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Von »Schillers Helden« bis zum Ideenwettbewerb

Im Jubiläumsjahr wird die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen den Dichter als Dramatiker zeigen:
»Schillers Helden heute« stehen im Zentrum einer Jubiläumsschau, mit der die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen ab 9. Mai an den 200. Todestag Friedrich Schillers (1759 –1805) erinnern wird. Die Ausstellung im Weimarer Schiller-Museum thematisiert die Auseinandersetzung mit den großen Dramen des Dichters im Theater und in der Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts. Am Beispiel von sieben Bühnenwerken - »Die Räuber«, »Fiesko«, »Don Karlos«, »Wallenstein«, »Maria Stuart«, »Die Jungfrau von Orleans« und »Wilhelm Tell« – soll sowohl Schillers Reaktion auf die Zeitenwende um 1800 als auch die Deutung seiner Helden in einer nach neuen Orientierungen suchenden Gegenwart anschaulich werden.
Mit rund 650 Exponaten - Handschriften Schillers, zeitgenössischen Dokumenten und Bildern, Bühnendekorationen, Fotos, Videos und Filmausschnitten – wird die Ausstellung der Frage nachgehen, was die Dramenstoffe des Dichters, seine Helden und ihre Gegenspieler für jede Generation aufs neue aktuell macht. Jeweils ausgehend von der Entstehungsgeschichte der einzelnen Werke, Schillers Quellen und den Zeitereignissen werden Inszenierungen aufgegriffen, die das Stück konsequent im Kontext gegenwärtigen Geschehens zeigen: Hansgünther Heymes Kölner »Wallenstein«-Inszenierung von 1968/69 beispielsweise, die vor dem Hintergrund des Vietnam-Krieges entstand oder Claus Peymanns »Tell«. Zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution auf den Spielplan gesetzt, wurde die Zwingburg Uri unter dem Eindruck der politischen Entwicklungen des Jahres 1989 von der Bastille zur Mauer in Berlin. Andrea Breth sah 2004 in ihrem »Don Karlos« am Wiener Burgtheater in Philipp II. einen einsamen Bürokraten, der eingeschlossen in ein Labyrinth von trennenden Glaswänden kalt und beziehungslos an der Spitze einer im kafkaesken Sinne perfekt arbeitenden Behörde steht.
Die Ausstellung »Die Wahrheit hält Gericht – Schillers Helden heute« wird mit 250 000 Euro durch die Kulturstiftung des Bundes sowie mit 50 000 Euro vom Land Thüringen gefördert. Sie ist bis 10. Oktober in Weimar zu sehen und geht anschließend ins Schiller-Nationalmuseum nach Marbach. Im Gegenzug wird die Marbacher Jubiläumsschau »Götterpläne & Mäusegeschäfte« zu Leben und Werk Friedrich Schillers vom 30. Oktober bis zum 17. April 2006 im Weimarer Schiller-Museum gezeigt.

Einblicke in ein einzigartiges Zeugnis der Literaturgeschichte bietet eine Ausstellung zum Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe, die vom 12. bis 21. Mai im Goethe- und Schiller-Archiv zu sehen ist. Aus dem Fundus von 1015 überlieferten Briefen aus den Jahren 1794 bis 1805 bietet das Weimarer Archiv eine Auswahl von ca. 50 Autographen, die die Vielfalt des Austausches zwischen den beiden Dichtern vom literarischen Schaffen bis hin zum familiären Ereignis dokumentiert. Aufschlußreich ist vor allem die gegenseitige Anteilnahme am Werk des anderen. Fragen des eigenen künstlerischen Schaffens werden diskutiert, Manuskripte ausgetauscht und entstehende Dichtungen, darunter der »Wallenstein«, »WilhelmTell«, »Wilhelm Meisters Lehrjahre« und der »Faust« kritisch durchgesehen. Dem mehrfachen Drängen Schillers ist es beispielsweise zu verdanken, daß sich Goethe um 1797 zur Wiederaufnahme seiner Arbeit am »Faust« entschloß. Neben den originalen Briefen präsentiert die Ausstellung auch Werkmanuskripte und persönliche Dokumente.
Im Schiller-Museum in Bauerbach, wo der Dichter unter dem Pseudonym eines Dr. Ritter vom Dezember 1782 bis zum Juli 1783 im Gutshaus der Henriette von Wolzogen Asyl fand, wird die Stiftung ab Mai eine Sonderausstellung zur Flucht Schillers aus Stuttgart nach Bauerbach zeigen. Der Dreiundzwanzigjährige hatte Württemberg verlassen, nachdem ihm Herzog Carl Eugen bei Strafe von Festungshaft das Schreiben verbot. In Bauerbach entstanden u.a. »Kabale und Liebe« und erste Entwürfe zum »Don Karlos«.

