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Aus Südamerika zurück: Lange vermißte Bücher aus Goethes Bibliothek


Drei als verschollen geltende Bücher aus der Bibliothek Goethes sind jetzt nach mehr als 60 Jahren in das Haus des Dichters am Frauenplan in Weimar zurückgekehrt. Die Stiftung Weimarer Klassik erhielt die »Italiänischen Textbücher« mit einer Sammlung von 23 Libretti von einem Privatmann aus Chile zurück. Stiftungspräsident Hellmut Seemann dankte dem Auswärtigen Amt, der Deutschen Botschaft in Chile sowie dem Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, ohne deren vermittelndes Wirken diese Aktion nicht geglückt wäre. Die Texte zu Theateraufführungen, die der erste Direktor des Goethe-Nationalmuseums, Carl Ruland, um 1900 zu drei schön gebundenen Büchern zusammenfassen ließ, seien nicht nur wichtige Zeugnisse für die Goetheforschung, sondern auch eine antiquarische Rarität.
Goethe hatte die zwischen 1786 und 1790 in Rom, Venedig und Neapel erschienenen Textbücher während seiner Italienaufenthalte zusammengetragen. Einzelne Stücke davon, so der »L‘ impresario in angustie« von Domenico Cimarosa oder Pasquale Anfossis »La maga circe«, wurden von ihm bearbeitet in Weimar aufgeführt.
Im Mai 1942 gingen die Bücher auf politische Intervention hin per Kurier auf die Reise nach Rom. Der Diplomat und Schriftsteller Werner von der Schulenburg wollte sie hier für einen Artikel in der Zeitschrift »Italien« einsehen. Als Schulenburg wegen der Kriegsereignisse 1943 plötzlich aus der Stadt fliehen mußte, blieben die drei Bände in seiner Wohnung zurück. Seitdem galten sie als vermißt. Mehrfache Versuche des Goethe-Nationalmuseums, zuletzt im Jahr 1961, dem weiteren Schicksal der Bücher auf die Spur zu kommen, blieben erfolglos. Erst im Jahr 1999 meldete sich ein in Chile lebender Privatmann bei der Stiftung Weimarer Klassik und fragte an, ob es sich bei drei in einem Nachlaß aufgefundenen Bänden um Bücher aus Goethes Besitz handeln könne. Die Identität ließ sich zweifelsfrei feststellen. Während der Weimarer Museumsnacht am 25. Mai werden die Textbücher im Goethe-Nationalmuseum erstmals öffentlich zu sehen sein.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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