginnen bei der frühesten kritischen (und illustrierten) Edition der Works durch Nicholas Rowe (1709-1710); es folgen weitere Ausgaben des 18. Jahrhunderts, zum Beispiel Lewis Theobald (Neuauflage 1772), Edward Capell (1767-68), und besonders solche des 19. Jahrhunderts, darunter allein 11 Fassungen der auf Edmond Malones und George Steevens' Texten beruhenden kommentierten Variorum-Ausgaben, nebst Editionen wie denen von Thomas Campell (1838), J. P. Collier (1842-1853), James O. Haliwell (1853-1865), Nicolaus Delius (1854-1860 samt weiteren Auflagen), Alexander Dyce (1857), Thomas Keightley (1864) usw. sowie frühen photolithographischen Faksimiles der First Folio (Staunton, 1866) und der Quartos.

Vollständiger ist die Gruppe der Shakespeare-Übersetzungen (Sign. C und D). Allein die deutschsprachigen Übersetzungen belaufen sich auf circa 70 (meist mehrbändige) Titel mit Gesamt- und Teilübersetzungen (einschließlich Dichtungen und Sonette) sowie circa 180 Einzelübersetzungen, jeweils vor 1900. Originalausgaben der Übertragungen von Ch. M. Wieland (1762-1766), J. J. Eschenburg (1775 bis 1782, samt den nachfolgenden revidierten Ausgaben) und A. W. Schlegel (1797-1801) finden sich ebenso wie die der meisten Übersetzungen des 19. Jahrhunderts, unter anderem von J. H. Voss und Söhnen (1818-1819), Joseph Meyer (1824-1828), J. W. O. Benda (1825-1826), Ernst Ortlepp (1838 bis 1840), A. Keller/M. Rapp (1854), Max Moltke (1865) usw., zum Teil in mehreren, nichtidentischen Auflagen.

Üppig vorhanden sind Auflagen und revidierte Ausgaben der »Schlegel-Tieck«-Gesamtausgabe sowie aus Übersetzungen mehrerer Hände zusammengesetzter deutsche Shakespeare-Ausgaben beginnend schon mit deren frühester (Wien 1811-12) und einschließlich der von Julius Körner (1836), Friedrich Bodenstedt (1867), F. Dingelstedt (1867), Max Koch (1882-84) besorgten. Unter den Übersetzungen einzelner Dramen befinden sich zudem adaptierte Bühnentexte (zum Beispiel 5 Theaterfassungen des Hamlet von Friedrich Ludwig Schröder, 1777, 1778, 1781, 1782, 1795), dazu - wie auch bei den englischsprachigen Einzelausgaben - kommentierte, künstlerisch illustrierte und bibliophile Bände. Im Verein mit den entsprechenden übrigen Beständen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek ergibt sich eine bis zum frühen 20. Jahrhundert nahezu lückenlose Dokumentation der Geschichte der deutschen Shakespeare-Übersetzung. Daneben existieren historische Shakespeare-Übersetzungen in 23 weiteren Sprachen, am reichhaltigsten die französischen, polnischen und ungarischen.

Die umfangreichste Gruppe (Sign. F) vereint - in grob alphabetischer, nicht chronologischer Aufstellung - Sekundärliteratur zu Shakespeare und ist besonders wegen der Masse des seinerzeit laufend gesammelten deutschen Schrifttums von der Mitte des 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert - neben Buchveröffentlichungen gehören auch Sonderdrucke aus zum Teil entlegenen Zeitschriften und Privatdrucke dazu - von forschungsgeschichtlichem Interesse und einer gewissen Einmaligkeit. Allerdings ist zu bedenken, dass die Shakespeare-Rezeption gerade in Deutschland zu intensiv war, als dass sie sich nur in der hier versammelten Spezialliteratur greifen ließe. Ergänzend sind andererseits Arbeiten zur englischen Literatur- und Dramengeschichte der Shakespearezeit gesammelt (Sign. E), darunter eine Ausgabe der »Englyshe Votaryes« von John Bale aus dem Jahr 1550. In der Regel handelt es sich aber um Ausgaben des 19. Jahrhunderts von Werken der wesentlichsten elisabethanisch-jakobäischen Zeitgenossen Shakespeares.

Eine kleinere Sektion »Varia« (Sign. G) bietet einiges Material zur Dramentheorie und Theatergeschichte des 19. Jahrhunderts, unter anderemTheaterchroniken, Schauspielerbriefe und -biographien, ferner Musikalien und Bildmaterial. Eine weitere Abteilung (Sign. H und K) besteht aus älteren, teils seltenen Shakespeare-Zeitschriften und Bibliographien. Eine kleine Handschriften- (das heißt Autographen-) Sammlung (Sign. Hs) enthält unter anderem Wilhelm Oechelhäusers annotierte, bei der Erstellung seiner Bühnenfassungen benutzten Handexemplare der Ulricischen Shakespeareausgaben sowie eine Serie Regiebücher von Jocza Savits für dessen Münchner Shakespeare-Bühne (um 1900).

Die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft hat der Herzogin Anna Amalia Bibliothek die Sammlung 1994 als Eigentum übertragen, nachdem sie 130 Jahre lang hier im Hause als Depositum verwaltet und erweitert worden war. Zu beachten ist, dass es neben dieser geschlossen aufgestellten Shakespeare-Sammlung, mehr als tausend weitere Shakespeareana im allgemeinen Bestand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek gibt, die vor allem in der Zeit vor der Gründung der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft (1864) gesammelt wurden.

 

Kataloge:

Online-Katalog der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

[gedruckt] Katalog der Bücherei der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft in Weimar. Weimar 1951. 358 S.

[gedruckt] Katalog der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft. Nachtrag 1950-1960. Weimar 1960. 116 S.

Informationen in der Datenbank

Zum Online-Katalog der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Kontakt

Klassik Stiftung Weimar
Auskunft / Infotheke EG Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Platz der Demokratie 4
99423 Weimar
Telefon: +49 (0) 3643-545-205
Fax: +49 (0) 3643-545-829
info-haab@klassik-stiftung.de

Sammlungen durchsuchen