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Erste Probe-Restaurierungen im Rokokosaal abgeschlossen

 

In der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar sind erste Muster-Restaurierungen abgeschlossen worden. Im Rokokosaal, der vor der Brandkatastrophe vom September 2004 mit seinen Büchergalerien und zahlreichen Kunstwerken zu den schönsten Bibliotheksräumen in Mitteleuropa zählte, haben Restauratoren seit Ende Januar Möglichkeiten und notwendigen Aufwand bei der Wiederherstellung der historischen Holzeinbauten geprüft. An drei Probe-Achsen mit unterschiedlichen Schadensbildern sind u. a. brand- und wassergeschädigte Teile behutsam ergänzt, gesicherte Elemente wieder eingebaut und konstruktive Verbindungen nach historischem Vorbild wiederhergestellt worden. Risse und Verwerfungen im Holz wurden behutsam behandelt. Ein Test der Farbfassungen wird noch folgen. Die Ergebnisse und Erfahrungen bei den Muster-Restaurierungen sollen für die weitere Planung eine verläßliche Grundlage bilden. »Jetzt kennen wir die Fakten«, faßt der leitende Restaurator Jochen Flade aus Dresden zusammen. Zu den Herausforderungen, die die Arbeit an der sensiblen Substanz inmitten einer Großbaustelle mit sich bringt, kommen auch bislang nicht kalkulierte Schäden. So entdeckten die Restauratoren im Bereich der Decke der ersten Galerie durch Löschwasser hervorgerufenen Schimmel, der zunächst bekämpft werden muß.

In den kommenden Wochen werden die Arbeiten an den Musterbereichen detailliert ausgewertet, bevor im Frühsommer die eigentliche Restaurierung im Rokokosaal beginnt. Bis zum 24. Oktober 2007 soll der Saal in seiner alten Schönheit wiedererstehen. Vorbild wird seine Glanzzeit um 1850 sein. Diese Fassung entspricht in Raumarchitektur sowie der Ausstattung mit Büchern, Bildern und Büsten weitgehend dem Eindruck, wie er sich bis zum September 2004 erhalten hatte. Einzige Ausnahme ist die Farbigkeit, die vom gewohnten gelblichen Weiß zu einem blassen Blau wechseln wird. Blau war die Farbe, die der Saal unmittelbar nach dem Bau erhielt. Die den Flammen zum Opfer gefallene zweite Galerie des Rokokosaales, auf der 50.000 Bücher verbrannten, wird nicht in der alten Form wiederhergestellt, sondern einen Sonderlesesaal für das Studium von Handschriften, Inkunabeln, Landkarten und anderen besonders wertvollen Sammlungen aufnehmen.

Parallel zur Vorbereitung der Restaurierung laufen im Inneren des historischen Gebäudes Rohbauarbeiten, die die künftige elektro-, klima- und sicherheitstechnische Ausstattung der Bibliothek mit einschließen. Das Dach, das eine neue Deckung mit Thüringer Schiefer erhält, soll im April dicht sein. Noch in diesem Jahr werden die Arbeiten an der Fassade beginnen. Für den Wiederaufbau der Bibliothek sind 11, 4 Millionen Euro notwendig.

Wenn der Bau im Herbst kommenden Jahres als Zentrum für das alte Buch wiedereröffnet wird, werden auch die in der Brandnacht geretteten historischen Bände wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren. Für 75 Prozent der insgesamt 62.000 beschädigten Bücher ist die Gefriertrocknung abgeschlossen. Die Schadensanalyse für Bände mit Pergament-, Leder- und Edelpappeinbänden ist weitgehend abgeschlossen, weitere Materialgruppen werden bis zum Herbst folgen. 10.000 Bände mit leichteren Schäden sind wieder zur Benutzung bereit. 4000 Bücher des historischen Buchbestandes konnten seit dem Brandunglück wiederbeschafft werden; ca.1000 davon sind bibliographisch identische Ersatzexemplare für die Verluste. Von den geretteten Kunstwerken, etwa 100 Gemälde, 20 Zeichnungen sowie 80 Skulpturen, wurde inzwischen knapp ein Drittel restauriert.

Während die Sanierung des historischen Bibliotheksgebäudes weitgehend von Bund und Land finanziert wird, bleibt die Bibliothek bei der Restaurierung und Wiederbeschaffung ihrer Bestände, für die insgesamt rund 67 Millionen Euro gebraucht werden, auf die Hilfe Dritter angewiesen. Bislang stehen aus Spenden und öffentlichen Zuwendungen 17,5 Millionen Euro zur Verfügung.

 

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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