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Feiningers Natur-Notizen und Tischbeins »Idyllen«

Die Klassik Stiftung präsentiert 2006 bedeutende Neuerwerbungen

Mit Thüringer »Natur-Notizen« von Lyonel Feininger und Illustrationen u.a. zu Goethes »Reineke Fuchs« von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein präsentiert die Klassik Stiftung Weimar in diesem Jahr in zwei Ausstellungen bedeutende Neuerwerbungen: Die 34 bislang unverö!entlichten Skizzen Feiningers stammen aus Privatbesitz. Sie zeigen Motive aus Erfurt, Gelmeroda, Lehnstedt, Mellingen, Öttern, Tröbsdorf, Umpferstedt und Vollersroda. Im Rahmen der Ausstellung »Lyonel Feininger in Weimar«, mit der die Klassik Stiftung vom 19. Februar bis 25. Juni im Bauhaus-Museum an den ersten Weimarer Aufenthalt des Künstlers vor 100 Jahren erinnert, werden sie erstmals vorgestellt. Die Blätter aus der Zeit von 1911 bis 1926 werden ergänzt durch 25 Radierungen und Holzschnitte aus der eigenen Sammlung sowie durch zwei Graphiken zur Dorfkirche von Gelmeroda,
die der Förderverein der Kunstsammlungen für das Bauhaus-Museum erwerben konnte.
Lyonel Feiningers Gemälde »Gelmeroda XI« wird durch die großzügige Unterstützung des Kunsthauses Lempertz ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sein - noch als Leihgabe. Dank der Hilfe von Bund und Land sowie verschiedener privater Stiftungen ist die Klassik Stiftung Weimar zuversichtlich, das Bild in Kürze erwerben zu können. Damit kann das einzige noch verfügbare Gemälde der berühmten Gelmeroda-Serie für Thüringen und das Bauhaus-Museum gesichert werden.

»Der Gerichtshof der Tiere«

Weitgehend unbekannt sind rund 200 Zeichnungen von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, die die Klassik Stiftung Weimar vom 7. April bis 11. Juni in der Ausstellung »Der Maler als Poet« im Schloßmuseum zeigt. Die Blätter, darunter ein großformatiges Aquarell »Der Gerichtshof der Tiere« sowie weitere Illustrationen zu Goethes »Reineke Fuchs«, sind Teil eines umfangreichen Konvoluts, das 2003 bei Christie's in New York versteigert
wurde. Die Sammlung aus dem Besitz der Großherzöge von Oldenburg umfaßte mehr als 600 bislang unverö!entlichte Arbeiten Tischbeins und sorgte für gehöriges Aufsehen in der Forschung. Für rund 320 000 Euro sicherte sich die Stiftung vor allem die Zeichnungen des Malers, die durch ihren Bezug zu Goethe von besonderer Bedeutung für Weimar sind. Ermöglicht wurde der Ankauf durch die Kulturstiftung der Länder, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und die Ernst von Siemens Kunststiftung. Zu den mehr als 200 Zeichnungen, die jetzt die Weimarer Sammlungen wirkungsvoll ergänzen, gehört neben den Illustrationen zu »Reineke Fuchs« vor allem die Reihe der »Idyllen«, die der Künstler einst an Goethe zur Begutachtung sandte. Der Dichter nahm sie zum Anlaß für
sein umfangreichstes Werk über zeitgenössische Kunst: »Wilhelm Tischbeins Idyllen«.
Auch die »Sibyllinischen Bücher, die nun wiedergekehrt sind, waren schon einmal zur Ansicht in Weimar und regten hier zu Dichtungen und literarischen Äußerungen an. Der Weimarer Tischbein-Bestand mit rund 500 Zeichnungen rückt durch den Zuwachs an die vorderste Stelle in Deutschland. Nach Weimar werden die Tischbein-Zeichnungen vom
12. September bis 19. November in Rom und ab 3. Dezember in Hamburg zu sehen sein.

