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Goethe- und Schiller-Archiv ist bezugsfertig – Wiedereinzug erfolgt in den kommenden Wochen

Heute wurde das Goethe- und Schiller-Archiv offiziell an den Nutzer übergeben. Mit dem Abschluss der Umbau- und Sanierungsarbeiten ist das Archiv nun bezugsfertig, sodass in den nächsten Wochen die Einrichtung der Nutzungsbereiche, der Bezug der Büroräume und Werkstätten sowie die Rückführung der ausgelagerten Archivalien erfolgen können.

Neben einer gründlichen Reinigung der Fassaden und der Sanierung des Mauerwerks wurden zusätzliche Nutzflächen erschlossen und verbesserte Aufbewahrungsbedingungen geschaffen. Im Kellergeschoss und unter dem Vorplatz wurde ein neues Tiefmagazin eingerichtet, das den Anforderungen an ein modernes Archiv gerecht wird. Das Gebäude präsentiert sich insgesamt übersichtlicher und einladender. Ein neuer Eingangsbereich, neue Lesesäle, ein Konferenz- und Vortragsraum sowie Bereiche für Werkstätten sind entstanden. Die Hauptnutzfläche wurde um ca. 600 m2 erweitert.

Zur Baumaßnahme
Das Goethe- und Schiller-Archiv wurde 1896 als Schauarchiv eingeweiht und diente ununterbrochen der Aufbewahrung des Handschriftenbestandes der Dichter des klassischen Weimar. Mit der Erweiterung seiner Bestände hat es heute den Charakter eines Zentralarchivs der deutschsprachigen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts angenommen. Während bereits zu früheren Zeiten aus konservatorischen und sicherheitstechnischen Gründen die Nutzung des Archivs für Ausstellungen zugunsten einer Depotverwahrung eingeschränkt wurde, haben sich die wissenschaftlichen und editorischen Arbeitsfelder stetig erweitert.

In Verbindung mit dieser Entwicklung sind im Rahmen der nun abgeschlossenen Baumaßnahme sowohl die sicherheitsrelevanten und konservatorischen Bedingungen der bestehenden Depots als auch die Arbeits- und Präsentationsmöglichkeiten kritischen Prüfungen und praktischen Veränderungen unterzogen worden. Der dreigeschossige Massivbau konnte im Rahmen der Sanierung sowohl in seiner solitären Erscheinung als auch in der historischen Bausubstanz weitestgehend erhalten und für moderne Anforderungen ertüchtigt werden. Damit verbunden ist die Erweiterung des Kellergeschosses zum Magazingeschoss, welches den unterirdischen Bauraum zwischen der Westwand des Bestandsgebäudes und der Stützmauer zum Ilmhang umfasst und zukünftig das zweiteilige Zimelienmagazin sowie hochwertige wissenschaftliche Arbeitsplätze beherbergen wird.

Die baulichen und technischen Eingriffe wurden unter größtmöglicher Schonung und Nutzung der vorhandenen Substanz vorgenommen. Die nahezu unverändert aus der Bauzeit überkommene Fassade aus Naturstein wurde konservatorisch aufgearbeitet und teilweise restauratorisch ergänzt. Das in den 1990er Jahren baulich sanierte und leicht veränderte Dach wurde übernommen. In das Dachgeschoss auf der Ostseite des Gebäudes wurden Restaurierungswerkstätten integriert. Die Raumstruktur wurde unter Beibehaltung des Einbaus einer weiteren Ebene über dem 1. Obergeschoss mit Ausnahme des Mittelsaals in den 1960er Jahren wiederhergestellt. Sowohl bei den Fassungen als auch bei der Raumstruktur wurde die seit der Eröffnung des Gebäudes immer wieder hervorgehobene ›vornehme Einfachheit‹ mit der vorherrschenden Farbe Weiß als Leitmotiv der Sanierungsmaßnahme umgesetzt und ist heute weitum sichtbar. Im Hinblick auf die Außengestaltung mit Grünanlagen, Terrasse, Einfriedung und Stützmauern wurde die bauzeitliche Planung und Umsetzung wieder aufgegriffen. Die Außenanlagen können in den nächsten Wochen fertiggestellt werden.

Die Erweiterung und Grundsanierung des Goethe- und Schiller-Archivs wurde mit einer Bausumme in Höhe von 9,2 Mio. EUR bewilligt und wird im Rahmen des Budgets abgeschlossen. Die baulichen und denkmalpflegerischen Ziele wurden erreicht. Die Baumaßnahme wurde als Teil des Sonderinvestitionsprogramms Masterplan »Kosmos Weimar« gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags sowie vom Freistaat Thüringen. Darüber hinaus wurden Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) eingesetzt.

Am 05. Juli 2012 wird das Goethe- und Schiller-Archiv feierlich wiedereröffnet.

Das Goethe- und Schiller-Archiv
Das Goethe- und Schiller-Archiv ist das älteste und traditionsreichste Literaturarchiv Deutschlands. Es geht zurück auf die testamentarische Schenkung des Goetheschen Nachlasses durch den letzten Goethe-Enkel an die Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach im Jahr 1885. Nach der Schenkung des Schiller-Nachlasses im Jahr 1889 wurde mit den ersten Planungen eines eigenen Archivgebäudes begonnen, das dem ständig wachsenden Bestand eine repräsentative Aufbewahrungsstätte sowie Forschern Arbeitsmöglichkeiten in der Nähe der Dokumente bieten sollte. Nach weiteren Zustiftungen, u.a. der Familienarchive Vulpius und Henckel von Donnersmarck, sowie Erwerbungen konnte das Gebäude 1896 als erstes Literaturarchiv Deutschlands eingeweiht werden.

Heute werden hier neben den Nachlässen von Goethe, Schiller, Wieland, Herder, Büchner, Liszt und Nietzsche mehr als 130 Autorennachlässe und institutionelle Archive (u.a. der Goethe- und der Shakespearegesellschaft, der Schillerstiftung, des Insel-Verlags) aufbewahrt. Das Archiv ist eine zentrale Forschungsstätte für die Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts für Gäste aus aller Welt. Überdies ist es mit den laufenden Editionsunternehmen der historisch-kritischen Ausgaben der Briefe und Tagebücher Goethes, der Regestausgabe der Briefe an Goethe sowie der Herder-Briefausgabe und der »Weimarer Arnim-Ausgabe« ein Zentrum der Editionsphilologie in Deutschland.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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