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»Hannes Möller –­ Brandbücher | Aschebücher« –­ Ausstellung eröffnet im Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

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Ab Mittwoch, 10. Oktober 2018, zeigt die Herzogin Anna Amalia Bibliothek erstmals eine Kunstausstellung in ihrem Studienzentrum. Kernstück der Schau sind die beiden Bilderzyklen »Brandbücher« und »Aschebücher« des Künstlers Hannes Möller. Sie porträtieren einen Teil der geschädigten und zerstörten Bücher, die der verheerende Bibliotheksbrand des Jahres 2004 hinterlassen hat. Die Schau ist bis 16. Februar 2019 zu sehen und bildet den Auftakt zu eine Reihe von Wechselausstellungen im Studienzentrum. Der Eintritt ist frei. 

In der vierzig Arbeiten umfassenden Ausstellung »Brandbücher | Aschebücher« werden erstmals beide Bilderzyklen Hannes Möllers vollständig gezeigt. Der Zyklus »Brandbücher« enthält Einzeldarstellungen der durch Hitze und Löschwasser geschädigten Bücher. In einer speziellen Mixed-Media-Technik, basierend auf Aquarell-/Gouache-Malerei auf Bütten, entstehen aus der Masse heraus gearbeitete Buch-Individuen. Sie stellen das Bindeglied zum zweiten Zyklus »Aschebücher« dar, der mit dreißig Arbeiten den Schwerpunkt der Ausstellung bildet. Ebenso wie den »Brandbüchern« nähert sich der Künstler diesen verkohlten, teils bis zur Unkenntlichkeit geschmolzenen Objekten mit außerordentlicher Detailtreue. Um die größtmögliche Nähe zu ihren geschundenen Vorbildern zu erlangen, arbeitet Möller neben Farbe, Kohle und Rußpigmenten auch Originalasche der verbrannten Bücher in die Bilder hinein.

Seit einem Besuch der Cusanus-Bibliothek in Bernkastel-Kues 2007 beschäftigt den Künstler Hannes Möller die Welt der Bücher. Er besucht große, berühmte, aber auch kleine, unbekannte Bibliotheken in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, England und Belgien. Durch besondere Eigenheiten wie Farben, Licht, Geruch, Staub erhält jede ihren ganz eigenen Ausdruck. Doch auch die in den Bibliotheken aufbewahrten Bücher, insbesondere die Jahrhunderte alten, fragilen, verletzten und beschädigten Bücher mit ihren deutlichen Gebrauchsspuren macht er zum Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung. 

Zur Eröffnung der Ausstellung findet am heutigen Dienstag, 9. Oktober, um 18 Uhr ein Kolloquium über die Perspektiven der Bestandserhaltung im Besonderen und der kulturellen Überlieferung im Allgemeinen statt. Im Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek sprechen Bibliotheksdirektor Reinhard Laube, Kunsthistoriker Roland Krischke, Kulturphilosophin Birgit Recki sowie die Konservierungs- und Restaurierungswissenschaftlerin Ulrike Hähner. Mit der innovativen Arbeit in den Werkstätten wird die Zukunft der Bestandserhaltung und mit dem künstlerischen Blick der Gegenstand der kulturellen Überlieferung und damit eine zentrale Aufgabe der Archiv- und Forschungsbibliothek neu sicht- und erfahrbar.

Das Studienzentrum mit dem unterirdischen Tiefmagazin bewahrt auf besondere Weise die Erinnerung an die Nacht vom 2. auf den 3. September 2004, in der das historische Bibliotheksgebäude brannte. Das Studienzentrum war zu diesem Zeitpunkt noch eine Baustelle und sollte am 4. Februar 2005 eröffnet werden. Das Tiefmagazin, in dem erst wenige Regale montiert waren, wurde in der Brandnacht als Bergungsort für die Bücher aus dem Rokokosaal genutzt. Die beschädigten und vom Löschwasser feuchten oder durchnässten »Brandbücher« wurden hier für die Reinigung, das Einfrieren und die Gefriertrocknung im Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig vorbereitet. Die Aschebücher der zweiten Galerie, die mit dem Brandschutt in Containern auf dem Polizeihof zwischengelagert worden waren, konnten erst drei Wochen nach dem Brand geborgen und versorgt werden. Insgesamt wurden 118 000 beschädigte Bücher aus dem historischen Gebäude geborgen. Es begann die Geschichte eines großangelegten Konservierungs- und Restaurierungsprojekts, das rund 93 000 Bände benutzbar und 1,5 Mio. Blatt wieder lesbar machen wird. Unter Beteiligung von 27 Restaurierungswerkstätten und Buchbindereien wurden mittlerweile 36.529 der insgesamt 37.000 durch den Bibliotheksbrand am 2. September 2004 wasser- und hitzegeschädigten Bände mit Einbandschäden konserviert und restauriert. Sie stehen der Benutzung bereits wieder zur Verfügung. Aus der Gruppe der Bände mit schweren Brandschäden, den sogenannten Aschebüchern, sind mit insgesamt 817.519 Blatt bis Ende 2017 rund 68 Prozent des Bestandes restauriert worden. Im Jahr 2017 durchliefen 78.873 Blatt den aufwendigen Konservierungs- und Restaurierungsprozess. Noch ca. 434.519 Blatt der Aschebücher und Musikalienfragmente müssen bearbeitet werden.

Ausstellungsdaten
»Hannes Möller – Brandbücher | Aschebücher«
10. Oktober 2018 bis 16. Februar 2019 | Mo–Fr 9–20 Uhr, Sa 9–17 Uhr
Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek | Bücherkubus
Platz der Demokratie 4 | 99423 Weimar
Der Eintritt ist frei.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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