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BMBF stärkt sammlungsbezogene Forschung in Marbach, Weimar und Wolfenbüttel

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Der Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW) lädt für Montag, den 19. Mai, zur Auftaktveranstaltung in die Landesvertretung Thüringen in Berlin ein. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Prof. Dr. Johanna Wanka, eröffnet das Programm um 10 Uhr mit einem Grußwort. Im Anschluss werden in drei Panels wichtige Themen aus den Forschungsfeldern des Verbunds diskutiert.

Um 12 Uhr findet im Konferenzzimmer im 6. Stock ein Pressegespräch mit den drei Direktoren Hellmut Seemann, Präsident Klassik Stiftung Weimar, Prof. Dr. Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer, Direktor der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, und  Dr. Sonja Asal, designierte Geschäftsführerin des Verbunds, statt.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert den Verbund, der auf Empfehlung des Wissenschaftsrates im vergangenen Jahr gegründet wurde. Im Rahmen des Forschungsverbunds MWW wird im Deutschen Literaturarchiv Marbach, in der Klassik Stiftung Weimar und in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel zu drei großen epochenübergreifenden Fragen geforscht: Bildpolitik – Autorenbibliotheken – Text und Rahmen. Die Projekte werden vom Aufbau einer virtuellen Forschungsumgebung flankiert. Die Geschäftsstelle des Verbunds mit Geschäftsführung und Pressestelle ist am Wissenschaftskolleg zu Berlin angesiedelt.

„Die Frage der Digitalisierung kulturhistorischer Quellen stellt sich nicht primär als Frage nach dem Ob und dem Wie, sondern als Frage nach der Qualität und Nachhaltigkeit der digitalen Erschließung. Der Forschungsverbund ist als Projektformation konzipiert, hat aber zugleich den Auftrag, neue und dauerhaft angelegte Strukturen für eine digital gestützte Kulturwissenschaft in historischer Perspektive zu entwickeln“, erklärt Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar und amtierender Sprecher des Forschungsverbunds Marbach Weimar Wolfenbüttel.

Neu ist nicht nur, dass weit von einander entfernt liegende Epochen durch die Verknüpfung der Sammlungen in Beziehung gesetzt werden. Darüber hinaus wird im Zuge des digital turn ein neuer Umgang mit den Objekten möglich. Mit dem Projekt Digital Humanities entwirft der Verbund eine virtuelle Forschungsinfrastruktur. Alle Objekte der drei Einrichtungen, die im Rahmen des Verbunds beforscht werden, sollen digital verfügbar werden.

Auftaktveranstaltung

Der material turn und der digital turn fordern die geisteswissenschaftliche Forschung insgesamt heraus. Wie sehen diese Herausforderungen aus und wie sollen die Geisteswissenschaften ihnen begegnen? Diesen Fragen will die Auftaktveranstaltung ein Forum bieten. Dr. Julianne Nyhan, Assistant Professor für Digital Information Studies am University College London, diskutiert mit Prof. Dr. Andrea Rapp, Professorin für germanistische Computerphilologie, und mit Dr. Thomas Ernst, Literatur- und Medienwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen. Des Weiteren diskutieren Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig, Prof. Dr. Elisabeth Décultot, Directrice de recherche am Centre National de la Recherche Scientifique Paris und Mitglied des Centre Marc Bloch Berlin, PD Dr. Dirk Werle, Institut für Germanistik der Universität Leipzig, Prof. Dr. Sandra Richter, Institut für Germanistik der Universität Stuttgart, Prof. Dr. Katrin Kohl, Professor für German Literature (Oxford), Prof. Dr. Markus Hilgert, Direktor des vorderasiatischen Museums Berlin.

Die drei jetzt begonnenen MWW-Projekte sind konkrete Ausgestaltungen objektbasierter Forschung. Das Projekt Autorenbibliotheken: Materialität – Wissensordnung – Performanz will die Entstehungsbedingungen von Literatur und Wissenschaft von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart in den Blick nehmen. So bestehen die drei Forschungsbibliotheken und -archive nicht aus einer Masse von Einzelobjekten, sondern besitzen selbst wiederum ganze Bibliotheken. Diese Orte kreativer Tätigkeit spiegeln das Denken der jeweiligen Epoche auf unterschiedlichste Weise wider.
Auch Bilder sind zentral für unsere Geschichte und unser kulturelles Gedächtnis. Das Projekt Bildpolitik – Das Autorenporträt als ikonographische Autorisierung stellt die Bildnisse der Textproduzenten selbst in den Mittelpunkt. Dabei wird frühneuzeitliche Druckgraphik in Beziehung gesetzt zur Porträtplastik der Weimarer Klassik und zur Fotografie der Moderne.
Die Bibel, der Faust, die Klassiker: Was macht sie eigentlich kanonisch? Wie kommt es dazu, dass sie immer wieder gelesen werden? Das Projekt Text und Rahmen – Präsentationsmodi kanonischer Werke vermutet, dass die berührbare und sichtbare Materialität der Bücher und ihre Präsentation in Worten, Gesten und Gesang eine entscheidende Rolle spielen. Die Projektgruppe macht es sich zur Aufgabe, von den Sammlungen ausgehend die Kanon-Konjunkturen, ihre Bedingungen und Beschränkungen zu untersuchen und damit eine Sammlungs-Kritik im aufklärerischen Sinne zu leisten.

Die Forschung „direkt am Objekt“ will der Verbund der Öffentlichkeit auch über virtuelle Ausstellungen und einen Blog auf seiner Homepage www.mww-forschung.de zugänglich machen.

