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»Von Leonardo fasziniert« – Ausstellung im Schiller-Museum zeigt den von Giuseppe Bossi und Goethe begonnenen Kulturtransfer zwischen Weimar und Mailand

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»Ein Mailänder, von der Natur begabt mit schönen Fähigkeiten«, schreibt Johann Wolfgang von Goethe über den Zeichner, Maler und Kunsttheoretiker Giuseppe Bossi (1777-1815) im Frühjahr 1818. Anlass seines Lobes ist eine Weimarer Ausstellung mit zahlreichen Arbeiten des norditalienischen Klassizisten, die Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach seit seiner Italienreise im Jahr zuvor systematisch angekauft hat. Herzstück der Schau: 71 Durchzeichnungen, die Bossi für seine wohl berühmteste Arbeit angefertigt hatte: die Kopie des »Abendmahls« von Leonardo da Vinci. Goethes Auseinandersetzung mit diesem Werk im Aufsatz »Joseph Bossi ueber Leonards Da Vinci Abendmahl zu Mailand« bezeugt nicht nur die persönliche Anteilnahme des Dichters an Bossis Arbeit; sie steht gleichzeitig am Beginn eines langanhaltenden wissenschaftlichen und künstlerischen Austauschs zwischen Weimar und Mailand, der, ebenso wie Giuseppe Bossi, heute weitgehend unbekannt ist.

Unter dem Titel »Von Leonardo fasziniert: Giuseppe Bossi und Goethe« präsentiert die Klassik Stiftung daher vom 26. August bis 13. November 2016 im Schiller-Museum ihre wissenschaftlich neu bearbeiteten Bossi-Bestände und zeichnet von ihnen ausgehend den äußerst fruchtbaren Kulturtransfer nach, der die thüringische Kulturmetropole mit Italien und insbesondere mit Mailand über das gesamte 19. Jahrhundert hinweg verband.

»Die Frauen schätzten ihn; so sehr, dass, sobald er einen Raum betrat, die Ehemänner knurrten wie argwöhnische Hunde.« Die sprichwörtliche Schönheit Giuseppe Bossis erinnerte, Zeitberichten zufolge, »an diejenige der römisch-hellenistische Antike«, jener Epoche, der sich der Mailänder Hauptvertreter des Klassizismus besonders verbunden fühlte. Seit 1801 Direktor der Brera-Akademie in Mailand galt Bossi ebenso als brillanter Künstler und Gelehrter wie als Frauenschwarm und Lebemann. Öffentlich begehrte er gegen Napoleons absolutistische Ideologien und dessen Plünderung von italienischen Museen auf. Nach seinem Rücktritt 1807 schützte ihn seine persönliche Freundschaft mit dem italienischen Vizekönig Eugène de Beauharnais, der Bossi zudem damit beauftragte, die Vorlage für ein maßstabsgetreues Mosaik von Leonardos »Abendmahl« anzufertigen. Die hierfür entstandenen Durchzeichnungen bilden den Kern der Ausstellung »Von Leonardo fasziniert«.

>> Mehr zur Verbindung Giuseppe Bossi, Leonardo da Vincis und Goethe finden Sie auf dem Blog der Klassik Stiftung

Von einer Erstausgabe des Goethe-Aufsatzes über Bossi weitet die Schau sodann den Blick auf den einsetzenden Kulturtransfer zwischen Weimar und Mailand. Wertvolle Bücher und Manuskripte aus Bossis Bibliothek, Kunstwerke und Medaillen gelangten insbesondere durch das goethezeitliche Netzwerk nach Weimar. Gleichzeitig fand ein reger Austausch von Künstlern und Wissenschaftlern statt. So sandte Carl August unter anderem 1826 den Maler Friedrich Preller d. Ä. als Stipendiaten nach Mailand und Rom, wo dieser ein Kunststudium absolvierte. Als Preller 1831 zurückkam, bemühte er sich, ab 1859 von Bonaventura Genelli unterstützt, in Weimar ein Zentrum der spätklassizistischen Kunst zu etablieren. Ausstellungstücke wie Prellers Landschaftsdarstellungen der Mailänder Umgebung illustrieren, wie stark und nachhaltig dieser Austausch die Kulturszene beider Städte beeinflusste. Klassizistische Impulse bereicherten die Weimarer Kunstszene bis zum Beginn des ersten Weltkriegs.

Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Castello Sforzesco, der Biblioteca Nazionale Braidense in Mailand sowie dem Berliner Istituto Italiano di Cultura statt.

Ausstellungsdaten
»Von Leonardo fasziniert: Giuseppe Bossi und Goethe «
Vom 26. August bis 13. November 2016
Schiller-Museum | Schillerstraße 12 ? 99423 Weimar

Öffnungszeiten
26. August bis 29. Oktober 2016 ? Di – So 9.30 – 18 Uhr
30. Oktober 2015 bis 13. November 2016 ? Di – So 9.30 – 16 Uhr

Eintritt
Ausstellung: Erw. 4,50 Euro | erm. 3,50 Euro | Schüler (16–20 J.) 1,50 Euro
Ausstellung und Schillers Wohnhaus: Erw. 7,50 Euro | erm. 6 Euro | Schüler (16–20 J.) 2,50 Euro
Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren erhalten freien Eintritt.

Führungen
jeden So | 11 Uhr
Erw. 3 Euro | erm. 1Euro (zzgl. Eintritt)

Kuratorenführungen mit Hermann Mildenberger und Serena Zanaboni
So | 9. Oktober, 16. Oktober, 6. November, 13. November | jeweils 11 Uhr
Erw. 3 Euro | erm. 1 Euro (zzgl. Eintritt)

»Von der Muse geküsst?« – Interaktive Familienführung mit Kunstpraxis
So | 11. September, 9. Oktober, 23. Oktober | jeweils 14 Uhr
Teilnahme kostenfrei (ab 16 Jahre zzgl. Eintritt)

Vortragsreihe
Di | 30. August | 18 Uhr
»Seine Schönheit erinnerte an diejenige der römisch-hellenischen Antike«: Giuseppe Bossi und die Erwerbungen von Carl August aus Mailand

Goethe-Nationalmuseum | Vortragssaal
Serena Zanaboni, Klassik Stiftung Weimar
Erw. 3 Euro | erm. 1 Euro

Mi | 26. Oktober | 18 Uhr
Mailand und die Folgen für das klassizistische Bild
Goethe-Nationalmuseum | Vortragssaal
Prof. Dr. Reinhard Wegner, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Erw. 3 Euro | erm. 1 Euro

Sa | 12. November | 14 Uhr
Goethe zwischen Leonardo und Bossi

Schiller-Museum
Prof. Dr. Hermann Mildenberger, Klassik Stiftung Weimar
Erw. 3 Euro | erm. 1 Euro

Ausstellungskatalog
»Von Leonardo fasziniert: Giuseppe Bossi und Goethe«
Hermann Mildenberger und Serena Zanaboni (Hrsg.)
Mit Beiträgen von Fernando Mazzocca, Francesca Tasso und Reinhard Wegner
284 Seiten | 167 farbige Abb.
Preis 38 Euro | Sandstein Verlag
ISBN 978-3-95498-242-4

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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