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Erste Lücken im Bestand geschlossen - Restaurierungskonzept für 22.000 Bücher

Knapp zwei Jahre nach dem Brandunglück wird in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar am Restaurierungskonzept für 22.000 Bücher gearbeitet. Für die von Wasser, Rauch und Hitze beschädigten wertvollen historischen Bände aus dem 16. bis zum 20.Jahrhundert gibt es keine Routineverfahren. Anhand von Musterbänden werden deshalb Anforderungen und Möglichkeiten für die Restaurierung der unterschiedlichen Materialien untersucht. Im Rahmen von zwei Forschungsprojekten an der Universität in Köln sowie im Leipziger Zentrum für Bucherhaltung wird darüber hinaus geprüft, inwieweit Schadstoffe, die durch Löschmittelzusätze und Rauch in die Papiere gelangten, eine zusätzliche Behandlung verlangen. Die Ergebnisse dieser Projekte, bei denen u. a. auch Papiere künstlich gealtert werden, um zu erfahren, ob und durch welche Chemikalien dem Material auf lange Sicht weitere Verluste drohen, sollen im Herbst vorliegen. Noch in diesem Jahr, so das Ziel, will die Bibliothek die ersten Aufträge für die Restaurierung von rund 5000 Büchern mit Papiereinbänden ausschreiben.

In der Nacht vom 2. auf den 3. September 2004 verlor die Herzogin Anna Amalia Bibliothek 50.000 Bücher. Von den 62.000 Bänden, die zum Teil schwer beschädigt aus dem brennenden Gebäude gerettet wurden, sind nach bisherigen Untersuchungen nur etwa 60 Prozent wieder in den Bestand integrierbar. Rund 11.000 Bände mit nur leichteren Schäden sind inzwischen wieder für die Benutzung bereit. 22.000 vor allem durch Wasser, aber auch Hitze und Rauch geschädigte Bücher werden restaurierbar sein. Die Gefriertrocknung für diese Bücher ist abgeschlossen. Sie sind nach Materialgruppen geordnet in einem Sondermagazin untergebracht, wo noch bis zum Jahresende die letzten Schadensanalysen erfolgen. Von den vom Feuer stark in Mitleidenschaft gezogenen Büchern sind etwa 1000 wieder in Weimar. Der überwiegende Teil, rund 27.000 Bände, befindet sich noch zur Gefriertrocknung im Leipziger Zentrum für Bucherhaltung. Diese Bücher bzw. Buchreste werden nur in Ausnahmefällen restauriert werden können.

Abgeschlossen sind außerdem die Arbeiten an mehr als 41.000 Büchern sowie 5000 Grafiken, die das Feuer im Dachgeschoß des benachbarten Coudray-Anbaus mit nur leichten Rauch- und Wasserschäden überstanden hatten. Diese Materialien waren wegen der Kontamination mit Holzschutzmitteln bereits seit August 2000 für die Benutzung gesperrt. Im Leipziger Zentrum für Bucherhaltung wurden sie gereinigt und so weit behandelt, dass sie Nutzern wieder zur Verfügung stehen.

Durch Schenkungen und antiquarische Ankäufe hat die Weimarer Bibliothek erste Lücken im Bestand wieder geschlossen. Knapp 5000 Titel aus der Zeit vom 16. bis zum 20. Jahrhundert stehen auf diese Weise den Lesern bereits wieder zur Verfügung; ca. 1400 davon sind bibliographisch identische Ersatzexemplare für die Verluste. Unter den herausragenden Geschenken sind Klassikerausgaben wie Ciceros Philosophica oder Lukrez-Ausgaben des 17. und 18. Jahrhunderts sowie einzelne seltene Drucke des 16. Jahrhunderts. Nach Schätzungen werden rund 70 Prozent der verlorenen Bücher wiederbeschafft werden können. Allerdings muß dafür mit einem Zeitraum von

mindestens drei Jahrzehnten und Kosten in Höhe von ca. 47 Millionen Euro gerechnet werden. Dafür wie auch für die Restaurierung der Bücher, für die rund 20 Millionen Euro gebraucht werden, bleibt die Bibliothek auf die Hilfe Dritter angewiesen. Bislang stehen aus Spenden und öffentlichen Zuwendungen 17,5 Millionen Euro zur Verfügung. Rund 3,2 Millionen Euro davon wurden bereits für die Erstbehandlung der Bücher und Vorbereitung der Buchrestaurierung aufgewendet.

Gesichert ist die Sanierung des historischen Bibliotheksgebäudes für rund 11,4 Millionen Euro. Im Oktober 2007 soll der aus dem 16. Jahrhundert stammende Bau als Zentrum für das alte Buch wiedereröffnet werden. Im Rokokosaal, der vor der Brandkatastrophe mit seinen Büchergalerien und zahlreichen Kunstwerken zu den schönsten Bibliotheksräumen in Mitteleuropa zählte, sind derzeit die Holzrestauratoren am Werk. Vorbild für die Wiederherstellung ist die Glanzzeit der Bibliothek um 1850. Diese Fassung entspricht in Raumarchitektur sowie der Ausstattung mit Büchern, Bildern und Büsten weitgehend dem Eindruck, wie er sich bis zum September 2004 erhalten hatte. Einzige Ausnahme ist die Farbigkeit, die vom gewohnten gelblichen Weiß zu einem blassen Blau wechseln wird. Blau war die Farbe, die der Saal unmittelbar um 1766 unmittelbar nach dem Bau erhielt. Parallel zur Innensanierung haben im Frühsommer Arbeiten an der Fassade begonnen.

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.zvab.com

 

 

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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