... in wissenschaftlichen Tagungen kritisch befragen:
Mit Schillers Bedeutung als Dichter und Autor philosophischer, ästhetischer und historischer Schriften setzt sich die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen in drei wissenschaftlichen Tagungen auseinander. Um Buch, kulturelles Erbe und nationale Identität geht es vom 9. bis 11. März in einer Tagung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Unter Berufung auf Schiller - »Das ist nicht des Deutschen Größe /Obzusiegen mit dem Schwert« - soll der Frage nachgegangen werden, welche Rolle das deutsche Buch für die nationale Identität und die Bewahrung des kulturellen Erbes heute spielt.
Der unterschätzte Theoretiker Schiller steht vom 23. bis 25. Juni im Zentrum eines Symposiums, das in Zusammenarbeit mit der Universität Gesamthochschule Siegen vorbereitet wird. Vor dem Hintergrund aktueller kulturwissenschaftlicher Diskurse sollen die innovativen Beiträge Schillers zur Herausbildung einer modernen Kunstphilosophie und Ästhetik kritisch betrachtet werden.
Dem Gesamtwerk Schillers und der Leistung des Dichters im Hinblick auf poetische Theorie und Praxis gilt die Tagung »Der ganze Schiller« vom 21. bis 24. September. Die gemeinsam mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena veranstaltete Konferenz wird sich interdisziplinär den übergreifenden Grundlinien der literarischen Werke Schillers widmen.

... in Veranstaltungen, Gesprächsrunden und Lesungen zu Wort kommen lassen und feiern:
Die Jubiläumsschau »Die Wahrheit hält Gericht - Schillers Helden heute« wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm mit Podiumsdiskussionen zum Thema Schiller im Theater der Gegenwart, Vorträgen und Lesungen begleitet. Im Juni werden unter der Leitung des Theaterwissenschaftlers Henning Rischbieter, die Regisseure Hansgünther Heyme, Alexander Lang und Christoph Schroth über ihre Schiller-Inszenierungen debattieren. Gäste in einer Lese- und Vortragsreihe, die sich mit Schillers Auffassung vom Theater als moralischer Anstalt sowie dem Verhältnis von Ideal und Wirklichkeit auseinandersetzt, sind u.a. Alexander Lang, Hansgünther Heyme, der Dramaturg Hermann Beil und der Schriftsteller Rolf Hochhuth. Vorgesehen sind außerdem Lesungen von Philosophen und Autoren, Filmvorführungen sowie eine »Schiller-Nacht« mit Aufführungen und Lesungen.
Zur Spurensuche in den Werken Friedrich Schillers werden Schüler im Jubiläumsjahr aufgerufen. In einem Wettbewerb werden Erklärungen und Bilder zu Sprichwörter gesucht, die auf den Dichter zurückgehen. Ideen sind außerdem gefragt zu einem Post- und Reisespiel, das sich Schillers Sohn Ernst ausgedacht hat. Da die Spielregeln nicht überliefert sind, werden Vorschläge gesucht, wie man dieses Spiel heute spielen könnte. Die besten Einsendungen (Einsendeschluß: 20. April) werden vom 22. Juni bis 31. August im Schiller-Museum ausgestellt.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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