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Ereignis Weimar – Anna Amalia, Carl August und das Entstehen der Klassik (1757—1807)

 

Eine Ausstellung der Klassik Stiftung Weimar in Zusammenarbeit mit dem Sonderforschungsbereich 482 „Ereignis Weimar–Jena. Kultur um 1800“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
1. April bis 4. November 2007, Schlossmuseum Weimar
Eröffnung am 1. April 2007, 14 Uhr
Sonderöffnungszeit am Montag, 2. April, 10 - 18 Uhr
Besichtigungen ab 3. April 2007, Dienstag - Sonntag, 10 - 18 Uhr
Eintrittspreise: Erwachsene 7,50 Euro / ermäßigt 5,50 Euro / Schüler 2,50 Euro / Familienticket 15,00 Euro (2 Erw. + max. 3 Kinder im Schüleralter)
Die Eintrittskarten berechtigen zum mehrfachen Besuch der Ausstellung innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Der Besuch des Schlossmuseums und der Ständigen Ausstellung zur Weimarer Klassik im Goethe-Nationalmuseum sind inklusive. Die Eintrittskarte ist nicht übertragbar.
siehe auch svdmzweb01.klassik-stiftung.de/stiftung/presse/pressetermine.html

Anna-Amalia-Jahr 2007
Am 1. April 2007 eröffnet die Klassik Stiftung Weimar ihre Jubiläumsausstellung „Ereignis Weimar – Anna Amalia, Carl August und das Entstehen der Klassik (1757-1807)“ im Schlossmuseum. Die Ausstellung ist offizieller Beginn der Feierlichkeiten im Anna Amalia Jahr 2007, das die Stiftung anläßlich des 200. Todestages von Herzogin Anna Amalia ausgerufen hat.

Thema der Ausstellung
Der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sich vollziehende Aufstieg Weimars von einer kleinen und unbedeutenden Residenzstadt zu einem der zentralen Orte unseres kulturellen Erbes ist in der Geschichte ohne Beispiel. Die Ausstellung „Ereignis Weimar“ veranschaulicht die Entwicklung, die das machtpolitisch und wirtschaftlich schwache Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach zu einer kulturellen Größe ersten Ranges werden ließ. Anlässlich des 250. Geburtstags Herzog Carl Augusts und des 200. Todestags seiner Mutter Herzogin Anna Amalia in diesem Jahr steht dabei die Frage im Zentrum, welchen Anteil die Politik der Regierenden an dieser Entwicklung hatte. Am Leitfaden der Biographien beider Herrscherpersönlichkeiten werden ihre Motive erläutert und ihr Verhältnis zu der einzigartigen geistig-literarischen Konstellation beleuchtet, die ihrem Herzogtum am Ende des 18. Jahrhunderts eine europaweite Beachtung einbrachte.

Kultur war in Weimar nicht wie anderswo nur die repräsentative Kulisse der Politik, sondern in zunehmendem Maße deren bedeutendstes Kapital. Als die Versuche, die prekäre wirtschaftliche und politische Lage am Ende von Anna Amalias Obervormundschaftsregierung durch innen- und außenpolitische Reformansätze zu verbessern, scheitern, setzt man in Weimar ganz auf die Kultur. Aufgrund ihrer extrem begrenzten finanziellen Möglichkeiten war es dem Weimarer Herrscherhaus jedoch nicht gegeben, ihre Residenz mit Hilfe der bildenden Künste auszubauen oder teures Mäzenatentum zu pflegen. Konsequenter als andere mussten sie auf die Kumulation intellektueller und literarisch-künstlerischer Kompetenz setzen. Die Berufung Wielands zum Lehrer und Berater des jungen Carl August war dabei ein erster Schritt in die Richtung, die der Herzog dann in seiner engen Zusammenarbeit mit Goethe gehen sollte.

Verstanden zu haben, dass die Entfaltung geistig-literarischer Größe freiheitlicher Rahmenbedingungen bedarf, bleibt das historische Verdienst Carl Augusts und Anna Amalias. Die Ausstellung würdigt dies, ohne jedoch die „Musenhof“-Legende des 19. Jahrhunderts weiterzutragen und die Protagonisten der Weimarer Klassik zu idealisieren.

Indem bedeutende Intellektuelle und Literaten sich auf die Partnerschaft mit dem Herrscherhaus einließen, fanden sie im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach eine zwar nicht üppige, aber doch hinreichende und vor allem ausbaufähige Wirkungsplattform. Der dadurch entstehende Nimbus nutzte allen Beteiligten: Die Regenten gewannen europaweit Ansehen und Aufmerksamkeit, die Dichter und Aufklärer konnten sich in Sachsen-Weimar ein zunehmend wirkungsvolles Zentrum ihrer literarisch-wissenschaftlichen Erziehungsarbeit in nationaler und weltbürgerlicher Absicht schaffen.

