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»Cranach zeigt Luther« - Kabinettausstellung mit Werken von Cranach d.Ä. präsentiert Bildstrategien der Reformation

Pressebilder
Flyer zur Ausstellung
Flyer zur Tagung

Ab übermorgen, 25. Oktober, und bis zum 11. Januar 2015 präsentiert die Klassik Stiftung Weimar unter dem Titel »Cranach zeigt Luther - Bildstrategien der Reformation« im Stadtschloss Werke des Luther-Porträtisten Cranach. Die Kabinettausstellung, die das Gemälde „Martin Luther als Junker Jörg“ von  Lucas Cranachs d.Ä. in den Mittelpunkt rückt und durch graphische Arbeiten ergänzt, wird anlässlich der Tagung »Weimar und die Reformation. Luthers Obrigkeitslehre und ihre Wirkungen von Weimar in die Moderne« eröffnet. Sie findet vom 24. bis 26. Oktober 2014 statt und wird veranstaltet von der Evangelischen Akademie Thüringen, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Klassik Stiftung Weimar. Sie geht zugleich der Jahresausstellung 2015 der Klassik Stiftung voran, die unter dem Titel »Cranach in Weimar« vom 3. April bis 14. Juni im Schiller-Museum Weimar zu sehen sein wird. Zur Vernissage der Ausstellung am 24. Oktober, 19 Uhr,  hält Prof. Dr. Wolfgang Holler, Generaldirektor der Museen in der Klassik Stiftung Weimar und Kurator der Ausstellung, den Festvortrag im Festsaal des Stadtschlosses.

Cranachs Bildnisse von Martin Luther prägen die Vorstellung vom Aussehen des Reformators bis heute. Den Anstoß zum ersten Lutherporträt gab möglicherweise Albrecht Dürer. Im Jahr 1520 wandte sich Dürer in einem Schreiben an den Humanisten Georg Spalatin, Geheimsekretär Kurfürst Friedrichs des Weisen in Wittenberg, und dankte ihm für die Zusendung reformatorischer Schriften, darunter auch solcher von Luther, und äußerte die Hoffnung, den Reformator einmal porträtieren zu können. Dieser Wunsch Dürers blieb unerfüllt, wies aber Spalatin möglicherweise auf den Bedarf an Bildnissen des zunehmend prominenten Luther hin. Nahe lag, diese Aufgabe dem kurfürstlichen Hofmaler Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553) anzutragen. Cranach schuf wohl deshalb im selben Jahr einen ausdrucksstarken Kupferstich, der Luther als Augustinermönch zeigt. Weimar besitzt von diesem seltenen Blatt das einzige bekannte Exemplar des überarbeiteten, zweiten Zustandes, ein kostbares Unikat, auf dem oben links ein kleiner bärtiger Kopf in Profilansicht eingefügt wurde. Ob diese spätere Zufügung von Cranach selbst oder einem Mitglied seiner Werkstatt stammt, muss offen bleiben. Im Jahr 1520 jedenfalls stach Cranach noch ein zweites Blatt. Diesmal platzierte er den Reformator im Habit der Augustiner vor einer Nische, die als überhöhende Würdeformel dient. Zugleich zeigt Cranach ihn mit Buch und einem Gestus der beteuernden Rede, die auf seine Gelehrsamkeit und rhetorische Kraft verweisen. Dieses Blatt fand offenbar besonderen Widerhall. Zur Zeit des Wormser Reichstages (1521), auf dem sich Luther vor Kaiser Karl V. verantworten musste, fand das Motiv durch eine Vielzahl von Kopien und Variationen von verschiedenen Künstlern und Druckern weite Verbreitung, die in einigen Beispielen vorgestellt werden.
Im Mittelpunkt dieser Kabinettausstellung steht jedoch das berühmte Gemälde Martin Luthers als Junker Jörg. Luther hat die rechte Hand in stummer Ansprache erhoben und umgreift mit der linken ein Schwert. Das Bildnis entstand wohl im Frühjahr 1522, unmittelbar nach dem geheim gehaltenen, zehnmonatigen Aufenthalt Luthers auf der Wartburg. Dorthin war er von Worms zurückkehrend auf Geheiß Kurfürst Friedrichs III., des Weisen gebracht worden. Luther, inzwischen der Reichsacht verfallen, wurde durch diesen vorgetäuschten Überfall dem Zugriff der kaiserlichen Gefolgsleute entzogen. Eng zusammen hängt mit diesem Gemälde ein 1522 datierter Holzschnitt Cranachs, der ebenfalls zu sehen ist. Im Sinne eines Propagandablattes sollte er nicht zuletzt beweisen, dass Luther am Leben war und sein Reformwerk fortsetzte. Entsprechend bezeugt das emblematisch aufgebaute Blatt durch Beischriften die Glaubensfestigkeit des Dargestellten und erläutert die aktuellen Geschehnisse. Nicht zuletzt dieser Holzschnitt ist Ausweis der gezielten, reformatorischen Bildstrategie, an der die Cranach-Familie herausragenden Anteil hatte.

