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Goethes Hofuniform und Loder'scher Mineralienkoffer – Klassik Stiftung präsentiert erste Exponate der neuen Goethe-Ausstellung

Mit großzügiger finanzieller Unterstützung durch den Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums e.V. konnte die Klassik Stiftung Weimar zwei Objekte aus Goethes Besitz aufwendig restaurieren lassen. Beide werden ab dem 28. August in der neuen Ausstellung »Lebensfluten – Tatensturm«, im Goethe-Nationalmuseum gezeigt. Dabei handelt es sich um Goethes Hofuniform und den sogenannten Loder'schen Mineralienkoffer.

Die Hofuniform, von der der Hut und der frackartige Tuchrock erhalten sind, wurde im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach in dieser Form nach dem Wiener Kongress zwischen 1816 und 1822 getragen. Geheimrat Goethe gehörte zu den höheren Klassen im Hof- und Staatsdienst, die diese Uniform nicht nur tragen durften, sondern bei zeremoniellen Anlässen wie Audienzen, Feierlichkeiten und Empfängen hoher Persönlichkeiten auch dazu angehalten waren, dies zu tun. Die goldenen Knöpfe ziert das geprägte Staatswappen, der Rautenkranz. Zum Staatsrock mit Ärmelaufschlägen, Taschenpatten und Stehkragen in Goldstickerei auf schwarzem Samt gehörte ein porte-épée (frz. »Degengehenk«) in den Landesfarben Gold, Grün und Schwarz für den Hofdegen. Dazu trug man knielange Tuchhosen in Schwarz und schwarze Seidenstrümpfe, bei festlichen Anlässen in Weiß, dazu schwarze Schnallenschuhe. Waren Stiefel erlaubt, wurden lange Beinkleider getragen. Vervollständigt wurde das ganze durch einen schwarzen dreieckigen Hut mit einer Kokarde in den Landesfarben, goldener Agraffe und Cordons (Schnüren).

Für die Restaurierung der Hofuniform zeichnete sie Restauratorinnen-Partnerschaft Beier, Freund und Kühler in Köln verantwortlich. Dort wurde für die Hofuniform eine neue, passgenaue Figurine angefertigt, deren dem menschlichen Körper entsprechende Form das historische Textil optimal präsentiert und unterstützt. Handelsübliche Modelle schieden aus, da sie die falsche Passform aufwiesen und außerdem Schadstoffe an das empfindliche Kleidungsstück abgegeben hätten. Die neue Figurine ermöglicht darüber hinaus die Korrektur der Silhouette, beispielsweise im Bereich der zurückgezogenen Schultern. Zudem musste eine alte Reparatur in den Schößen entfernt werden, die wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingearbeitet wurde und nicht aus alterungsbeständigem Material gefertigt war. Zudem wurde die Hofuniform einer mechanischen Trockenreinigung unterzogen. In der Ausstellung fungiert die Hofuniform als zentrales Exponat in der Sektion »Gewalt«.

Im April 1828 kündigte ein Schreiben des ehemaligem Jenaer Anatomieprofessors Justus Christian Loder aus dem fernen Moskau Goethe ein Kästchen sibirischer Mineralien an. Seine Überraschung und Freude über den Inhalt übermittelte Goethe Loder in einem überschwänglichen Brief. Das prachtvolle Geschenk enthielt bedeutende Mineralienstufen – darunter Berylle, Granate, Topase, Malachite, Gold und Platin und sogar ein Platinrubel. Dem Wert des Inhaltes angemessen zeigte sich auch die »Verpackung«: der äußeren Gestalt nach ein mit kunstreich gepunztem Leder bezogener Koffer mit Griffen, Scharnieren, Dekorationselementen und Schließblechen aus feuervergoldetem Messing. Das Innere ist in 42 Fächer unterteilt, die mit feinstem grünen sogenannten Maroquin-Leder ausgekleidet sind. Der Deckel ist innen mit Seidensamt bezogen. Goethe ließ es nicht bei der Bewunderung von Pracht und Schönheit des Geschenkes bewenden. Ihn regte die Gabe zu erneuter intensiver Beschäftigung mit der Mineralogie und der jungen Kristallografie an. Seine Gäste konnten Loders Mineralien in den »vorderen Zimmern« bewundern. Mit der Gründung des Goethe-Nationalmuseums avancierte der Loder’sche Koffer zu einem repräsentativen Ausstellungsstück zunächst im Arbeitsvorzimmer, später im Naturwissenschaftlichen Kabinett.

Der Loder'sche Mineralienkoffer ist ein exzellentes Beispiel für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Bereiche der Restaurierung, insbesondere da die einzelnen Materialbestandteile nicht nacheinander restauriert werden konnten, sondern die einzelnen Maßnahmen in ineinander greifender Abfolge bearbeitet werden mussten Die Berliner Restauratorinnen Anke Weidner und Nadja Jäckel restaurierten Textil, Leder und Holz. An der Holzrestaurierung war ebenfalls der Geraer Holzrestaurator Karsten Skwierawski beteiligt. Der Erfurter Restaurator Thomas Wurm restaurierte die Bestandteile aus Metall. Neben einer umfassenden Reinigung der Metallteile wurden am Koffer konkret die Deckelaufhalter und der Schlüssellochbeschlag mit Schlüssel rekonstruiert sowie die Scharniere restauriert. Ab dem 28. August erleben Besucher das bedeutende Stück in der Sektion »Natur« der neuen Goethe-Ausstellung.

In der Ausstellung »Lebensfluten – Tatensturm« präsentiert die Klassik Stiftung Weimar Goethe ab dem 28. August 2012 als Zeugen der um 1800 einsetzenden Moderne und zeigt sein faszinierendes Leben und Werk in zeitgenössischen Kontexten. In elf Räumen, darunter sieben Leitbegriffen gewidmete Sektionen, wird in der Ausstellung die Vielschichtigkeit Goethes weit über sein literarisches Schaffen hinaus verdeutlicht – von seiner politischen Funktion als Staatsmann über seine zeichnerische Tätigkeit bis hin zu seinen botanischen Studien.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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