Der Ausstellungstitel „Ereignis Weimar“ steht als Kennwort für einen Kulturraum, der sowohl den Hof und die Residenzstadt Weimar, als auch die seit den 1780er Jahren von der Weimarer Regierung verstärkt geförderte Universität Jena in sich begreift. Der heute als „Weimarer Klassik“ bezeichnete Höhepunkt deutscher Literatur wäre nicht denkbar ohne die gleichzeitigen literarischen und philosophischen und wissenschaftlichen Errungenschaften in der benachbarten Universitätsstadt Jena. Die Vertreter der Kantischen und idealistischen Philosophie und der Kreis der Frühromantiker lieferten wichtige Impulse für das Entstehen der klassischen Literatur. Der offene und neutrale Begriff „Ereignis“ im Titel der Ausstellung trägt der Tatsache Rechnung, dass eine so komplexe Entwicklung wie das Entstehen der Weimarer Klassik sich nur einem multiperspektivischen Zugang erschließt. Das politische Handeln, die dynastische Tradition des Herzogshauses, die Entwicklung der Philosophie, die neuen Erkenntnisse der Naturforschung – das sind nur einige der vielfältig miteinander verknüpften Stränge in der Entwicklung der klassischen Ästhetik. Wie in einem holographischen Bild, in dem jeder Teil den Blick auf das Ganze öffnet, will die Ausstellung diese Zusammenhänge anschaulich machen. Dazu wurden über 500 Exponate aus den vielfältigen Sammlungen in Weimar und Jena sowie von nationalen und internationalen Leihgebern im Schlossmuseum zusammengetragen.

Zu den herausragenden Exponaten zählen die Porträts von Carl August und von Anna Amalia, allen voran das 2,7 x 3,9 m messende Gruppenbild, das die bereits verwitwete Herzogin im Kreis ihrer Braunschweiger Familie zeigt.

Besondere Einblicke in die Zeit Anna Amalias und Carl Augusts gewährt die digitale Rekonstruktion der Wilhelmsburg in ihrem Aussehen vor dem Brand von 1774, die in Zusammenarbeit mit der Weimarer Firma Bennert MONUMEDIA entstanden ist. Bemerkenswert ist darüber hinaus auch die Inszenierung zweier Szenen von Shakespeares Macbeth mit Schauspielmusik von Johann Friedrich Reichardt, deren Aufzeichnung in Raum 24 gezeigt wird und in Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar entstanden ist und auf jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen des Sonderforschungsbereichs 482 der Friedrich-Schiller-Universität Jena beruht.

Zahlreiche Gemälde und Skulpturen, die gewissermaßen zu Ikonen der Weimarer Klassik und des „Musenhofes“ geworden sind, finden sich in ihren historischen und gesellschaftlichen Kontext eingeordnet in der Ausstellung wieder, darunter die Darstellung der Abendgesellschaft bei Herzogin Anna Amalia von Georg Melchior Kraus oder die Schiller-Büste von Johann Heinrich Dannecker.

Ausstellungsarchitektur
Visuelles Leitmotiv der Ausstellung, deren Architektur von Klaus-Jürgen Sembach gestaltet wurde, ist der sechseckige Musentempel, der sich als wiederkehrendes Element durch alle Ausstellungsbereiche hindurch zieht. Auch die historischen Schlossräume werden beispielsweise im Festsaal des Schlosses, wo es um den Wandel der Residenz geht, Teil der Inszenierung. Im Mittelpunkt der Ausstellungsräume wird im goldfarbig und grün gestalteten Raum 20 – dem Wohn- und Ankleidezimmer ­– das „glückliche Ereignis“ (Goethe), die gemeinsame Arbeit Goethes und Schillers, präsentiert.

Der Architekt und Autor Klaus-Jürgen Sembach ist in Weimar besonders für seine Ausstellungsarchitektur für das Bauhausmuseums bekannt, sowie wie für seine Mitarbeit an den Ausstellungen „Wege nach Weimar“ (1999) und „Maria Pawolwna“ (2004).

Wissenschaftliche Grundlage für die Weimarer Ausstellung sind neue Erkenntnisse des Sonderforschungsbereichs 482 „Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena, mit dem die Klassik Stiftung bei der Konzeption und Durchführung der Schau eng zusammenarbeitet. Der umfangreiche Ausstellungskatalog gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand und illustriert ihn mit zahlreichen Abbildungen.

Finanziert wurde die Ausstellung "Ereignis Weimar" mit Mitteln des Bundes, des Landes Thüringen und der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Ausstellungskatalog:
352 Seiten
270 farbige Abbildungen
22 x 28 cm
Broschur
39,90 €
ISBN 978-3-733-0355-1
(c) 2007 by Klassik Stiftung Weimar und Koehler & Amelang Verlag GmbH
www.koehler-amelang.de
www.seemann-henschel.de
Erhältlich über den Buchhandel oder direkt in der Ausstellung sowie im Museumsshop der Klassik Stiftung Weimar in der Frauentorstr. 4, 99423 Weimar, zum Sonderpreis von 29,00 €.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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