»Cranach hat mit Luther eine Art Persönlichkeitsmarketing betrieben– jedenfalls aus heutiger Sicht. Er steht gleichsam als unternehmerisch denkender Chef an der Spitze einer Art Bildagentur. Er ist ein Erfinder, ohne Frage, ein Gestalter mit Phantasie, ein großer Könner mit dem Gespür für das, was bei den Kunden ankommt. In seiner Zeit gehört er zu den erfolgreichsten und bekanntesten Vertretern seiner Branche, nicht zuletzt, weil er innovativ ist und das Risiko nicht scheut. Er gilt als ausgebuffter Stratege in der Vermarktung von Bildern. Mit seinen Bilderfindungen geht er dabei oft nicht zimperlich um. Er scheut sich nicht, erfolgreiche Bildmotive immer wieder zu recyclen, anzupassen und zu variieren, überlässt vieles seinen Angestellten und nimmt dabei bewusst Qualitätsschwankungen in Kauf. Aber durch sein besonderes „Produktmanagement“ ist es ihm gelungen, seine Firma als unverwechselbare „Marke“ zu etablieren und ungewöhnliche Bildstrategien zu entwickeln, die multifunktional sind und die jeder wiedererkennt«, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Holler.

Bis zum 8. Januar begleitet ein Rahmenprogramm die Ausstellung. Den Auftakt wird am 13. November eine Führung mit dem Generaldirektor Museen der Klassik Stiftung Prof. Dr Wolfgang Holler bilden. Außerdem hält die wissenschaftliche Kuratorin der Ausstellung » Cranach in Weimar « Dr. Katrin Kolb am 10. Dezember einen Vortrag zum Thema.

Ausstellungsdaten

»Cranach zeigt Luther - Bildstrategien der Reformation«
25. Oktober 2014 bis 11. Januar 2015
Stadtschloss Weimar | Burgplatz 4
99423 Weimar

Preise

7,50 EUR / ermäßigt 6,50 EUR / Schüler 2,50 EUR
Bis 16 Jahre Eintritt frei
Eintritt zur Ausstellung inkl. Stadtschloss Weimar mit Schlossmuseum

Öffnungszeiten

25. Oktober 2014
Di. – So. 09:30 - 18:00 Uhr
ab 26. Oktober 2014
Di.- So. 09:30 - 16:00 Uhr

Feiertage:
Reformationstag 31. Oktober 2014 09:30 - 16:00 Uhr geöffnet
Heiligabend 24. Dezember  geschlossen
1. Weihnachtsfeiertag 25. Dezember 09:30 - 16:00 Uhr geöffnet
2. Weihnachtsfeiertag 26. Dezember 09:30 - 16:00 Uhr geöffnet
Silvester 31. Dezember 09:30 - 16:00 Uhr geöffnet

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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