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Stiftungsrat der Klassik Stiftung Weimar fasst Beschlüsse zum Bauhaus-Museum Weimar, zur Leitung des Kollegs Friedrich Nietzsche und zum Haus Am Horn

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In seiner heutigen Sitzung unter Vorsitz von Benjamin-Immanuel Hoff, Chef der Thüringer Staatskanzlei und Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten, hat der Stiftungsrat der Klassik Stiftung Weimar neben der Wahl von Ulrike Lorenz zur Präsidentin der Stiftung weitere Beschlüsse gefasst. »Die heute gefassten drei Beschlüsse sind wichtig für die künftige Entwicklung der Stiftung im Bereich der Moderne. Damit wird das vielschichtige Erbe der Moderne ein noch präsenterer Teil der Klassik Stiftung Weimar«, unterstrich Hoff.

Bauhaus-Museum Weimar

Der Stiftungsrat folgte nach intensiver Diskussion der Empfehlung einer Fachjury und beauftragte die Stiftung, den seit einem Jahr vorliegenden alternativen Fassadenentwurf von Architektin Heike Hanada zu realisieren. Dieser Entwurf verzichtet auf die bisher vorgesehene Glasfassade, sieht aber weiterhin in die Fassade integrierte Lichtbänder vor, die mit durchsichtigen, fein strukturierten Glasscheiben abgedeckt werden. Auf diese Weise werden 24 horizontale LED-Linien die monolithische Fassade des Baus strukturieren. Die in den Fugen der hellen Sichtbetonfassade verlegten Lichtbänder vermitteln den Eindruck von Leichtigkeit und verleihen dem Gebäude eine gleichmäßige, horizontale Rhythmisierung. Mit Einbruch der Dämmerung werden die Glasbänder zu leuchten beginnen. Von Nahem betrachtet erinnert die Struktur des Glases an organische Einschließungen wie in Marienglas oder Polareis. Von Ferne wird das autarke Spiel der gebündelten Lichtlinien dominieren, die den klar gesetzten und geerdeten Baukörper in eine schwebende Lichtskulptur verwandeln. Möglich wurde der neue Entwurf auch durch Entwicklungen in der LED-Technik. Um die Fassade fertigstellen zu können, ist eine Änderung der Baugenehmigung (Tektur) nötig, die die Stiftung nun beantragen wird.

Der heutigen Entscheidung für die Fassadengestaltung lagen allein inhaltliche und ästhetische Abwägungen zugrunde, da jede Fassadengestaltungsvariante durch die Zuwendungsgeber Freistaat Thüringen und Bundesrepublik Deutschland abgesichert gewesen wäre. Der Stiftungsrat stellte mit Bedauern fest, dass auf der Suche nach der besten Lösung für eine Fassadengestaltung für das Bauhaus-Museum Weimar Defizite in der Kommunikation insbesondere gegenüber der Stadtöffentlichkeit zu verzeichnen waren. Minister Hoff als Vorsitzender des Stiftungsrates und Oberbürgermeister Peter Kleine werden den Beschluss zur Fassade zeitnah gegenüber Stadtrat und Stadtöffentlichkeit in Weimar erläutern. 

»Durch die Veränderung, die wir nun an der Fassade vornehmen, wird die subtile Überlagerung von organischen und streng abstrakten Formen besonders deutlich werden. Ich bin froh und erleichtert, dass mein überarbeiteter Entwurf, dem eine abstrakte, minimierte Idee zugrunde liegt und der damit viel nachdrücklicher Konzepte des Bauhauses aufgreift, die Unterstützung des Stiftungsrates erfahren hat«, so Heike Hanada. Stiftungspräsident Hellmut Seemann betonte: »Lange haben wir gemeinsam mit Heike Hanada nach Lösungen gesucht, wie wir für das Museum an seinem Standort zwischen klassischem Weimar und NS-Gauforum die beste Qualität erzielen können. Ich bin sehr dankbar, dass wir den Vorschlag der Architektin nun umsetzen können. Zum 100. Geburtstag des Bauhauses wird das Museum ab der Eröffnung am 5. April 2019 als architektonisches Wahrzeichen für die Bauhaus-Stadt Weimar kraftvoll und glaubwürdig auftreten.«

Der Fachjury gehörten, wie zwischen Stadt Weimar und Stiftung vereinbart, Barbara Holzer (Zürich) und Irene Wiese-von Ofen (Essen) als Fachjurorinnen des 2. Wettbewerbs (VOF-Verfahren) an, der sich 2012 an die Entscheidung im Architekturwettbewerb anschloss. Heike Hanada präsentierte dem Stiftungsrat heute ihren Fassadenentwurf. Irene Wiese-von Ofen führte die Begründung der Fachjury im Einzelnen aus, die sie veranlasst hat, die alternative Gestaltung vorzuziehen. Laut Gutachten der Jury überzeugt die Fassadengestaltung unter städtebaulichen und architektonischen Aspekten. Konkret stärke sie »den architektonischen Ausdruck des Volumens in seiner Solitärwirkung und schafft dennoch […] die notwendige Verbindung zum angrenzenden städtebaulichen Kontext ebenso wie [zum] benachbarten Landschaftsraum«.

