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Marion Ermer Preis 2006 für junge Künstlerinnen und Künstler aus den Neuen Bundesländern

 

Wenn am Donnerstag, den 23. November 2006 (19 Uhr), im Neuen Museum Weimar die Ausstellung ‚Marion Ermer Preis 2006‘ eröffnet wird, dann wird ein weiteres Kapitel in der Geschichte dieses jungen, aber fulminanten Kunstpreises für Gegenwartskunst in den neuen Bundesländern aufgeschlagen.

Zur Geschichte des Preises.Seit Jahren hat die Marion Ermer Stiftung ihrem Streben nach einer Förderung der Nachwuchskunst in den neuen Bundesländern Ausdruck verliehen. Es ist Marion Ermer zu verdanken, dass nach der Wiedervereinigung die erste private Kulturstiftung in den neuen Bundesländern gegründet wurde – mit dem Ziel, für das Zusammenwachsen zwischen Ost und West auf dem Felde der Kunst und Kultur einen Beitrag zu leisten. Zahlreiche Unternehmungen der bildenden und darstellenden Kunst und der Musik wurden unterstützt. Seit 2001 vergibt die Marion Ermer Stiftung den gleichnamigen Preis, der sich der zeitgenössischen bildenden Kunst in den neuen Bundesländern verpflichtet fühlt. Hierbei hat sie die Kooperation mit verschiedenen Kunsthochschulen und -institutionen in den neuen Bundesländern gesucht, so mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden (2001, 2003, 2005), mit der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig (2002) und mit der Bauhaus-Universität Weimar und der Klassik Stiftung Weimar (2004), die in diesem Jahr erneut den Marion Ermer Preis und die dazugehörige Ausstellung in den Räumen des Neuen Museums in Weimar ausrichten.

Die Preisträger. Den Auftakt des Projektes ‚Marion Ermer Preis 2006‘ bildet die Jurierung der eingereichten zahlreichen Bewerbungen aus allen Teilen der neuen Bundesländer. Zur Jury des Marion Ermer Preises 2006 gehörten Dr. Pia Müller-Tamm (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20), Ursula Bode (3sat), Dr. Ute Vorkoeper (u.a. PS1), Prof. Dr. Karl Schawelka (Bauhaus Universität Weimar) und Prof. Dr. Kai-Uwe Hemken (Kunsthochschule Kassel). Die Qualität der Konzepte und Projekte der jungen Künstlerinnen und Künstler erforderte eine ausgiebige fachkompetente Diskussion über das Für und Wider. 

Die diesjährige Jury hat folgende Preisträger ermittelt:

Christiane Haase, Bauhaus Universität Weimar
Grit Hachmeister, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
Peggy Meinfelder, Bauhaus Universität Weimar
Künstlergruppe ‚Famed‘ (Sebastian Kretzschmar, Kilian Schellbach, Jan Thomaneck), Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig 

Die Kunst. Das Schaffen der aktuellen Preisträger zeugt von einer erstaunlichen Souveränität, die nicht auf das Agieren im Kunstbetrieb gemünzt ist, sondern sich vielmehr in der Aufrichtigkeit und Selbstbehauptung der eigenen künstlerischen Position zeigt. Dabei ist auffällig, dass inhaltlich stets die fruchtbaren Wechselwirkungen zwischen Kunst und Gesellschaft angespielt werden: Das ‚Eigene und das Fremde‘ ist ein Generalthema von Christiane Haase, die mit Ihren Werken den Betrachter stets schmunzelnd irritiert. Grit Hachmeister thematisiert die Identität zwischen Individualität und Masse und erörtert stellvertretend für alle Selbstfindungsprozesse in einer hochtechnisierten Kultur. Ähnlich argumentiert Peggy Meinfelder, wenn sie ihre eigene Biografie mit den Geschehnissen der Wendezeit koppelt. Sie legt ein legt ein fiktives künstlerisches Archiv zur DDR-Kultur an. Und schließlich veranschaulicht die Gruppe ‚Famed‘ (Kretzschmar, Schellbach, Thomaneck) in raumgreifenden Installationen die Strukturen und Mechanismen nicht nur des Kunstbetriebs.

