Friedrich Schiller. Gemälde von Christian Xeller, 1. Hälfte 19. Jahrhundert. Empfangszimmer im Mansardengeschoss von Schillers Wohnhaus © Klassik Stiftung Weimar
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Autographa

Diese Gruppe enthält unter der irreführenden Bezeichnung »Autographa« Flugschriftenliteratur vorwiegend aus dem 16. Jahrhundert. Die ursprünglich in Sammelbänden zusammengebundenen Schriften von meist nur einem Bogen Umfang wurden herausgelöst und sind nun einzeln in Kapseln aufbewahrt. Die Sammlung spiegelt die theologischen und politischen Auseinandersetzungen vor allem der Reformationszeit wider.

Circa 900 Drucke: »Autographorum D. Marth. Lutheri«

Die Ordnung der Drucke erfolgte in Kapseln chronologisch nach dem Druckjahr, soweit im 18. Jahrhundert. bekannt. Inzwischen gewonnene neue Forschungsergebnisse haben diese Ordnung nicht verändert, nur gelten die handschriftlichen, mit Tinte auf das Titelblatt geschriebenen Jahreszahlen, nicht mehr in jedem Falle. In dieser Gruppe sind weder Bibelübersetzungen Luthers noch Katechismen enthalten.

Signatur: Aut. Luth

Circa 1940 Drucke: »Flugschriftenliteratur«

Diese Abteilung enthält Flugschriftenliteratur vorwiegend aus den Jahrzehnten der Reformation. Die erste, umfangreichste Gruppe dieser Abteilung ist die der »Benannten Autoren«, also Verfasserschriften, mit circa. 1170 Drucken. Ein Teil dieser Flugschriften, der auch in einem alten Sonderkatalog verzeichnet ist, befindet sich in Sammelbänden der anderen Grundbestandsgruppen, wird jedoch hier mit aufgeführt. Nikolaus von Amsdorff, Johannes Brentius, Johannes Bugenhagen, Martin Butzer, Andreas Carlstadt, Johannes Cocleus, Johannes Eck, Hieronymus Emser, Desiderius Erasmus von Rotterdam, Matthias Flacus Illyricus; Johannes Eberlin von Günzburg, Ulrich von Hutten, Justus Jonas, Wentzeslaus Linck, Georg Major, Philipp Melanchthon, Thomas Müntzer, Andreas Osiander, Urbanus Rhegius, Hans Sachs, Georg Spalatin, Cyprianus Spangenberg, Huldrich Zwingli sind u. a. mit mehr als zehn Drucken in dieser Sammlung vertreten.

Sie bietet ein aufschlussreiches Bild der geistigen Auseinandersetzungen zwischen dem katholischen und dem reformierten Lager, aber auch unter den Reformierten selbst. Es folgen 113 Drucke der »Unbenannten Autoren«. Es handelt sich hierbei zum Teil um Schriften, deren Autoren wegen des polemischen Inhalts auf eine Verfasserangabe verzichtet haben. (Bei manchen von ihnen sind mittlerweile die Autoren ermittelt und zumindest im Katalog vermerkt.)

Signatur: Aut. ben. Aut. und andere mit Aut. beginnende Kennzeichnungen

201 Drucke: »Päpstliche, Kayserliche, Königliche, Churfürstliche, Fürstliche und andere Religionsschriften«

In dieser Gruppe sind die Kirchenoberen und die weltlichen Obrigkeiten mit ihren Äußerungen für und wider die Reformation, ihren Regierungsanweisungen und Rechtfertigungen sowie Berichten über hervorragende reformatorische und gegenreformatorische Ereignisse vertreten.

