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Die Dichterzimmer im Weimarer Stadtschloss werden wiedereröffnet – Wichtiges Etappenziel im Gesamtkonzept »Kosmos Weimar« ist erreicht

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Heute, am 15. Mai 2014, feiert die Klassik Stiftung Weimar die Wiedereröffnung der Dichterzimmer im Weimarer Stadtschloss. Die von Großherzogin Maria Pawlowna von Sachsen-Weimar-Eisenach zwischen 1835 und 1847 zu Ehren von Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder, Friedrich Schiller und Johann Wolfgang Goethe eingerichteten Memorialräume im Weimarer Schloss stellen ein Gesamtkunstwerk mit internationaler Strahlkraft dar. Die Restaurierung der Dichterzimmer ist für die Klassik Stiftung von großer symbolischer Bedeutung. Denn dies ist der erste realisierte Schritt auf dem langen Weg, der soeben beginnt: Das Stadtschloss zu Weimar zum Zentrum des Kosmos Weimar zu machen. Mit der Restaurierung der Goethe-Galerie und des Wieland-Zimmers setzt die Klassik Stiftung die konservatorisch-restauratorischen Standards auch für künftige Restaurierungen.

World Monuments Fund und Rudolf-August Oetker Stiftung als Förderer
Für die Restaurierung der Goethe-Galerie und des Wieland-Zimmers konnte die Klassik Stiftung Weimar die Rudolf-August Oetker Stiftung und den WORLD MONUMENTS FUND® Robert W. Wilson Challenge to conserve our heritage als Förderer gewinnen.
Für Bertrand du Vignaud, Präsident des World Monument Fund, ist es »eine große Freude, heute – fast fünfzig Jahre nach der Gründung des World Monument Fund, die führende private internationale Organisation im Bereich Denkmalpflege und -schutz in über 100 Ländern in der ganzen Welt – die Fertigstellung der Restaurierung der Goethe-Galerie und des Wieland-Zimmers zu erleben. Nach jahrelanger Arbeit durch die Fachrestauratoren unter der Leitung der Klassik Stiftung Weimar erlangen diese Räume wieder ihre ursprüngliche Schönheit. Ich bin besonders glücklich darüber, dass, nachdem in den letzten Jahren die Restaurierung des Fürstenquartier im Neuen Palais Potsdam, der Rokoko-Inneneinrichtungen im Fasanenschlösschen der Moritzburg, der Renaissance-Burg Torgau sowie anderer Denkmäler fertiggestellt werden konnten, die internationale Partnerschaft zwischen dem World Monument Fund – Dank der Robert W. Wilson Challenge to conserve our heritage – und ihren privaten Partnern in Deutschland zu diesem neuen Restaurierungsprojekt an einem wichtigen Teil der deutschen Kulturerbe geführt hat.

Zusammen mit der Rudolf-August Oetker Stiftung unterstützte der WMF vor einigen Jahren die Restaurierung des Ledertapeten-Zimmers im Schloss Oranienbaum bei Dessau. Heute wird unsere erfolgreiche Partnerschaft mit dieser bemerkenswerten privaten Stiftung es Kunstliebhabern und Touristen ermöglichen, die Schönheit und Originalität dieser fast vergessenen Inneneinrichtung des mittleren 19. Jahrhunderts zu entdecken und zu schätzen - hier im Herzen des ehemaligen Residenzschlosses Weimar, das mit Schätzen und Kunstwerken gefällt ist. Ich hoffe, dass so viele Menschen wie möglich dieses Erlebnis genießen können.« Maja Oetker, Vorsitzende des Kuratoriums der Rudolf-August Oetker Stiftung, erklärte: »Ich freue mich, dass heute – nach mehr als zweijähriger Restaurierung – zwei weitere Dichterzimmer im Weimarer Residenzschloss der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Die Restaurierung der Goethe-Galerie und des Wieland-Zimmers ist nach der Restaurierung der Ledertapeten in Schloss Oranienbaum vor einigen Jahren ein weiteres Großprojekt, das von der Rudolf-August Oetker Stiftung und dem World Monuments Fund je zur Hälfte finanziell unterstützt und beratend begleitet wurde. Im Übrigen schließe ich mich gerne den Ausführungen von Monsieur du Vignaud an.«

