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Vom Deserteur zum »freien « Dichter


»Schillers Flucht aus Stuttgart und sein Aufenthalt in Bauerbach« ist das Thema der Ausstellung, die die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen ab 8. Mai im Schiller-Museum in Bauerbach zeigt. Mit historischen Landkarten, Stadtansichten und Dokumenten, Handschriften, Porträts und Illustrationen begleitet die Schau den jungen Regimentsarzt Friedrich Schiller das erste Stück auf seinem Weg zum freien Schriftsteller. Neben den Stationen seiner Reise ins Thüringer Asyl wird mit frühen Werkhandschriften, darunter Teile einer ursprünglichen Fassung der »Louise Millerin, sowie Stücken aus seinem persönlichen Besitz auch der Bauerbacher Alltag dokumentiert.
Der dreiundzwanzigjährige Autor der »Räuber« war am 22. September 1782 aus dem Württembergischen geflohen, nachdem ihm Herzog Carl Eugen bei Strafe von Festungshaft das Schreiben verboten hatte. Am 31. Oktober wurde Schiller von seinem Landesherrn zum Deserteur erklärt. Auf einer historischen Landkarte ist sein Fluchtweg markiert, der über Mannheim, Darmstadt, Worms und Meiningen in das reichsherrschaftliche Dorf Bauerbach führte, wo er unter dem Pseudonym eines Dr. Ritter im Gutshaus der Henriette von Wolzogen Asyl fand. Hier lebte er vom 7. Dezember 1782 bis zum 24. Juli 1783 »unbekannt und unerkannt« und widmete sich ganz seinen dichterischen Neigungen mit dem Anspruch, Literarisches zu schaffen, das »dem Urtheil der Welt« standhalten würde. In der Einsamkeit seiner »grillenhaften Zelle« entstanden die »Louise Millerin«, die er später »Kabale und Liebe« nannte, und erste Entwürfe für den »Don Carlos«. Mit der umfangreichen Literatur und den historischen Quellen, die er für seine Arbeit studieren wollte, versorgte ihn der Bibliothekar Reinwald aus dem nahegelegenen Meiningen. Reinwald, der darüber hinaus auch Schreibpapier, die gewünschte »Dinte« und »guten Schnupftobock« lieferte, gehörte zu den wenigen Eingeweihten und Vertrauten dieser Zeit. Als ein Angebot aus Mannheim Schiller die Gelegenheit bot, der isolierten Lebensweise den Rücken zu kehren zögerte er nicht. Die »Louise Millerin« im Gepäck verließ er am 24. Juli das Thüringer Exil. Zurück blieb u.a. eine offene Rechnung des Gastwirtes Debertshäuser an den Herrn von Ritter, die in der Ausstellung ebenfalls zu sehen ist.
Im Gutshaus der Wolzogens wurden die einst von Schiller bewohnten Räume schon früh zur Erinnerungsstätte. 1847 richtete Ludwig Friedrich von Wolzogen, ein Sohn Henriettes, Arbeits- und Schlafzimmer des Dichters als kleine private Gedenkstätte ein. Das blieb sie auch nach dem Verkauf des Hauses 1853. Seit 1905, dem Jahr des 100. Todestages Schillers, standen die früheren Räume Schillers Besuchern ständig offen. In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erwarb eine Nationalstiftung »Schiller in Bauerbach« das Haus und stattete auch die ehemaligen Wohnräume der Familie Wolzogen museal aus. Heute gehört das Schiller-Museum Bauerbach, dessen historische Räume weitgehend unverändert blieben, zur Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen. 1995 wurde es vollständig restauriert. Zuletzt war hier eine 1991 gestaltete Ausstellung zur Tradition des Schiller-Theaters und der Schiller-Feiern in Bauerbach zu sehen.
Die Ausstellung »Schillers Flucht aus Stuttgart und sein Aufenthalt in Bauerbach« wird am 7. Mai um 16 Uhr eröffnet.
Öffnungszeiten: vom 8. Mai bis 31. Oktober jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr; vom 1. November bis 31. Dezember von 11 bis 15 Uhr. Zum Todestag Schillers am 9. Mai ist das Haus von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Die erweiterten Öffnungszeiten in Bauerbach wurden dank einer zusätzlichen Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen des Schillerjahres möglich.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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