Goethes »zweiter Teil der Zauberflöte« zum Mozart-Jubiläum

Das Goethe- und Schiller-Archiv widmet dem 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart vom 11. bis 20. Mai eine kleine Schau kostbarer Autographen. Neben Mozarts Klavierkonzert B-Dur, KV 450 aus dem Jahr 1784 aus dem Bestand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek sind die Fragment gebliebene Notenschrift der Fantasie c-Moll für Klavier und Violine, KV 396, die sich einst in Goethes Besitz befand, sowie zwei Briefe
des Komponisten zu sehen. Von Goethes intensiver Beschäftigung mit dem Werk des Wiener Klassikers zeugen u.a. Briefe, ein frühes Textbuch der »Zauberflöte« mit eigenhändigen Bemerkungen sowie Szenarien des Dichters zu einem Fragment gebliebenen »zweiten Teil der Zauberflöte« aus dem Jahr 1798. Auch Bühnenzeichnungen von der
Hand Goethes, Kostümfigurinen sowie Briefe von Zeitgenossen werden gezeigt.

Klassische Parklandschaften in Schloß Tiefurt

Die Klassik Stiftung freut sich, im Jahr des 800. Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung Tiefurts die Außensanierung von Schloß Tiefurt abschließen zu können. Vom 2. Juni bis 15. Oktober wird in dem ehemaligen Sommersitz von Herzogin Anna Amalia, dessen
Innensanierung noch aussteht, eine Sonderausstellung zum Thema »Georg Melchior Kraus und die Gartenkultur in Weimar« gezeigt. Präsentiert werden etwa 60 Zeichnungen des Malers, darunter seine kolorierten Radierungen »Aussichten und Parthien des Herzoglichen Parcks zu Weimar«, die ab 1788 in sechs Heften erschienen und erstmals komplett gezeigt werden. Die idyllisch-romantischen Darstellungen von Georg Melchior Kraus,
dessen 200. Todestag in diesem Jahr begangen wird, prägten entscheidend die bildhaften Vorstellungen vom klassischen Weimar und seiner Persönlichkeiten.
Vom 24. bis 27. August veranstaltet die Klassik Stiftung im Rahmen der Feierlichkeiten der Gemeinde Tiefurt zum Ortsjubiläum rund um das Schloß das Tiefurter Gartenfest 2006.

Lackmanufaktur Stobwasser in Schloß Belvedere

Mit rund 200 kunstvollen Arbeiten aus der bedeutendsten deutschen Lackmanufaktur des 18. und 19. Jahrhunderts macht vom 20. Mai bis 20. August eine Ausstellung in Schloß Belvedere bekannt. Präsentiert werden lackierte und bemalte Möbel, Leuchter, Vasen und andere Gebrauchsgegenstände, aber auch Spiele und Tabakdosen aus der 1763 in Braunschweig gegründeten Manufaktur Stobwasser. Vor allem durch ihre kunstvoll verzierten Schnupftabakdosen wurde diese Manufaktur, zu deren Kunden auch das Weimarer Herzogshaus zählte, berühmt.
In Goethes Haus am Frauenplan werden vom 31. März bis 11. Juni rund 100 Zeichnungen von Barbara Camilla Tucholski eine individuelle Sicht auf das »alte« Rom vermitteln.
Die Arbeiten entstanden von November 2003 bis Februar 2004 während eines Stipendienaufenthaltes der Künstlerin an der Casa di Goethe in Rom. In der Reihe der Kabinett-Ausstellungen in Goethes Haus werden außerdem eine Schau zum Thema »100 Jahre Goethe-Kalender« (23. Juni bis 13. August) sowie unter dem Titel »Goethe in Böhmen« (28. August bis 29. Oktober) Beispiele für die geologischen Streifzüge und Untersuchungen
des Dichters gezeigt. Vorgestellt und neu bestimmt wird in diesem Zusammenhang Goethes Karlsbader Sammlung.

»Der erste Blick« im Neuen Museum

Im Neuen Museum zeigt die Klassik Stiftung Weimar vom 19. März bis 16. Juli unter dem Titel »Der erste Blick« Arbeiten aus der Hamburger Privatsammlung GAG. Rund 60 Werke veranschaulichen beispielhaft künstlerische Positionen von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart, von frühen Werken Georg Baselitz' und Markus Lüpertz' bis zu Bildern von Thomas Scheibitz, der im vergangenen Jahr Deutschland auf der Biennale vertrat.
Mit Carsten Nicolai und Neo Rauch sind zwei der erfolgreichsten zeitgenössischen Künstler aus Ostdeutschland in der Sammlung prominent vertreten.
In Kooperation mit den Staatlichen Museen zu Berlin und als Ausstellungsprojekt des Kunstfestes Weimar werden vom 26. August bis 5. November »Die Kinder des Saturn« gezeigt. Die Schau präsentiert ausgewählte Positionen der »Melancholie«-Ausstellung,
die heute in Berlin ihre Pforten ö!net. In Weimar werden sie ergänzt durch die Positionen des Klassizismus, darunter Arbeiten Goethes sowie die der zeitgenössischen Kunst.
Ab 23. November sind im Neuen Museum Arbeiten der Marion-Ermer-Preisträger zu sehen. Der Preis für junge Künstler aus den neuen Bundesländern wird nach 2004 zum zweiten Mal in Weimar verliehen.