Kolleg Friedrich Nietzsche

Der Stiftungsrat hat der Einstellung von Helmut Heit als Leiter des Kollegs Friedrich Nietzsche zugestimmt. Der ausgewiesene Nietzsche-Experte Helmut Heit ist derzeit Associate Professor für deutsche und europäische Philosophie an der Tongji Universität Shanghai. Überzeugt hat die Auswahlkommission insbesondere die von Helmut Heit angestrebte Profilentwicklung des Kollegs in den Bereichen Forschung, Internationalisierung und Öffentlichkeit. Der Auswahlkommission gehörten neben Stiftungspräsident Hellmut Seemann Birgit Recki (Universität Hamburg), Knut Nevermann (Berlin) und Martin Saar (Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main) an. 

Helmut Heit studierte Philosophie und Politik in Hannover, Melbourne und Berlin und wurde 2003 in Hannover mit der Arbeit »Der Ursprungsmythos der Vernunft. Zur Genealogie der griechischen Philosophie als Abgrenzung vom Mythos« promoviert. Bevor er nach Shanghai kam, arbeitete er an der Technischen Universität Berlin (2007–15), der Humboldt-Universität Berlin (2006–07), der University of California at San Diego (2005–06) und der Leibniz Universität Hannover (2003–06). Einladungen erhielt er unter anderem nach Pelotas, Brasilien (2014–15), und an das Institute for Advanced Study in Princeton (2012–13). 2014 war er Fellow in Residence am Kolleg Friedrich Nietzsche in Weimar. Seine systematischen Schwerpunkte liegen neben Nietzsche in den Bereichen Kulturphilosophie, Wissenschaftstheorie, Kritische Theorie, Sozialphilosophie sowie europäische Identität und Werte. Historisch stehen die deutsche Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts sowie die antike griechische Philosophie im Mittelpunkt seiner Arbeit.

Die Klassik Stiftung Weimar betreibt das Kolleg Friedrich Nietzsche seit 1999. Das Kolleg soll ein Ort des philosophischen Diskurses sein. Es veranstaltet internationale Tagungen zu wichtigen Themen der Moderne und der Gegenwart. Neben einem Stipendien-Programm für junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen steht das Distinguished-Fellow-Programm, das herausragende Intellektuelle zu ›Großen Vorlesungen‹ nach Weimar einlädt. Hellmut Seemann hob hervor: »Ich bin mir sicher, mit Helmut Heit die richtige Person für die Leitung des Kollegs gewonnen zu haben. Wir können auf die neue Ausrichtung des Kollegs und die Programme von Helmut Heit sehr gespannt sein. Sie werden den Diskurs um die Moderne in Weimar maßgeblich bereichern.« 

Haus Am Horn

Das Musterhaus »Am Horn«, entworfen vom Bauhausmeister Georg Muche und zur ersten großen Werkschau und Bauhaus-Ausstellung im Jahr 1923 mit der Unterstützung des Architekturbüros von Walter Gropius errichtet, zählt seit 1996 zum UNESCO-Welterbe. Das Haus, das aktuell im Eigentum der Stadt Weimar steht, wird künftig – vorbehaltlich eines positiven Stadtratsbeschlusses – von der Klassik Stiftung unterhalten und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Der Stiftungsrat hat der Zustiftung des Hauses Am Horn in das Immobilienvermögen der Stiftung zugestimmt und die Stiftung ermächtigt, zusammen mit der Stadt einen notariellen Vertrag über die Zustiftung auszuhandeln. Das Haus ist von großer Bedeutung für die Vermittlung des Bauhauses in seiner Weimarer Epoche. Mit Blick auf das Jubiläumsjahr 2019 konnte die Stiftung schon in den vergangenen drei Jahren im Rahmen einer Geschäftsbesorgung umfangreiche Baumaßnahmen am Haus Am Horn mit einem Gesamtvolumen von rund 550.000 Euro durchführen. Diese Maßnahmen wurden finanziert von Bund und Land im Rahmen der gemeinsamen Invest-Ost-Maßnahme. 

Für Rückfragen stehen Ihnen Timm Nikolaus Schulze (03643 545 700, timm.schulze@klassik-stiftung.de) und Franz Löbling (03643 545 113, franz.loebling@klassik-stiftung.de) gern zur Verfügung.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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