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10 Jahre Bildungsprojekt zu Menschenbildern: Schnappschüsse von der Vergangenheit bis in die Zukunft | Delegation aus Belgien besucht Weimar

Einhundert Jugendliche aus Leuven in der flämischen Region Belgiens sind vom 15. bis 20. März 2015 zu Gast in Weimar. Im Rahmen des historisch-politisch-kulturellen Bildungsprojektes »snapshot« beschäftigen sie sich mit den Fragen, wie das Menschenbild in verschiedenen Epochen das Zusammenleben beeinflusst hat, und was die Gestaltung dieses Menschenbilds für heute und in Zukunft bedeuten kann – gerade auch mit Blick auf Ausgrenzung und Diskriminierung.

Das größte Kooperationsprojekt der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar (EJBW), der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und der Klassik Stiftung Weimar jährt sich 2015 zum zehnten Mal. Etwa 1.500 Jugendliche kamen in den vergangenen Jahren nach Weimar, um jeweils eine knappe Woche an dem Programm teilzunehmen. Für die kommenden Jahre ist eine Fortsetzung des Projektes bereits geplant. Inzwischen wird das Angebot auch mit Schulen aus Ehingen und Bologna realisiert.

Anlässlich dieses Jubiläums begleitet eine Delegation der Stadt Leuven die Jugendlichen während der Reise nach Weimar. Stefan Wolf, Oberbürgermeister der Stadt Weimar, wird die vier Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Leuven am kommenden Mittwoch begrüßen. Ein Filmteam aus Leuven dokumentiert das Projekt.

»Die Zusammenarbeit für dieses Projekt der historisch-politisch-kulturellen Bildung bedeutet für die drei beteiligten Einrichtungen einen erheblichen gemeinsamen Erfahrungsschatz, der zu weiteren Kooperationen geführt hat und in seiner Bedeutung kaum überschätzt werden kann«, so sind sich Elke Kollar (Klassik Stiftung Weimar), Daniel Gaede (Gedenkstätte Buchenwald) und Frank König (EJBW) einig. Sie sind für die Konzeption, Planung und Durchführung des Projekts zuständig.

Zum Bildungsprojekt »snapshot«
Ein erster Impuls für das Projekt ging 2006 von der Stadt Leuven aus: Unterstützt von Bürgermeister Louis Tobback bat die Kulturabteilung der Stadt die Gedenkstätte Buchenwald um ein Wochenprogramm für 100 Jugendlichen zu den Ursachen des Terrors in Buchenwald in der irritierenden Nähe zur Kulturstadt Weimar. Hintergrund war der Wunsch, Jugendliche nicht nur für die historischen Wurzeln aktueller Diskriminierungen zu sensibilisieren, sondern auch ihre Talente für ein Engagement gegen populistische Ausgrenzungen zu entfalten. Nach einem erfolgreichen Probelauf mit 15 Jugendlichen noch im selben Jahr wurde verabredet, das Programm im großen Stil anzugehen. Die Kooperationspartner erarbeiteten zweisprachige Touren für eine Rallye durch Weimar, Rollenspiele, neue Führungen durch den Park an der Ilm und die Anlagen von Schloss Belvedere sowie Workshops zur Verwendung von Archivmaterialien, Biographien, Fundstücken oder Fotos zur Erschließung der Geschichte Buchenwalds.

Der Titel »snapshot« (Schnappschuss) weist wie ein Warnsignal darauf hin, den gelungen festgehaltenen Augenblick nicht für die ganze Geschichte zu halten, sondern zu hinterfragen, was jenseits des Bildrandes stattfand, wer da aus welcher Perspektive fotografierte, was sichtbar sein soll und was nicht.

In alle Programmpunkte, die in immer neuer Besetzung in kleinen und großen Gruppen bearbeitet werden, ist wie ein roter Faden die Frage nach dem Menschenbild in den unterschiedlichen Gesellschaften eingewoben: Welche Vorstellungen über den Wert des Menschen sind vorherrschend zu Zeiten Goethes und der Aufklärung, welche Folgen hat die rassistische Hierarchisierung in »Über«- und »Untermenschen« während des Nationalsozialismus und wie wird aktuell trotz aller Menschenrechtskonventionen die Ein- und Ausgrenzung von einzelnen und ganzen Minderheiten begründet? Lassen sich diese Unterschiede auch ablesen am Verhältnis dieser Gesellschaften zu Natur, Kunst, Bildung oder Stadtgestaltung? Und wie werden Spuren dieser unterschiedlichen Sichtweisen durch das »snapshot«-Programm in einer Kleinstadt wie Weimar erschlossen?

Diese Fragen beantworten die Jugendlichen mit viel Engagement und Eigeninitiative. Mittels Grafik, Video, Photographien, Theater, Tanz oder auch Plastiken werden die Ergebnisse und Momente des Programms festgehalten, präsentiert und schließlich zur weiteren Dokumentation nach Leuven mitgenommen.

Für inhaltliche Fragen zum Projekt stehen Ihnen die Bildungsreferenten/-innen der Kooperationspartner gerne zur Verfügung:

Daniel Gaede, Gedenkstätte Buchenwald
dgaede@buchenwald.de
TEL +49 (0)3643 430 195

Elke Kollar, Klassik Stiftung Weimar
elke.kollar@klassik-stiftung.de
TEL +49 (0)3643 545 565

Dr. Frank König, EJBW
koenig@ejbweimar.de
TEL +49 (0)3643/827-104

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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