Anna Amalia und Bauhaus-Gründung – Jahresthemen 2007 und 2009

Mit Blick auf den 200. Todestag der Herzogin Anna Amalia sowie des 250. Geburtstages von Großherzog Carl August im Jahr 2007 bereitet die Klassik Stiftung Weimar eine umfassende historisch und kulturgeschichtlich ausgerichtete Ausstellung vor, die vom 10. April bis zum 24. Oktober im Weimarer Schloßmuseum gezeigt wird. Die Jubiläumsschau
soll weit über die Musenhof-Legende hinaus die Epoche der Weimarer Klassik in ihren Ursachen und Wirkungen vor dem Hintergrund der europäischen Zeitgeschichte anschaulich machen. Sie entsteht in enger Kooperation mit dem Sonderforschungsbereich »Ereignis Weimar-Jena« der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Für das Jahr 2009 ist eine umfassende Retrospektive zum 90. Gründungsjubiläum des Staatlichen Bauhauses in Weimar geplant. Vom 27. März bis zum 12. Juli werden mehr als 1000 Exponate an mehreren Standorten das innovative pädagogische Konzept des Bauhauses vergegenständlichen. Ausführlich wird sich die Schau u.a. mit dem Verhältnis der Weimarer Republik zum Bauhaus sowie der späteren Wirkungsgeschichte und dem »Kulturkampf«, der bis heute um das Bauhaus und seine Ideen ausgetragen wird, auseinandersetzen. Die Klassik Stiftung bemüht sich mit den zahlreichen Initiatoren des Bauhausjahres 2009 und dem Regionalen Beirat der ImPuls-Region Erfurt-Weimar-Jena
darum, die gemeinsamen Ausstellungsaktivitäten zur »Landesausstellung 2009 – 90 Jahre Bauhaus Weimar« zu entwickeln.

Kunstdepot und Liegenschaftskonzept

Für den Kunstbestand der Klassik Stiftung Weimar soll ab 2008 ein zentrales Kunstdepot entstehen. Die derzeit auf zwanzig verschiedene Depots verteilten und zum Teil unter unzureichenden Bedingungen gelagerten Kunstgegenstände sollen hier künftig unter klimatisch und technisch besseren Umständen aufbewahrt werden. Das betri!t Gemälde
und Plastiken ebenso wie einen großen Bestand an wertvollen Möbeln, Kunstgewerbe, Teppiche, Gobelins, Kronleuchter, Spiegel und andere Raumausstattungen. Ein Teil der Bestände soll in einem Schaudepot erstmals auch für Besucher zu besichtigen sein.
Nach ersten Voruntersuchungen sind für das neue Depot rund 4200 Quadratmeter Fläche vorzusehen. Die Baukosten werden auf ca. acht bis neun Millionen Euro geschätzt.
Mögliche Standorte werden derzeit noch geprüft. Baubeginn soll nach Abschluß der Sanierungsarbeiten an der Herzogin Anna Amalia Bibliothek sein.
Die 150000 Blätter umfassende graphische Sammlung der Stiftung, deren Umzug vom Schloßmuseum ins Tiefmagazin der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Anfang Februar abgeschlossen wurde, wird nicht mit in das neue Depot ziehen. Die kostbaren Zeichnungen und Druckgraphiken, darunter Werke von Ra!ael, Dürer, Cranach, Rubens, Rembrandt und Rodin, sollen nach der grundlegenden Sanierung des Residenzschlosses wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren. Die Pläne der Klassik Stiftung für
den Ausbau des Residenzschlosses zur »Neuen Mitte« der Stiftung werden im Rahmen eines Konzeptes für alle Liegenschaften der Stiftung im April im Stiftungsrat erörtert.

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Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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