Beispiele:

»Bulla contra errores Martini Lutter et sequarium« (1520)

»Die Hauptartickel aller Pawerschaft vnd Hyndersassen, der Geistlichen vnd Weltlichen Oberkeyten, von welchen sy sich gantz hart beschwert vermaynen« (1525)

79 Drucke: »Schweizer Schriften, allerley Ordnungen und vom Consilio«

Hier sind die Flugschriften zusammengefasst, die sich mit der reformatorischen Entwicklung in der Schweiz befassen und die gedruckten Ordnungen in Religionssachsen, die für einzelne Städte in der Schweiz und im Reich in dieser Zeit erlassen wurden. Zudem sind Streitschriften aus den Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Obrigkeiten enthalten. Hinzu kommt noch Konzils- und Kalenderliteratur.

Beispiel:

»Handlung der Versamlung zu Zürich wegen des H. Evangelii zwischen der Botschaft von Costenz und Huldrich Zwingel« (1523)

84 Drucke: »Satirische und Pasquillantische Schriften zur Zeit der Reformation«

Die Schriften der vorliegenden Sammlung richten sich zumeist gegen die Papstkirche und behandeln den Streitgegenstand in überhöhten, oft sehr derben Sprachbildern. Sie befassen sich aber auch mit dem Bauernkrieg, besonders in der Gestalt des »Karsthans«. Bevorzugt wurde das Streitgespräch

Beispiel:

»Antitheses figurata vitae Christi et Antichristi« (1525) mit Holzschnitten Cranachs

91 Drucke: »Interimistische und Adiaphoristische Schriften«

Infolge des »Augsburger Interims« (1548) erschienene Drucke, die sich mit den Veränderungen, die Kaiser Karl V. den Reformierten zugestanden bzw. abgelehnt hatte, auseinandersetzten

Beispiel:

»Der Römischen Kaiserlichen Maiestat Erklerung, wie es der Religion halben im heiligen Reich, bis zu Austragung des gemeinen Concilii, gehalten werden soll, auf dem Reichstag zu Augspurg, den XV. Maij im 1548 Jar publicirt«

(Notiz im Katalog: "Dieses ist das Interim, welches so viel Aufsehen gemacht und ein sehr seltenes Original.")

Die adiaphoristischen Schriften zeigen die Bereitschaft Melanchthons, in bestimmten der sogenannten Mitteldinge (adiaphora) mit der katholischen Tradition einen Kompromiss zu schließen, und die Reaktion der Gnesiolutheraner, an deren Spitze Matthias Flacius Illyricus stand.

Beispiel:

»Erklerung der schendlichen Sünde derjenigen, die durch das Concilium, Interim, vnd Adiaphora, von Christo zum Antichrist fallen. Durch Matth. Flac. Illyr« (o. J.)

Hinzu kommen Crypto- und anticalvinistische Schriften »et alia Polemica« (58 Drucke). Die Gnesiolutheraner nannten ihre Gegner Kryptocalvinisten. Ihre Gegnerschaft und die gegen den Calvinismus als einer Sonderentwicklung bringen die hier zusammengefassten polemischen Schriften zum Ausdruck.

23 Drucke: »Zur Martyrer Historie gehörige Schriften«

Gegenstand dieser Schriften ist das Bestreben seitens der Reformierten, neue eigene Märtyrer als Gegengewicht gegen die Heiligen und Märtyrer der katholischen Kirche zu finden, zum Beispiel Johannes Hus und Hieronymus von Prag und andere für den reformierten Glauben Gestorbene.

141 Drucke »Prophezeiungen, Praktiken, Zeitungen, wunderliche Geschichten und Traumbüchel«

Die hier vereinigten Flugschriften reichen über das 16. Jahrhundert hinaus bis in das 18. Jh. Der Wunderglaube, das Vertrauen auf Prophezeiungen und Wahrsagereien, wie auch das Interesse an außerordentlichen Naturerscheinungen, interessanten weltgeschichtlichen Ereignissen und an Traumdeutungen bestimmt die weitgespannte Literatur dieses Genres.

Beispiel:

"Ein Newes Traum-Büchlein. Von allerhandt Treumen, auß heidnischen vnd Götlichen geschrifften. - Ein Summarium des Traums Scipionis". Straßburg 1545.

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