Zur Restaurierungsmaßnahme
Die Wahrnehmung der Dichterzimmer als Raumerlebnis einer Erinnerungs- und Gedächtniskultur des 19. Jahrhunderts war durch Alterungsprozesse und Schäden unterschiedlicher Ursache erheblich beeinträchtigt worden. Die in den Dichterzimmern tätigen Künstler legten selbst den Grundstein für Schädigungen an den Wandgemälden, indem sie auf der Suche nach einer authentischen Kunstauffassung der Antike mit ungewöhnlichen Farbrezepturen und Ausführungstechniken experimentierten. Später traten baukonstruktive Schäden wie Risse, Putzausbrüche, pudernde und abblätternde Fassungsschichten sowie die Folgen von Feuchtigkeit in den Wänden, die zu Salzausblühungen, Verfärbungen und Wasserrändern in der Malerei führten, hinzu. Auch die Stuckfriese wurden durch den Wassereintrag stark beschädigt und teilweise zerstört.

Die Restauratoren setzten sich zum Ziel, den entstehungszeitlichen Bestand in den Dichterzimmern zu konservieren sowie den Gesamtzusammenhang der Memorialräume wiederherzustellen und für zukünftige Generationen zu erhalten. Auf Grundlage einer detaillierten Schadenserfassung und -analyse arbeiteten sie an Wand- und Deckenfassungen, Stuck- und Steinoberflächen, so u.a. auch an den antiken Sarkophagplatten in der Goethe-Galerie, am Holzwerk, den Öfen, Leuchtern und Zinkgussplatten der Türen. Neben der grundlegenden Reinigung und der Beseitigung von konstruktiven Schäden konnten Salze reduziert und die erhaltene Malerei gefestigt werden. Um die ursprüngliche Bildaussage und Raumwirkung wiederzugewinnen, musste zunächst eine einheitliche und raumübergreifende Qualität der Retuschemethoden, der Farbwirkung und der angestrebten Glanzgrade auf den Oberflächen definiert werden. Sodann retuschierten die Restauratoren störende Verfärbungen, Fehlstellen sowie Übermalungen früherer Restaurierungsmaßnahmen und stellten die erwünschten Glanzgrade wieder her.

Über ein Klima-Monitoring entwickelt die Klassik Stiftung ein Konzept für die Stabilisierung des Klimas in den museal genutzten Räumen mit hohen konservatorischen Anforderungen. Im Zusammenhang mit der jetzt abgeschlossenen Maßnahme hat die Klassik Stiftung bereits vorbereitende Arbeiten im Schillerzimmer und in der zu den Dichterzimmern führenden, derzeit noch nicht zugänglichen »Schillertreppe« veranlasst.

Zur Geschichte der Dichterzimmer
Die Dichterzimmer im Weimarer Stadtschloss stellen als Ensemble ein einmaliges Raumkunstwerk dar. Seit 1815 wurde der Westflügel des Schlosses für Erbgroßherzog Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach (1783–1853) und seine Gemahlin Maria Pawlowna (1786–1859) ausgebaut. Johann Wolfgang von Goethe empfahl Clemens Wenzeslaus Coudray (1775–1845) als Architekten. Die Idee, Memorialräume zur Dichterverehrung zu schaffen, entstand 1835 parallel zu den ersten Plänen für ein Goethe-Schiller-Denkmal am Theaterplatz. Ausgangspunkt war der Ankauf antiker Sarkophagreliefs aus dem zweiten Jahrhundert mit Darstellungen zu »Iphigenie auf Tauris« und Kandelaber aus der Grimani-Sammlung, für die ein würdiger Rahmen gesucht wurde. Die Planungen für das Schillerzimmer begannen ab 1836, für das Wielandzimmer ab 1838, für die Goethegalerie ab 1841/43 und für das Herderzimmer ab 1846.

