Zurück zur Übersicht

Marion Ermer Stiftung stellt Preisträgerinnen und Preisträger 2008 vor

Die Marion Ermer Stiftung hat die Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen Marion Ermer Preises für junge Künstlerinnen und Künstler aus den neuen Bundesländern bekannt gegeben. Die Jury wählte die Preisträger einstimmig aus insgesamt 177 Bewerbungen aus.

Der zum achten Mal vergebene Preis ist mit je 5000 Euro dotiert. Zu ihm gehören in diesem Jahr eine Ausstellung im Neuen Museum Weimar sowie eine zweisprachige Katalogpublikation. Kooperationspartner in Weimar sind die Klassik Stiftung Weimar und die Bauhaus-Universität Weimar.

Folgende Preisträgerinnen und Preisträger wählte die diesjährige Jury - Philippe van Cauteren (S.M.A.K., Stedelijk Museum voor Actuele Kunst, Gent/Belgien), Iris Dressler (Württembergischer Kunstverein Stuttgart), Prof. Norbert W. Hinterberger (Bauhaus-Universität Weimar), Prof. Dr. Hanne Loreck (Hochschule für bildende Künste Hamburg) und Prof. Ute Vorkoeper (Kunsthochschule Berlin Weißensee, Kuratorin der Ausstellung) – aus:

Laura Bielau
Die Fotografin Laura Bielau sucht sensibel bis provokativ die Momente des Erscheinens von Wirklichkeit in der Fotografie. Sie fotografiert Wendepunkte, in denen etwas nicht nur sichtbar, sondern in einer anderen Intensität und in seinen unsichtbaren Aspekten wahrnehmbar wird. Die Momente des Sehens, des In-den-Blick-Fallens, des Angesehen-Werdens wie auch das In-Erscheinung-Treten-Lassen durch die Fotografin sind in den Bildern aber nicht rein sachlich oder konzeptuell mit abgebildet, sondern sie werden suggestiv, emotional vereinnahmend an die Betrachter/innen weitergegeben.

Ihre Fotosequenzen sind keine konzeptuellen Arbeiten in dem Sinne, dass ein Feld der Forschung von vornherein vorgezeichnet und abgesteckt wäre. Sie entwickeln sich vielmehr von Ausgangsfragen und Fundstücken in assoziativen Sprüngen. Ein Beispiel dafür ist die Serie „Scud“, in der die Künstlerin ausgehend von Materialien über ein ostdeutsches Kreuzfahrtschiff zu im Rückbau befindlichen Räumen im Osten und von dort in eine fotografische Untersuchung von Atommülllagern in Deutschland geführt wurde.

Bielaus Kenntnisse der Geschichte der Fotografie sowie der einschlägigen Foto- und Kunsttheorie befördern den sehr eigenen, ebenso reflexiven wie spielerischen Umgang mit dem Medium für ihre – glückenden ‑ Versuche, das Unsichtbare im Sichtbaren aufscheinen zu lassen.

Laura Bielaus besonderes Gespür für die Kippmomente zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem auf der Basis eines fundierten Wissens wertete die Jury als preiswürdig.

Biographie
Laura Bielau wurde 1981 in Halle/Saale geboren. Sie lebt und arbeitet in Leipzig. Nach einer Ausbildung zur gestaltungstechnischen Assistentin in Halle (1997-1999) und einer Ausbildung zur Fotografin von (1999-2002) nahm sie 2002 das Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst auf, unterbrach es von 2004-2005 für ein Auslandsstudium an der University of Art and Design in Helsinki/Finnland. Von 2005 bis 2008 studierte sie Fotografie in Leipzig, machte ihr Diplom bei Prof. Timm Rautert und ist zurzeit Meisterschülerin bei Prof. Peter Piller.

Preise und Stipendien
Laura Bielau wurde 2004 Preisträgerin des Jugendfotopreises, erhielt 2005 den Marta Hoepffner Preis für Fotografie und wurde 2007 Preisträgerin des 1. Internationalen Fotografie Festivals, F-Stop, in Leipzig.

