Zurück zur Übersicht

Arkadien der Moderne? – Neues Museum Weimar zeigt Ausstellung zum 100jährigen Bestehen des ältesten deutschen Künstlerhauses


In ein »Arkadien der Moderne« führt eine Jubliäumsausstellung zum 100jährigen Bestehen der Villa Romana in Florenz, die vom 8. Oktober bis zum 15. Januar 2006 im Neuen Museum Weimar gezeigt wird. Mit 180 Werken von rund 80 namhaften Künstlern bietet die repräsentative Schau ein Panorama der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu sehen sind Werke von Max Klinger, Max Liebermann, Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, Georg Baselitz, Markus Lüpertz, aber auch von Anna Oppermann und Amelie von Wulffen sowie von anderen bedeutenden Künstlern, deren Namen eng mit der Geschichte des ersten deutschen Künstlerhauses in Italien verbunden sind.
Die Gründung der Villa Romana wurde im Januar 1905 im Kreis des Deutschen Künstlerbundes um Harry Graf Kessler und Max Klinger in Weimar beschlossen, um unabhängig von Richtungen und Schulen künstlerische Talente zu fördern. Der gleichnamige Preis, über dessen Vergabe bis heute allein Künstler entscheiden, ist eine der begehrtesten Auszeichnungen im Bereich der bildenden Kunst. Der Maler Kurt Tuch war im November 1905 der erste Preisträger, der in die Villa in Florenz einzog. Im Dezember folgen Ulrich Hübner und Georg Kolbe. Seitdem hat das Haus mehr als 240 Stipendiaten sowie eine große Zahl von Gastkünstlern beherbergt. Der Villa Romana Preis wird inzwischen viermal jährlich vergeben und umfaßt einen zehnmonatigen Aufenthalt in Florenz mit Stipendium.
Welche inspirierende, manchmal auch irritierende Begegnung mit Florenz als Schatzkammer der italienischen Renaissance und als Wiege des europäischen Humanismus die Villa Romana seit 100 Jahren immer wieder neu ermöglicht hat, führt die Weimarer Schau beispielhaft vor Augen. Sie dokumentiert dabei die Geschichte des ältesten deutschen Künstlerhauses von seiner Gründungsphase zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Wiedereröffnung 1959 unter Schirmherrschaft von Theodor Heuss bis in die Gegenwart. In einem ersten Teil, der den Gründern des Künstlerhauses gewidmet ist, sind u.a. Arbeiten von Max Klinger, Max Liebermann, Ludwig von Hofmann und Leopold Graf Kalckreuth zu sehen.


Die mäzenatischen Mitbegründer wie Harry Graf Kessler und Paul Cassirer erscheinen in einer Reihe bedeutender Porträts sowie in zahlreichen Fotos und Briefen. Der zweite Teil der Ausstellung umfaßt die Jahre vor und zwischen den beiden Weltkriegen. Gezeigt werden überwiegend in Florenz entstandene Arbeiten, darunter ein Selbstbildnis (1907) von Max Beckmann, Ernst Barlachs »Sterngucker II« (1909) und Max Pechsteins »Fischerboot« (1913). Fotos, Skizzenbücher, Briefe und Tagebücher illustrieren darüber hinaus den Alltag in der Künstlervilla. Die Zeit zwischen den Kriegen wurde durch den langjährigen Leiter der Villa, den Maler Hans Purrmann, geprägt. Das in dieser Zeit wichtige Thema der Emigration klingt in Arbeiten seines Freundes Rudolf Levy an.
Der letzte und umfangreichste Teil der Ausstellung dokumentiert mit Werken u.a. von Horst Antes, Georg Baselitz, Michael Buthe, Markus Lüpertz, Nikolaus Lang, Alf Schuler, Dorothee von Windheim und Karin Sander die Jahre nach der Wiedereröffnung 1959 bis in die Gegenwart.
Die Geschichte der Villa Romana, die vor 100 Jahren in Weimar begann, ist zugleich auch ein herausragendes Beispiel privaten Mäzenatentums. Zahlreiche Förderer, neben Unternehmern, Bankiers und Sammlern auch Künstler wie Klinger und Kalckreuth, unterstützten die Villa immer wieder mit größeren Summen. Seit 70 Jahren ist die Deutsche Bank Partner des Künstlerhauses in Florenz.
Die Weimarer Jubiläumsschau »Ein Arkadien der Moderne? – 100 Jahre Künstlerhaus Villa Romana in Florenz« ist eine Kooperation des Villa Romana e.V., der Klassik Stiftung Weimar und der Deutsche Bank Stiftung.
Die Ausstellung ist bis 15. Januar täglich außer montags zu besichtigen. Jeweils sonntags um 11 Uhr werden Führungen angeboten.
Ein umfangreicher Katalog (ISBN 3-7443-131-2) ist im G+H Verlag erschienen.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Der Internetauftritt der Klassik Stiftung Weimar verwendet Cookies, um Ihnen einen optimalen Service zu bieten. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden. Zur Datenschutzerklärung

Verstanden