Bei ihrem künstlerischen Schaffen steuern die Künstler und Künstlerinnen auf zentrale Dimensionen unserer heutigen Gesellschaft: Macht- und Wirtschaftsstrukturen, kollektive und individuelle Geschichte oder Identitätsfindung. Der Vermutung, dass junge Kunst dem Trend der Unterhaltung und Ökonomie anheim gefallen sei, ist mit diesen Konzepten vehement widersprochen. Es werden bedeutsame Diskurse gegenwärtiger gesellschaftlicher Befindlichkeiten angesprochen. In aller Ernsthaftigkeit demonstrieren die jungen Künstler und Künstlerinnen des diesjährigen Marion Ermer Preises ein spielerisches Umgehen mit den angesprochenen schwergewichtigen Themen. Von entscheidender Bedeutung ist hierbei der innovative Umgang mit dem Konventionellen, der nicht selten die Grenzen des Gewohnten mit Emphase humorvoll überschreitet und damit den Konditionen herkömmlichen Agierens die Stirn bietet.

Die Ausstellung. Die Preisträgerinnen/Preisträger des Marion Ermer Preises 2006 präsentieren ihr bisheriges Schaffen in einer Ausstellung, die für den Zeitraum vom 23. November 2006 bis 7. Januar 2007 geplant ist.

Peggy Meinfelder wird die vier Eckräume im 1. Stock des Neuen Museums mit audio-visuellen Installationen bestücken, die einen Eindruck von der Alltagskultur der DDR und der Atmosphäre der ‚Wendezeit‘ eindringlich vermitteln.

Christiane Haase richtet im großen Saal zwei großdimensionierte Käfigkonstruktionen ein, die ihre jüngsten Tonskulpturen ‚unter Verschluss halten‘. Denn es handelt sich um Skulpturen, die in ihrer Formgebung an bedrohliche monsterartige Lebewesen erinnern.

In zwei Räumen wird Grit Hachmeister eine Vielzahl von Bildwerken hängen und dabei auf die gegebene Raumsituation reagieren. Die Bildwände wirken wie ein kaleidoskopisches Arrangement, das in seiner facettenreichen Erscheinung Einblick in die Befindlichkeit, Fantasiewelt und Lebenspraktiken einer jungen Künstlerin gewährt.

Schließlich wird die Gruppe Famed mit großformatigen MDF-Platten (in zwei benachbarten Räumen) die gegebene Innenarchitektur im Sinne eines Störmanövers nachhaltig irritieren. Hinzu kommen graffitiähnliche, auf die Wand gesprühte Aussagen sowie Leuchtschrifteninstallationen, die inhaltlich die Strukturen des Kunstbetriebs hinterfragen.

Ein begleitender, vierbändiger Katalog (im Schuber) würdigt das künstlerische Schaffen der ausgewählten Künstlerinnen/Künstler für eine breitere Öffentlichkeit und dokumentiert überdies die Entscheidungsprozesse der Jury.

 

Daten.
Eröffnung: 23. November 2006, 19 Uhr, Neues Museum
Öffentliche Führungen: 26. November 2006, 3. Dezember 2006, 10. Dezember 2006, 7. Januar 2007, Beginn jeweils 11 Uhr, Treffpunkt Kasse Neues Museum Weimar

Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (vierbändig im Schuber) / Preis 21,40 Euro, erhältlich im Museumsshop im Neuen Museum Weimar oder im Handel.

Edition: Zur Ausstellung erscheint eine Grafikedition (ca. 70 x 100 cm, Offsetdruck auf Papier, Auflage jeweils 50, datiert, nummeriert, signiert) der PreisträgerInnen. Diese Edition ist im Museumsshop im Neuen Museum Weimar erhältlich.
Kontakt: Neues Museum Weimar, Weimarplatz 5, 99423 Weimar, Tel 03643/545-963
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 11–16 Uhr

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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