Falk Haberkorn
Aus der konzeptuellen Fotografie kommend hat sich Falk Haberkorn in den vergangenen Jahren der Grenze zwischen Bild und Sprache, zwischen Bilden und Sprechen, Foto und Text zugewandt. Eine zentrale, immer wieder reflektierte Frage in seinen Arbeiten ist, wie sich der Künstler (verantwortungsvoll) in die Welt, in die Geschichte wie die Gegenwart einschreiben kann. Dieser Künstler-Autor ist für ihn dabei kein Schöpfer ex nihilo, sondern einer, der in einer Tradition steht und etwas – kritisch – fortsetzt.

Die Auseinandersetzung mit Erinnerung und Tradierung, mit Wahrung und Löschung, Übertragung und Verlust, die Falk Haberkorn seit seinem Studium betreibt, bildet die Grundlage für seine neueren Schrift-Raum-Bilder und Schrift-Tafeln. Im Laufe der letzten Jahre sind seine Arbeiten immer performativer angelegt, d.h. sie entstehen in/als Schreib- oder Bild-Handlungen.

Dies wird z.B. erkennbar an „Versuch einer Selbstkritik“, einem Schriftbild auf Papier, in dem Falk Haberkorn das Vorwort Nietzsches zur „Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik“ in winziger Handschrift auf Zeichenpapier überträgt, so dass die Aussparungen ein Negativporträt seiner selbst zeigen. Oder es zeigt sich in dem Projekt „Watzmann“, für das Haberkorn das gleichnamige Gemälde von Caspar David Friedrich kopieren ließ und in einem poetischen Vortrag vor dem Bild seine Zuhörer/innen auf eine eigentlich unmögliche Bergbesteigung mitnimmt, die von der Vergangenheit bis in die Mediengegenwart führt.

Die Jury würdigt mit der Preisvergabe an Falk Haberkorn die Ernsthaftigkeit und Konsequenz der bislang von ihm vorgelegten Arbeiten.

Biographie
Falk Haberkorn wurde 1974 in Berlin geboren. 1993 begann er ein Studium der Russistik / Bohemistik an der Humboldt-Universität Berlin und wechselte 1995 an die Hochschule für Grafik und Buchkunst nach Leipzig, um Fotografie zu studieren. 2002 machte er hier sein Diplom bei Prof. Timm Rautert und wurde im Anschluss dessen Meisterschüler (bis 2006).

Er hat an zahlreichen Gruppenausstellungen in deutschen Kunstvereinen und internationalen Galerien teilgenommen und war 2005 Mitbegründer der Berliner Galerie AMERIKA.

Preise und Stipendien
Falk Haberkorn bekam verschiedene Residenzstipendien zuerkannt, so das der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen (Ahrenshoop), der Studienstiftung des deutschen Volkes (Venedig) und des DAAD (Österreich, Schweiz). Zuletzt erhielt er ein Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen (2006) und trat ein Residenzstipendium des Goetheinstituts in der Villa Aurora, Los Angeles, nichtan.

Nahla Küsel
Nahla Küsels Interesse gilt der Identitätskonstruktion in einer globalisierten, von wirtschaftlicher Ungleichheit, von Kriegen und religiösen Konflikten zerteilten Welt. Der Nahe Osten, den sie in zwei jeweils halbjährigen Studienaufenthalten kennen gelernt hat, ist dabei zum Referenzfeld ihrer Auseinandersetzungen geworden. Insbesondere beschäftigen sie die wechselnden Projektionen auf Palästina über die vergangenen Jahrzehnte und die konfliktgeladene Wirklichkeit des Landes.

Ihre künstlerische Arbeit gleicht Forschungsprojekten, die von solchen Bild‑Fundstücken, Geschichtsfragmenten oder Begegnungen mit Menschen ausgehen, die sie nachhaltig beschäftigen, sie nicht mehr loslassen. Am Ende entstehen poetisch-narrative Installationen und Videos über Wunsch und Wirklichkeit von Identität.

