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»Flaschenpost aus dem 20. Jahrhundert« – Das Festival MelosLogos feiert im Oktober sein zehnjähriges Bestehen

Vor einer Dekade haben die Pianistin Liese Klahn-Albrecht, Wolfgang Haak vom Musikgymnasium Schloss Belvedere und der Präsident der Klassik Stiftung Weimar, Hellmut Seemann, die Idee zu MelosLogos entwickelt. Seitdem stehen die Poetischen Liedertage in Weimar unter der künstlerischen Leitung von Liese Klahn-Albrecht für außergewöhnliche Programme auf der Grenze von Sprache und Musik an besonderen Orten und von herausragenden Künstlern gestaltet. In den vergangenen Jahren waren dies u.a. Juliane Banse, Anja Silja, Dietrich Fischer-Dieskau, András Schiff, Imre Kertész, Udo Samel, Anna Prohaska, Bruno Ganz, das Artemis- Quartett, Manfred Trojahn und Alfred Brendel.

Unter dem Titel »Flaschenpost aus dem 20. Jahrhundert« findet in diesem Herbst vom 28. bis zum 30. Oktober die zehnte Ausgabe von MelosLogos statt. Erneut ist Bruno Ganz zu Gast, aber auch der Schauspieler Jens Harzer hat sein Kommen zugesagt. Roger Muraro, Christian Muthspiel, Ania Vegry und Liese Klahn-Albrecht stehen in diesem Jahr für das Melos ein. Den programmatischen Rahmen der fünf Veranstaltungen von MelosLogos 10 gibt Paul Celan vor, der 1958 in seiner »Ansprache zum Bremer Literaturpreis« einen Gedanken von Ossip Mandelstam aufgreift. »Das Gedicht«, so Celans Adaptation, »kann […] eine Flaschenpost sein, aufgegeben in dem […] Glauben, sie könnte irgendwo und irgendwann an Land gespült werden, an Herzland vielleicht. Gedichte sind auch in dieser Weise unterwegs: sie halten auf etwas zu.«

Den Auftakt bildet am Freitag, 28. Oktober, um 20 Uhr Arnold Schönbergs Komposition »Buch der hängenden Gärten« im Neuen Museum Weimar – eine Vertonung von fünfzehn Gedichten aus der gleichnamigen Sammlung von Stefan George. Für Schönberg selbst erlangte diese Komposition aus den Jahren 1908/09 eine zentrale Bedeutung: »Mit den Liedern nach George ist es mir zum ersten Mal gelungen, einem Ausdrucks- und Formideal nahezukommen, das mir seit Jahren vorschwebt.« Neben der Sopranistin Ania Vegry und Liese Klahn-Albrecht am Klavier wird der Abend von dem Schauspieler Jens Harzer gestaltet, der sämtliche Gedichte des Zyklus lesen wird. Ania Vegry gehört seit September 2007 als jüngstes Mitglied zum Ensemble der Staatsoper Hannover. Jens Harzer spielte in diesem Sommer die Erzählerfigur in Peter Handkes »Immer noch Sturm« bei den Salzburger Festspielen. 2011 ist er von der Zeitschrift »theater heute« zum zweiten Mal zum Schauspieler des Jahres gewählt worden.

Am Samstag, 29. Oktober, findet bereits am Morgen um 9.30 Uhr die traditionelle Exkursion statt, die in diesem Jahr durch das Ilmtal zur Kirche »Unserer lieben Frauen« in Buchfart führt. Dort findet um 11 Uhr eine Lesung unter dem Motto »Gespräch im Gebirg« – Büchner, Lenz und Paul Celan – mit Bruno Ganz und Jens Harzer statt. Das »Gespräch im Gebirg« ist die einzige von Paul Celan veröffentlichte Erzählung. Sowohl der Text selbst als auch Hinweise Celans im »Meridian«, seiner Rede anlässlich des Büchner- Preises, rekurrieren dabei auf Büchners Fragment »Lenz«.

Die beiden rund sechs Meter hohen, aus Travertin gemauerten Tonnengewölbe des Eiskellers unter der Humboldtstraße sind am selben Tag um 17 Uhr der Schauplatz für die Veranstaltung »Flaschenpost und Herzland«, die der Beziehung zwischen Ossip Mandelstam und Paul Celan gewidmet ist. Celan begegnet dem russisch-jüdischen Dichter Ossip Mandelstam im Rahmen seiner Auseinandersetzung mit der russischen Literatur der Moderne. Mandelstam wird für Celan schnell von existenzieller, nicht nur ästhetischer Bedeutung für seine anspruchsvollen Übersetzungsprojekte. Es lesen wiederum Bruno Ganz und Jens Harzer. Christoph Muthspiel wird auf der Posaune improvisieren.

Der Komponist, Posaunist, Pianist und Dirigent Christian Muthspiel ist es auch, der sich am Samstagabend um 20 Uhr in der Tonne, dem Kellergewölbe des Stadtschlosses, mit 30 Gedichten von Ernst Jandl auseinandersetzt. Unter dem Titel »für und mit ernst« werden Jandls Gedichte zu hören sein und in einen Dialog mit vielfältigem akustischen und elektronischen Instrumentarium treten. Die Zuschauer erwartet eine klingende Reise durch den Kosmos Jandl.

Mit Oliver Messiaens Klavierzyklus »Vingt regards sur l’enfant Jésus« – gespielt von Roger Muraro – findet MelosLogos 10 am Sonntag, 30. Oktober, um 11 Uhr seinen krönenden Abschluss im Saal des Musikgymnasiums Schloss Belvedere. Der Pianist Roger Muraro ist von Olivier Messiaen immer wieder als Ausnahmeinterpret seiner Werke gewürdigt worden. 1944 geschrieben nimmt »Vingt regards sur l’enfant Jésus« einen zentralen Platz im Gesamtwerk des bedeutenden französischen Komponisten ein.

»Flaschenpost aus dem 20 Jahrhundert«: Auch in diesem Herbst werden ausgewählte Botschaften von Melos und Logos in Weimar aufeinandertreffen und in einen Dialog treten.

Veranstaltungsdaten
»Flaschenpost aus dem 20. Jahrhundert«
MelosLogos 10 – Poetische Liedertage in Weimar
28. bis 30. Oktober 2011
www.meloslogos.de

Förder-Abonnement
1 Person, 5 Veranstaltungen = 240 €
(140 € Eintritt zzgl. 100 € Spende)
2 Personen, 5 Veranstaltungen = 350 €
(250 € Eintritt zzgl. 100 € Spende)

Studenten-Abonnement
1 Person, 5 Veranstaltungen = 95 €
2 Personen, 5 Veranstaltungen = 175 €

Abonnement
1 Person, 5 Veranstaltungen = 140 €
2 Personen, 5 Veranstaltungen = 250

 

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