Zurück zur Übersicht

Ein Jahr nach dem Brand – »Aktion Lesezeichen« erinnert bundesweit

Ein Jahr nach dem verheerenden Brand hat in Weimar der Wiederaufbau der Herzogin Anna Amalia Bibliothek und die Wiederherstellung ihrer Buchbestände begonnen. Der Präsident der Klassik Stiftung Weimar, Hellmut Seemann, und Bibliotheksdirektor Michael Knoche nehmen den Jahrestag des Brandes zum Anlaß, Bund und Land sowie all jenen zu danken, die mit Spenden und tatkräftiger Hilfe die Weimarer Bibliothek bei der Bewältigung der Folgen des Brandunglücks unterstützen. Die Spenden, die seit September 2004 vorrangig für die Restaurierung der Bücher eingegangen sind, belaufen sich inzwischen auf rund zehn Millionen Euro. Allein fünf Millionen davon kommen von der Vodafone Stiftung Deutschland. Die Mittel für die Sanierung des historischen Bibliotheksgebäudes werden zum größten Teil vom Bund und dem Land Thüringen bereitgestellt. 1,4 Millionen Euro für die Rekonstruktion des Rokokosaales kommen von der Allianz-Kulturstiftung. In der Nacht vom 2. auf den 3. September war die über 300 Jahre alte Bibliothek mit ihrem einzigartigen Rokokosaal schwer beschädigt worden. 50 000 Bücher aus der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert fielen den Flammen zum Opfer;
62 000 Bände wurden vom Feuer und Löschwasser schwer gezeichnet. Für die Restaurierung und Wiederherstellung ihrer Bestände rechnet die Herzogin Anna Amalia Bibliothek mit einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten und Kosten in Höhe von 67 Millionen Euro.
Das historische Bibliotheksgebäude ist in den zurückliegenden Monaten aufwendig entfeuchtet worden. Im August begannen hier die Sanierungsarbeiten, für die rund 12 Millionen Euro aufgewendet werden müssen. Bereits zum Geburtstag Anna Amalias am 24. Oktober dieses Jahres will die Klassik Stiftung Weimar Richtfest feiern. 2007, im Jahr des 200.Todestages der Herzogin, soll der Bau als ein Zentrum für das alte Buch wiedereröffnet werden. Die in der Brandnacht geretteten historischen Bestände werden an ihren angestammten Platz im alten Haus zurückkehren. Von den 62 000 stark beschädigten Büchern sind 33 000 nach der Erstversorgung und Gefriertrocknung im Leipziger Zentrum für Bucherhaltung wieder in Weimar. In einem Sondermagazin werden seit Juli für jedes einzelne Buch die genauen Schäden erfaßt. Die ersten rund
5 500 gefriergetrockneten Bände, die nur geringe Beschädigung aufwiesen, befinden sich inzwischen wieder im normalen Bestand. Nach derzeitigen Schätzungen werden ca. 40 000 der 62 000 beschädigten Bücher restaurierbar sein. Für die restlichen, schwer brandgeschädigten Bände wird noch nach geeigneten Technologien für die weitere Behandlung gesucht. Sie sollen so weit wie möglich digitalisiert werden.
Zum Jahrestag des Brandes am 2. September werden bundesweit rund 70 wissenschaftliche Bibliotheken und Archive mit vielfältigen Veranstaltungen auf die Gefährdung ihrer Bestände aufmerksam machen. In einer gemeinsamen »Aktion Lesezeichen« fordern sie vor dem Hindergrund der Katastrophe in Weimar, nationales Kulturgut besser zu sichern und vor Verfall zu schützen. Für die Sicherung der Weimarer Bestände hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe jetzt 250 000 Euro für die Einrichtung einer Sicherungsverfilmungsstelle am Thüringer Hauptstaatsarchiv Weimar bereitgestellt. Ab Oktober sollen hier mit der »Faust«-Sammlung erste Bestände der Bibliothek verfilmt werden.
Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek lädt zum Jahrestag des Brandes am 2. September ab 15 Uhr zu einer Reihe von Vorträgen in ihr neues Studienzentrum ein. Informiert wird über Buchrestaurierung und die Wiederbeschaffung verlorener Bestände sowie die Sanierung des historischen Bibliotheksgebäudes. Bibliotheksdirektor Michael Knoche wird um 18 Uhr aus persönlicher Sicht an die Tage nach dem Brand erinnern.
Der Verlag Vandenhoeck & Ruprecht wird am 2. September der Weimarer Bibliothek fast 10 000 Titel seines aktuellen Verlagsprogrammes zum Geschenk machen. Außerdem werden 400 historische Werke des Verlages, die sich als ungebundene Druckbogen erhalten haben, überreicht. Viele dieser Titel, der älteste aus dem Jahr 1737, sind in ihrem Weimarer Exemplar in der Brandnacht vom 2. auf den 3. September zerstört worden. Dazu gehören Ausgaben antiker Autoren wie des Aeschylus aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ebenso wie Johann Heinrich von Selchows »Juristische Bibliothek« (1764-1782). (Übergabe 15 Uhr im Studienzentrum der Bibliothek)
Am 3. September wird um 12 Uhr im Weimarer Residenzschloß die erst im Frühsommer dieses Jahres entdeckte Arie »Alles mit Gott und nichts ohn` ihn« von Johann Sebastian Bach im Rahmen einer gemeinsamen Benefizveranstaltung der Klassik Stiftung Weimar und des Kunstfestes aufgeführt. Die zweiseitige, bislang als anonym verzeichnete Notenhandschrift aus dem Bestand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek entkam den Flammen, weil sie sich gerade in der Restaurierungswerkstatt befand. Die Komposition entstand im Oktober 1713 zum 52. Geburtstag von Herzog Wilhelm Ernst und gehört zu einer Sammlung von Huldigungsschriften. Zur ersten Aufführung nach über 300 Jahren wird die Klassik Stiftung Weimar die Arie als Faksimile-Druck im Bärenreiter-Verlag herausgeben. Dazu gehört auch der zwölfstrophige Text von Johann Anton Mylius mit dem Zeilenbeginn »Alles mit Gott und nichts ohn‘ ihn«. Die auf 100 Exemplare limitierte bibliophile Ausgabe wird am 3. September zugunsten der Weimarer Bibliothek verkauft.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Der Internetauftritt der Klassik Stiftung Weimar verwendet Cookies, um Ihnen einen optimalen Service zu bieten. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden. Zur Datenschutzerklärung

Verstanden