Über die bessere Vernetzung von drei bedeutenden kulturhistorischen Institutionen in  Deutschland und die Stärkung der sammlungsbezogenen Forschung hinaus hat der Verbund die Aufgabe, der Nachwuchsförderung neue Impulse zu geben. In engem Austausch mit deutschen und ausländischen Einrichtungen wird ein international ausgerichtetes Stipendienprogramm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses entwickelt. Außerdem wird der Verbund in Kooperation mit Universitäten in Asien, den USA und Großbritannien ab 2015 jährlich eine Sommerschule abhalten, um verstärkt eine auf Sammlungskontexte bezogene Forschung anzuregen.

Die Veranstaltung – aus Platzgründen nur für geladene Gäste – beginnt am Montag, dem 19. Mai, um 10 Uhr in der Vertretung des Freistaats Thüringen beim Bund, Mohrenstraße 64, 10117 Berlin, und endet gegen 17 Uhr.

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BMBF Strengthens Collection-relevant Research in Marbach, Weimar and Wolfenbüttel

The Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW) Research Network invites the public to its opening event at the Thuringian State Representation in Berlin on 19 May 2014. The Federal Minister of Education and Research, Prof. Dr. Johanna Wanka, will commence the programme with a welcoming speech at 10 am, followed by three panel discussions on central topics from the network’s research fields.

A press conference will be held at 12 pm in the conference room on the 6th floor with the three directors Hellmut Seemann, President of the Klassik Stiftung Weimar, Prof. Dr. Ulrich Raulff, Director of the Deutsches Literaturarchiv in Marbach, Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer, Director of the Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, and Dr. Sonja Asal, the designated managing director of the MMW. The German Federal Ministry of Education and Research (BMBF) is funding the MMW Research Network which was founded last year at the recommendation of the German Council of Science and Humanities. As members of the research consortium, the Deutsches Literaturarchiv in Marbach, the Klassik Stiftung Weimar and the Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel will conduct collaborative research in three major, epoch-spanning areas: Image Politics – Writers’ Libraries – Text and Frame. A virtual research environment will be created to accompany the projects. The headquarters of the MMW, where the administrative and PR activities will take place, is located at the Wissenschaftskolleg zu Berlin.

“The digitalisation of cultural-historic sources is not primarily a question of whether and how, but rather one of the quality and sustainability of digital processing. The research network is structured around various projects, but at the same time has the task of developing new and permanent structures for digitally aided cultural scientific study in a historic perspective,” explains Hellmut Seemann, President of the Klassik Stiftung Weimar and acting spokesperson for the Marbach Weimar Wolfenbüttel Research Network.

The goal of establishing correlations between distant epochs by crosslinking the collections is not the only new feature of the project. In line with the digital turn, the MMW will enable researchers to study objects in a whole new way. With the project Digital Humanities, the MMW will draft plans for a virtual research infrastructure. All the objects slated for further study within the network will be made digitally accessible.

Opening event

The material turn and the digital turn pose a combined challenge to researchers in the humanities. What are these challenges exactly and how should humanities scholars address them? The opening event wishes to provide a forum to discuss these questions further. Dr. Julianne Nyhan, assistant professor of Digital Information Studies at University College London, will join in discussion with Prof. Dr. Andrea Rapp, professor of Computer Philology in German Studies, and Dr. Thomas Ernst, literature and media studies scholar at the University of Duisburg-Essen. Other speakers include Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider, Director of the Leipzig University Library, Prof. Dr. Elisabeth Décultot, Director of Research at the Centre National de la Recherche Scientifique Paris and member of the Centre Marc Bloch in Berlin, PD Dr. Dirk Werle from the German Studies Department at the University of Leipzig, Prof. Dr. Sandra Richter from the German Studies Department at the University of Stuttgart, Prof. Dr. Katrin Kohl, professor of German Literature (Oxford), Prof. Dr. Markus Hilgert, Director of the Vorderasiatisches Museum in Berlin.

The three MWW projects, which have recently commenced, are concrete examples of object-based research. The project Writers’ Libraries: Materiality – Orders of Knowledge - Performance aims to explore the conditions which have engendered literature and science from early modernity to the present day. Indeed, the three research libraries and archives are not comprised of a mass of individual objects, but contain entire libraries within themselves. These places of creative activity reflect the thinking of each epoch in vastly diverse ways.
Images also play a central role in our history and cultural memory. The project Image Politics – Authors’ Portraits and Iconographic Authorisation shifts the focus to the portraits of those who produced the literary texts. The project will compare and contrast early modern prints, portrait busts from the Weimar classical period and modern-day photographic works.
The Bible, Faust and the classics – what exactly makes them canonical? Why is it that some works are read again and again? The project Text and Frame – Presentational Modes of Canonical Works proposes that the tangible and visible materiality of books and their presentation in words, gestures and song play a decisive role. The project team aims to investigate the canonical trends, their conditions and limitations on the basis of the collections, thereby offering a critical review of the collections in the spirit of Enlightenment.

The research network also plans to make “object-based” research publicly accessible by means of virtual exhibitions and a blog on its website www.mww-forschung.de.

In addition to more closely networking the activities of three important cultural-historic institutions in Germany and strengthening collection-relevant research, the MMW will also work to initiate new measures to promote young scholars. In close cooperation with other German and foreign organisations, the network will develop an internationally oriented scholarship programme to support junior researchers. Together with universities in Asia, the United States and Great Britain, the MMW will host an international summer school starting in 2015 to encourage further research in a collection-oriented context.

The opening event – which is only open to invited guests due to limited seating – will begin on Monday, 19 May at 10 am at the Thuringian State Representation in the Federal Government, Mohrenstraße 64, 10117 Berlin, and will conclude around 5 pm.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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