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Kolloquium erinnert an Harald Gerlach als Schriftsteller und Theatermann

Die lauten und grellen Töne waren „nicht sein Ding“. Viel lieber waren ihm die stillen - wie in seinen Gedichtbänden „Wüstungen“ und „Mauerstücke“ oder in seinen Romanen „Windstimmen“ und „Blues Terrano“. Es waren die Außenseiter, die Gestrandeten, die Harald Gerlach in seiner Prosa und Lyrik zu Helden machte. Am 7. März wäre der Schriftsteller und Theatermann 65 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass lädt die Klassik Stiftung Weimar zusammen mit dem Verein Lese-Zeichen und der Literarischen Gesellschaft Thüringen am 9. und 10. September zu einem öffentlichen Kolloquium im Kirms-Krackow-Haus in Weimar ein. Neben Vorträgen zum Werk Gerlachs wird es auch ein künstlerisches Programm und ein Podiumsgespräch mit Theaterfachleuten geben.
1940 in Bunzlau in Schlesien geboren, flüchtete Harald Gerlach 1945 mit seiner Familie nach Thüringen. Nach dem Abitur versuchte er sich zunächst in verschiedenen Berufen bevor er in einer Zeitungsredaktion volontierte, ein Journalistik-Studium aufnahm und bald wieder abbrach. Immer wieder geriet er mit dem SED-Staat in Konflikt, der sich überdies zuspitzte, als Gerlach nach einer wagemutigen Grenzüberschreitung nach Italien und Südfrankreich reiste. Er kehrte jedoch in die DDR zurück, schlug sich in den darauf folgenden Jahren unter anderem als Totengräber und Kiesgrubenarbeiter durch und schloss schließlich 1968 ein Fernstudium als Theatermeister ab. Später wurde er literarischer Mitarbeiter der Städtischen Bühnen Erfurt und arbeitete ab 1984 als freischaffender Schriftsteller.
Gerlach setzte sich in seinen lyrischen und epischen Dichtungen aber auch Rundfunkessays mit der Geschichte der deutschen Literatur auseinander. Postum erschien im vergangenen Jahr seine Schiller-Biografie „Man liebt nur, was einen in Freyheit setzt“. Seinen ersten Gedichtband hat Gerlach bereits 1969 veröffentlicht. Es folgten viele weitere Gedichte und Romane, die ihm 1985 den Louis-Fürnberg- und 1997 den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar einbrachten. Heute gilt Harald Gerlach als einer der bedeutendsten Schriftsteller Thüringens. Er starb im Juni 2001 im Alter von 61 Jahren an den Folgen eines Hirntumors.
Im Kolloquium, das am Freitag, 9. September, um 15 Uhr beginnt, setzen sich Wissenschaftler und Künstler mit Harald Gerlachs Werk und Wirken auseinander. Martin Straub, Germanist und Leiter des Vereins Lese-Zeichen Jena, spricht über die Romane „Windstimmen“, „Rottmanns Bilder“ und „Blues Terrano“, der Germanist Ulrich Kaufmann über die Porträtgedichte und der Schriftsteller Kai Aghte über das „Projekt Klassik - die essayistischen Annährungen an Goethe und Schiller“. Das künstlerische Programm gestalten die beiden Schauspieler Helga Ziaja und Manfred Heine (Weimar) mit dem Vortrag von Texten und Vertonungen Gerlachs.
Am Sonntag, 10. September, referieren ab 9 Uhr der Südwestfunk-Redakteur Jürgen von Esenwein über den Rundfunkautoren Harald Gerlach und Karl Ottomar Treibmann, Komponist und emeritierter Professor für Musik in Leipzig, über Gerlachs „Lust, Oper zu machen“. Gäste des Podiumsgesprächs „Harald Gerlach auf dem Theater“ um 11.30 Uhr sind Lothar Ehrlich (Direktor der Forschungsabteilung Klassik Stiftung Weimar), Manfred Heine (Weimar), Eberhard Kiesewetter, ehemaliger Schauspieldirektor in Erfurt, der Schauspieler Klaus Schleiff (Leipzig) und der Dramaturg Rainer Schwochow (Berlin).

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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