Zeitgleich arbeitet Nahla Küsel in Gemeinschaftsprojekten wie dem Leipziger Videoklub und Vermittlungsprojekten wie der Projektgalerie „A und V“, zu dessen Gründungsmitgliedern und maßgeblichen Betreibern sie zählt.

Die Jury würdigt mit dem Preis Nahla Küsels Verbindung von selbst organisierter kultureller Praxis und künstlerischer Arbeit sowie ihre Auseinandersetzung mit globalpolitisch brisanten Themen und Gegenden.

Biographie
Nahla Küsel wurde 1978 in Berlin geboren. Sie lebt und arbeitet in Leipzig. Von 2000-2008 studierte sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und ging 2005 für sechs Monate nach Beirut, Libanon, um ein Praktikum im Fotoarchiv der Arab Image Foundation zu absolvieren. 2006 unternahm sie eine zweite sechsmonatige Studienreise in den Nahen Osten und war Assistentin von Ashkal Alwan in Beirut.

Seit 2005 ist sie Mitglied des Leipziger Videoklubs und war 2007 Mitbegründerin der Projekt- und Hörgalerie „A und V“. Sie beteiligte sich an verschiedenen Ausstellungen, Projekten und Festivals.

Markus Uhr
Markus Uhr betreibt eine „verrückte“ Phänomenologie der Gegenwartswelt, wenn er gefundene Bilder und Bruchstücke des Alltags mit Zeichen und Fragmente der kulturellen und politischen Geschichte aus verschiedenen Weltteilen in ebenso unsichere wie irritierende Kombinationen bringt. Seine Bildsprache pendelt zwischen überbordender Fülle, minimalem Eingriff und der Aufnahme marginaler Funde. Er besitzt eine fast schlafwandlerische Sicherheit für das Un-Passende, das sich als Bild festsetzt und einprägt.

Diese Fotografien, Collagen, Zeichnungen, Malereien, Objekte, angeordnet in ebenso bizarren wie luziden Gefügen, bleiben ihren Betrachter/innen im Kopf. Man wird hineingezogen in ein wackliges, dürftig gefügtes und schmuddeliges Universum, in dem die Menschen aus Versatzstücken gebastelte Aliens und lächerliche bis marginale Erscheinungen in absurden Situationen sind. Nicht selten trifft man nur noch auf die traurigen Spuren ihrer einstigen Anwesenheit.

Das Besondere dieser Anordnungen aber liegt darin, dass sie nicht einfach verstören oder abstoßen, sondern durch ihren hintergründigen Humor Spielräume für ihre Betrachter/innen eröffnen. Hier wird man zwischen Extremen hin und her geworfen ‑ und kann sich dabei unverhofft an unbekannten Denk‑Orten wieder finden.

Die Jury wertete Markus Uhrs Leichthändigkeit als preiswürdig, mit der er Marginales und Disparates kombiniert und es zwischen Verstörung und Lust unentschieden an die Betrachter/innen übermittelt.

Biographie
Markus Uhr wurde 1974 in Baar in der Schweiz geboren. Er lebt und arbeitet in Leipzig. Von 1998 bis 1999 studierte er zunächst an der Schule für Gestaltung in Luzern und wechselte dann an die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, um Fotografie zu studieren. 2005 machte er sein Diplom bei Prof. Helfried Strauß.

Markus Uhr hatte Einzelausstellungen in Kunstvereinen und Galerien in der Schweiz und in Deutschland. Darüber hinaus nahm er an internationalen Gruppenausstellungen in Europa teil.

Preise und Stipendien
2003 ging Markus Uhr mit einem DAAD-Stipendium nach Odessa. Er erhielt mehrere Förderpreise und zuletzt den Swiss Art Award, den Personalpreis der Dr. Georg und Josi Guggenheim-Stiftung 2007 sowie im selben Jahr eine Residenz in New York, gefördert durch das Kanton Zug

Weitere Informationen zum Preis unter:

www.marion-ermer-stiftung.de

preis-2008@marion-ermer-stiftung.de

 

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Der Internetauftritt der Klassik Stiftung Weimar verwendet Cookies, um Ihnen einen optimalen Service zu bieten. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden. Zur Datenschutzerklärung

Verstanden