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»NS-Raubgut in der Klassik Stiftung Weimar« – Mobile Vitrine zeigt den Fall Susanne Türck im Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Ab Freitag, 4. November, präsentiert die Mobile Vitrine der Klassik Stiftung Weimar im Foyer des Studienzentrums der Herzogin Anna Amalia Bibliothek den Fall Susanne Türck.

Um den Lebensunterhalt für sich und ihren kranken Vater, den Literaturwissenschaftler Hermann Türck (1856 – 1933), zu verdienen, lehrte die promovierte Anglistin Susanne Türck (1905 – 1976) an zwei Weimarer Privatschulen. Mangels Stellen an staatlichen Bildungseinrichtungen befand sich die zugelassene Studienassessorin mit jüdischen Wurzeln offiziell jedoch im Wartestand des Thüringischen Volksbildungsministeriums, weshalb das »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« im April 1933 auch zur Überprüfung ihrer Person führte. Um der Entfernung jüdischer und politisch unerwünschter Beamter zuvorzukommen, emigrierte Susanne Türck wenige Monate später nach Großbritannien. Die Flucht finanzierte sie durch den Verkauf der Bibliothek ihres Vaters, der im April 1933 verstorben war. Über Ludwig Thelemanns Buch- und Kunsthandlung in Weimar erwarb die Thüringische Landesbibliothek, eine der Vorgängerinstitutionen der heutigen Herzogin Anna Amalia Bibliothek, die Bücher im Herbst 1933.

Bisher konnten die Provenienzforscher in den heutigen Bibliotheksbeständen 160 Bände der unter Zwang verkauften Bibliothek Hermann Türcks ermitteln. Die Suche nach rechtmäßigen Erben gestaltet sich jedoch schwierig, da Susanne Türck in Großbritannien unverheiratet und vermutlich auch kinderlos geblieben ist. Die Recherchen zu diesem Fall dauern an.

Mehr zum Fall Susanne Türck auf dem Blog der Klassik Stiftung

Während und infolge des Nationalsozialismus ist es in Einrichtungen der heutigen Klassik Stiftung Weimar zu Erwerbungen von unrechtmäßig entzogenem Kulturgut gekommen. Die Stiftung geht der Identifizierung solcher Objekte und ihren Provenienzen systematisch nach und sucht gemeinsam mit den Geschädigten bzw. ihren Erben nach fairen und gerechten Lösungen. Die eigens entwickelte Mobile Vitrine »NS-Raubgut in der Klassik Stiftung Weimar« macht Besucher der Klassik Stiftung auf diese Aktivitäten aufmerksam.

Die Vitrine präsentiert exemplarisch jeweils ein Objekt, das als NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut identifiziert wurde, beleuchtet die Verfolgungsschicksale der früheren Eigentümer und dokumentiert die Recherchen der Provenienzforscher.

Die Mobile Vitrine wurde gefördert durch den Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute e.V. – AsKI aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ausstellungsdaten

»Der Fall Dr. Susanne Türck«
Mobile Vitrine »NS-Raubgut in der Klassik Stiftung Weimar«
Vom 4. November 2016 bis Ende Januar 2017 ? Mo – Fr 9 – 21 Uhr, Sa 9 – 16 Uhr
Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek ? Foyer
Platz der Demokratie 4 | 99423 Weimar Der Eintritt ist frei.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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