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Günther Uecker »Redepflicht und Schweigefluss«. Bücher und bibliophile Werke

»Redepflicht und Schweigefluss« ist ein Lebensthema von Günther Uecker. Seit Beginn seines künstlerischen Schaffens hat sich Uecker mit der Tätigkeit des Schreibens, mit Texten unterschiedlichster Struktur, mit Vorlagen aus der Weltliteratur wie der Bibel und dem Koran, mit dem Thema der Grenzen sprachlicher Äußerungen und des Versagens von Sprache kritisch auseinandergesetzt. Nach der großen Ausstellung zu den Bühnenskulpturen und optischen Partituren Günther Ueckers im Neuen Museum Weimar im Jahr 2001 wird mit dem Themenfeld der Bücher und bibliophilen Werke erneut ein wichtiger Aspekt im Œuvre einer der renommiertesten Künstlerpersönlichkeiten der Gegenwart vorgestellt.

Das Schreiben ist für Uecker zu einer existentiellen künstlerischen Ausdrucksform geworden. Die schriftliche Äußerung bezieht sich analog seiner bildhauerischen oder malerischen Arbeit auf grundlegende Themen menschlichen Zusammenlebens, auf innere Konflikte hinsichtlich der Wahrhaftigkeit von Sprache. Die bibliophilen Arbeiten Ueckers umfassen nicht allein exquisite Bücher, Graphikeditionen oder Mappenwerke, wie es ein traditionelles Verständnis nahe legen würde. Günther Uecker versteht unter dem Begriff der »bibliophilen Werke« grundsätzlich alles, was ihn bei seiner breit gefächerten, bildnerischen und gedanklichen Auseinandersetzung mit Sprache und sprachlichen Strukturen in Wort und Bild beschäftigt hat. Seine »Sprachskulpturen« oder »Werkzeugobjekte« überschreiten die Grenzen traditioneller Gattungen, erweitern den Kunstbegriff; die künstlerische Aktion spannt den Bogen von der Destruktion bis zur Meditation. »Bibliophilie« meint für Günther Uecker aber auch die Aufforderung zum Schweigen, zur Verschwiegenheit, zum Widerstand gegen die Bevormundung durch Sprache oder Medien, zur Hinterfragung einseitig linearen Denkens.

Die Ausstellung im Neuen Museum Weimar versammelt eine thematisch stringente Auswahl von Arbeiten Ueckers aus über 40 Jahren, die zugleich auch die Vielfalt im Werk des Künstlers verdeutlicht. Sie präsentiert Gegenüberstellungen von lesbaren oder verschlüsselten, zum Teil unkenntlich gemachten Texten, von Arbeiten mit Symbolen und Chiffren, von Bildern manueller Strukturen, von geprägten Papieren, kleinen Objekten und größeren Installationen, von Büchern, benagelten Buchobjekten und verschnürten Zeitungsbündeln. Werkzeuge und Dokumente bildnerischer Sprachaktionen und Sprachmanipulationen werden ebenso vorgestellt wie ausgewählte graphische Editionen und Multiples. Die Exponate zeigen nicht nur die Wirkung kraftvoller Strukturen, wie sie insbesondere durch Ueckers berühmte Nagelreliefs verkörpert werden, sondern auch die Ruhe meditativer Gestaltungen, die vor allem in den Nichtfarben Weiß und Schwarz kongenial umgesetzt wurden. Die Ausstellung wird von einem Werkverzeichnis der bibliophilen Werke Ueckers begleitet. Günther Ucker, 1930 in Wendorf/Mecklenburg geboren, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sein Werk wird bis heute in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit vorgestellt.

Auf Anfrage stellen wir Ihnen gerne Bildmaterial zur Verfügung.

Veranstaltungsdaten

Eröffnung: 01. Mai 2008, 11 Uhr (Der Künstler wird anwesend sein)

Günther Uecker , »Redepflicht und Schweigefluss«. Bücher und bibliophile Werke 01. Mai – 20. Juli 2008 Ausstellungseröffnung: 01. Mai 2008, 11 Uhr Dienstag bis Sonntag, 11-18 Uhr Neues Museum Weimar Weimarplatz 5 | 99423 Weimar          

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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