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Geheime Gesellschaft. Weimar und die deutsche Freimaurerei

Am Donnerstag, dem 20. Juni 2002 eröffnet die Stiftung Weimarer Klassik um 18 Uhr im Weimarer Schillermuseum die Ausstellung<SICO db="Weblinks" id="433"> »Geheime Gesellschaft</SICO>. Weimar und die deutsche Freimaurerei.« Das größte Ausstellungsprojekt der Stiftung im Jahre 2002 behandelt nicht nur eines der in Bezug auf die Klassik und deren Rezeption wohl interessantesten Themen; die Ausstellung hat auch einen außergewöhnlich hohen Schauwert. Die Räume des Schillermuseums wurden in wochenlanger Arbeit eigens umgebaut.
Die Ausstellung Geheime Gesellschaft stellt die engen Verbindungen zwischen der Weimarer Kulturgeschichte und der historischen Entwicklung der deutschen Freimaurerei vom 18. bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert dar. Dazu werden die Besucher zunächst in die Ideenwelten und rituellen Handlungen unterschiedlicher Freimaurer-Systeme eingeführt. Denn es gab nicht ›die Freimaurer‹, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Freimaurereien, die den Logenplatz Weimar über die Jahrhunderte beeinflußten. Im Anschluß wird das öffentliche Wirken einer besonderen »Geheimen Gesellschaft« vorgeführt: der Loge Amalia zu den drei Rosen.
Es wird gezeigt, wie die Loge im 18. Jahrhundert an ›Geheime Obere‹ glaubte und sich vom mittelalterlichen Templerorden ableitete – wie Goethe und Herzog Carl August Freimaurer wurden, um an einem deutschlandweiten Kommunikationsnetz teilzuhaben – wie sich die Freimaurer um 1800 auf ihre vermeintlich ›englischen‹ Wurzeln besannen – wie Carl August die Loge 1808 neu gründen und an das ›Hamburger System‹ anschließen ließ, um Weimar von preußischen und französischen Einflüssen freizuhalten – wie Goethe und Wieland die Loge darauf verpflichteten, das Andenken an Anna Amalia, die als Stifterin eines Weimarer ›Musenhofs‹ verehrt wurde, zu bewahren – wie sich die Loge um 1850 in das bürgerliche Vereinswesen der Residenzstadt eingliederte und sich an die Spitze einer nationalen Denkmalsbewegung setzte – wie die Amalia im Kaiserreich vom Nationalismus der ›altpreußischen‹ Freimaurer ergriffen wurde – wie sich die Loge zur Bewahrerin der klassischen Traditionen Weimars stilisierte und sich um 1900 neuen Aufbrüchen innerhalb der Freimaurerei wie dem Monismus verschloß – wie die Freimaurer in der Weimarer Republik zur Zielscheibe völkischer und radikalnationalistischer Angriffe wurden – wie sie selbst immer stärker ihre nationale, reichstreue und antidemokratische Gesinnung zu beweisen und sich durch ihre Goethe-Verehrung zu schützen suchten – wie sich die Loge nach 1933 vergebens durch erhebliche Anpassungsversuche bemühte, die von den Nazis geforderte Selbstauflösung abzuwenden – wie die Goethe-Gesellschaft auf Druck völkischer und nationalsozialistischer Kreise das Goethe-Bild von freimaurerischen Bezügen ›säuberte‹. Und wie nach 1945 in der SBZ und der DDR freimaurerische Traditionen als bürgerlich-reaktionär abgelehnt wurden, bis sie sich nach 1990 schließlich wieder neu formieren konnten.
Mit rund 500 Exponaten aus zahlreichen deutschen und europäischen Sammlungen verspricht die Ausstellung eine kritische Annäherung an Innenwelten und gesellschaftliche Wirkung der Freimaurerei. Sie führt vor, wie die Weimarer Loge entscheidend daran mitwirkte, Weimar zum Zentrum einer deutschen Kulturnation zu stilisieren. Doch auf die ›humanitären‹ Ideale der Klassiker beriefen sich nicht nur die Freimaurer, sondern ebenso ihre Gegner.
Die Ausstellung Geheime Gesellschaft wird in einem umfangreichen Katalog dokumentiert. Mit kurzen Einführungen in die Austellungsabteilungen, vertiefenden Essays und zahlreichen Artikeln und Abbildungen zu den Exponaten bietet er verschiedene Zugänge zum Thema Weimar und die deutsche Freimaurerei. Zugleich ist der Katalog die erste allgemeinverständliche Einführung in die deutsche Freimaurergeschichte, die Freimaurer und ausgewiesene Fachwissenschaftler gemeinsam erarbeitet haben.
In einem Begleitprogramm zur Ausstellung sind Führungen, Vorträge und Podiumsdiskussionen geplant.

Die Ausstellung ist vom 21. Juni bis 31. Dezember im Schiller-Museum Weimar zu sehen. Geöffnet ist bis 31. Oktober täglich von 9–18 Uhr, ab 01. November täglich von 9–16 Uhr, dienstags ist geschlossen.
Eintritt Euro 5,–/ermäßigt Euro 3,–/Schüler Euro 2,–
Ab dem 7. Juli findet jeweils Sonntags, 11 Uhr in der Ausstellung eine öffentliche Führungen statt, die über den Besucherservice (Tel: 54 54 02) gebucht werden können.

Katalog zur Ausstellung:

»Geheime Gesellschaft. Weimar und die deutsche Freimaurerei«

Herausgegeben von Joachim Berger und Klaus-Jürgen Grün
Stiftung Weimarer Klassik beim
Carl Hanser Verlag München Wien 2002
384 S., zahlr. Abb., Euro 29,90
ISBN 3–446–20255–2

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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