Der Gedächtnisraum für Johann Wolfgang von Goethe stellte den künstlerischen Ausgangspunkt für die gesamte Raumfolge der Dichterzimmer dar. Dieser soll das Werk des Künstlers veranschaulichen. Erste Entwürfe stammten von Karl Friedrich Schinkel. Jedoch erst Bernhard Neher führte 1839 das Bildprogramm in veränderter Form aus. Die beiden großen Wandbilder zeigen in einer Art Simultandarstellung Szenen aus »Faust I« und »Faust II«, flankiert von Balladen, hymnischen und dramatischen Dichtungen. Über den Türen an den Schmalseiten der Galerie fanden zwei römische Sarkophagreliefs mit Darstellungen zur »Iphigenie auf Tauris« ihren Platz. Die Reliefplatten der drei großen Flügeltüren stammen von Angelica Facius. Sie illustrieren in freier Weise Goethes weltanschauliche Gedankenlyrik: »Urworte. Orphisch« (Tür der Hauptwand), »Gesang der Geister über den Wassern« (Tür zum Schillerzimmer) sowie das Künstlergedicht »Amor als Landschaftsmaler« (Tür zum Wielandzimmer). Im Scheitel der gewölbten Decke verweisen elf Genien in Medaillonbildern auf Goethes facettenreiches Schaffen als Dichter, Kunsttheoretiker und Naturforscher: Geologie, Theater, Osteologie, Farbenlehre, antike Plastik, Poesie (in der Mitte), Pflanzenmetamorphose, bildende Kunst, altdeutsche Baukunst, Maskenspiel und Meteorologie. Das Porträt Goethes schuf als eigenhändige Replik seiner berühmten Büste von 1820 der Berliner Bildhauer Christian Daniel Rauch.

Zwischen 1835 und 1841 entstand der Gedächtnisraum für Christoph Martin Wieland. Die Innenarchitektur entwarf Clemens Wenzeslaus Coudray. Die fünf Wandbilder zum epischen Werk des Dichters wurden von Friedrich Preller d. Ä. (1804–1878) ausgeführt und illustrieren Wielands Verserzählung »Oberon«. Mit ihnen korrespondieren die acht fantasievollen Arabeskenstreifen, die diese Dichtung in allegorischer Weise ausdeuten. Sie entstanden nach Entwürfen des Malers Carl Alexander Simon. Während der Sockelfries Wielands Märchen illustriert – auf der Hauptwand »Pervonte oder Die Wünsche«, an der Eingangswand »Wintermärchen« sowie »Sommermärchen« – behandelt die obere Raumzone Werke mit antiker Thematik. Die Bogenfelder unter der Kuppel zeigen vier Darstellungen zum Gedicht »Die Grazien«. Die Bogenlaibungen darüber enthalten in dekorativer Weise zahlreiche kleinere Zierbilder zu »Musarion oder Die Philosophie der Grazien« (über dem Fenster) und zum Roman »Geschichte des Agathon« (über der Nebentür).

Die Zwickel der Kuppel zeigen vier allegorische Frauengestalten, die charakteristische Wesenszüge von Wielands Dichtung verkörpern sollen: »Zauberhafte und Wunderbare«, die »Schönheit entgürtet durch die Lüsternheit«, die »Philosophie mit der Satyrmaske« sowie die »Ironie, die Wahrheit vortragend«. Das Dichterporträt schuf Theodor Wagner 1841als Replik der 1802 geschaffenen Büste des Berliner Bildhauers Johann Gottfried Schadow.

Für weitere Informationen stehen Ihnen zur Verfügung:

Dr. Julia Glesner | Pressesprecherin
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julia.glesner@klassik-stiftung.de

Toska Böhme | Pressereferentin
+49 (0) 3643-545 113 | +49 (0) 172- 79 999 59
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Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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