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»Nach dem Brand« - Bücher und Bilder aus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar

Weimar, den 17. Dezember 2004

Die beschädigte Totenmaske Friedrich Schillers, Fragmente verbrannter Bücher und geborgene Bauteile aus dem Rokokosaal gehören zu den stummen Zeugen der Brandnacht in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. In einer dokumentarischen Schau mit geretteten Büchern und Kunstwerken, die ab 18. Dezember im Weimarer Schloßmuseum zu sehen ist, veranschaulichen sie exemplarisch die Folgen der Katastrophe vom 2. September. Vorgestellt werden unterschiedliche Schäden an Büchern, Bildern und Plastiken: Ein schwarzes Buch, dem das Feuer die Hülle nahm, geschrumpfte Ledereinbände und Gemälde, auf denen das Löschwasser seine Spuren hinterließ. Ein Bild des vierjährigen Carl August trug bei der Bergung einen Riß davon; Johann Heinrich Danneckers Schiller-Büste wurde von Ruß und Löschwasser gezeichnet.
Fragmente von Buchseiten, darunter einzelne mit handschrift-lichen Bemerkungen des ersten Direktors der Weimarer Bibliothek Konrad Samuel Schurzfleisch sowie eine Galerie der unwiederbringlich verlorenen Bilder und verkohlte Reste von Einbauten des Rokokosaals vermitteln einen Eindruck vom Ausmaß der Verluste und den Lücken, die das Feuer in eine über 300jährige Sammlungsgeschichte riß.
Gezeigt werden aber auch Objekte, die den Brand durch glück-liche Umstände unbeschadet überstanden haben, wie eine ausgeliehene Notenhandschrift aus der Fürstlichen Musikaliensammlung oder Schmellers Gemälde »Goethe, seinem Schreiber John diktierend«, das unversehrt aus dem brennenden Gebäude gerettet werden konnte.
Historische, zum Teil bislang unveröffentlichte Bilder aus der Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, ein Überblick über notwendige Restaurierungsmaßnahmen sowie Bilder der Brandnacht und 3D-Panoramen aus der Bibliothek vor und nach dem Unglück ergänzen die Schau.
In der Nacht vom 2. auf den 3. September verlor die Weimarer Bibliothek 50 000 Bücher; 62 000 wurden mit zum Teil schweren Brand- und Wasserschäden gerettet und zur Gefriertrocknung ins Zentrum für Bucherhaltung nach Leipzig gebracht. Die ersten 12 000 von ihnen sind inzwischen nach Weimar zurückgekehrt. Die letzten werden im Herbst 2005 erwartet. Nach derzeitiger Einschätzung sind etwa 40 000 der beschädigte Bände restaurierbar. Die Kosten für die Restaurierung bzw. Wiederherstellung der Buchbestände werden auf 67 Millionen Euro geschätzt.
Von den Kunstwerken, die das Gesicht des 1766 als Schaubibliothek eingeweihten Rokokosaals unverwechselbar prägten, sind 35 Gemälde verbrannt. Die rund 100 Bilder, 20 Zeichnungen sowie 80 Skulpturen, die gerettet wurden, sind beschädigt, können aber restauriert werden.
Die Ausstellung »Nach dem Brand« wird am 17. Dezember, 17 Uhr, eröffnet und ist bis zum 20. Februar 2005 täglich außer montags von
10 bis 16 Uhr zu besichtigen.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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