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Wahlverwandtschaften II – Klassik Stiftung Weimar zeigt Fotografien, Gemälde und Skulpturen aus den Neuen Sammlungen

Vom 18. Dezember 2009 bis zum 14. Februar 2010 zeigt die Klassik Stiftung ausgewählte Objekte aus ihrer Sammlung zeitgenössischer Kunst im Neuen Museum Weimar, darunter Arbeiten von Stephan Balkenhol, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Michael Morgner, Thomas Scheibitz, Carsten Nicolai, Heinz Trökes, aber auch von dem großen Thüringer Einzelgänger Kurt Streubel.

Unter dem Titel »Wahlverwandtschaften II« stellt die Ausstellung Gemälde und Skulpturen der letzten fünf Jahrzehnte vor, in denen sich die Auseinandersetzung mit konstruktiven oder strukturellen Denk- und Formprinzipien spiegelt. Zusätzlich zeigt sie Arbeiten, die romantische wie auch expressive Traditionen aufnehmen und in die heutige Zeit überführen. Ein besonderer Aspekt sind Werke der unmittelbaren Nachkriegszeit, in denen sich surreale Tendenzen mit dem Übergang zur Abstraktion verbinden. Verschiedene aktuelle Positionen in der Plastik dokumentieren den Versuch, traditionelles plastisches Gestalten auf individuelle Weise zu überwinden.

Der Rundgang durch das Obergeschoss des Neuen Museums beginnt mit einem Anselm Kiefer und Michael Morgner gewidmeten Raum, in dessen Zentrum Kiefers großformatige Arbeit »Auszug aus Ägypten« (1982/83) aus der Sammlung Paul Maenz steht.  Der materiale Aufbau des Bildes aus pastos geschichteter Farbe, die mit Strohhalmen durchsetzt ist, die kompakten Farbklumpen und die Fleckigkeit der Malerei geben dem Bild den Charakter eines Stücks aufgewühlter Erde. Michael Morgners großformatiges vierteiliges »Deutsches Requiem« aus dem Jahre 1988 thematisiert die Unterdrückung und Verfolgung Andersdenkender zur Zeit des Nationalsozialismus.
Auf dem schmalen Grat zwischen Abstraktion und Figuration bewegen sich die Gemälde »GP 49« und »GP 42« von Thomas Scheibitz aus dem Jahr 2003. Scheibitz, der 2005 gemeinsam mit Tino Sehgal den deutschen Pavillon der 51. Biennale in Venedig gestaltete, sammelt als Grundlage seiner Arbeit Ausschnitte aus Zeitschriften, Fotos und sonstige Materialien, die er wie einen Ideenfundus für seine Bilder nutzt.
Stephan Balkenhol kehrte als einer der ersten Bildhauer zu Beginn der achtziger Jahre zur figürlichen Plastik zurück und favorisierte das zu jener Zeit traditionell erscheinende künstlerische Ausdrucksmittel der in Holz gehauenen Skulptur. »Wahlverwandtschaften II« zeigt zwei Torsi von 1998, aus einem Baumstamm geschlagen, die sowohl durch ihre Nacktheit wie auch durch die Unvollständigkeit einer der beiden weiblichen Figuren eine Besonderheit in Balkenhols Werk darstellen. Sie sind Ausdruck einer intensiven Auseinandersetzung des Künstlers mit der Kunstgeschichte, in der der Torso seit Auguste Rodin als autonomes Motiv verwendet wird. Während die eine Figur mit der differenzierenden Oberflächenbehandlung und der farbigen Gestaltung so detailreich ausgearbeitet ist, wie man es von Balkenhol-Figuren kennt, dominiert bei der zweiten das Non-finito, die beabsichtigte Nicht-Fertigstellung des künstlerischen Werks mit noch unbearbeiteten Partien.

Herausragende kleinformatige Bilder von Heinz Trökes und Kurt Streubel, die Ende der vierziger, Anfang der 1950er Jahre entstanden, zeigen auf eindrucksvolle Weise die Auseinandersetzung mit Kriegserfahrungen und das Beharren auf individuelle Ausdrucksformen vor dem Hintergrund der Formalismus-Diskussion in der DDR. Die Klassik Stiftung konnte in diesem Zusammenhang eines der seltenen Gemälde von Kurt Streubel aus dem Jahre 1950 ankaufen, das nun erstmals präsentiert wird und den bereits vorhandenen Bestand vorzüglich erweitert. Darüber hinaus wird in diesem Kontext auch eine der seltenen Standstein-Plastiken von Gerhard Marcks aus dem Jahre 1938 vorgestellt, die die Stiftung anläßlich des Bauhausjahres 2009 als Schenkung erhielt.

Bitte beachten Sie: Morgen, Freitag, 18. Dezember 2009, 11 Uhr, besteht die Möglichkeit in Anwesenheit der Kuratorin, Frau Dr. Ulrike Bestgen, in der Ausstellung zu fotografieren/filmen.

Folgendes Bildmaterial stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung:
- Stephan Balkenhol: Diptychon, 1998, Buche, farbig gefaßt, Leihgabe aus Privatbesitz
- Anselm Kiefer: Auszug aus Ägypten, 1982/83, Mischtechnik auf Leinwand, Sammlung Paul Maenz
- Thomas Scheibitz: GP 42, 2003, Lack, Vinyl, Gouache, Spray, Pigmentmarker auf Leinwand, Leihgabe aus Privatbesitz


Ausstellungsdaten
Wahlverwandtschaften II
Gemälde und Skulpturen aus den Neuen Sammlungen
18. Dezember 2009 bis 14. Februar 2010
Neues Museum Weimar
Weimarplatz 5 | 99423 Weimar
Eintritt: Erw. 3,50 €/erm. 2,50 €/Schüler 16–20 Jahre 1 €
Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren haben freien Eintritt

Besucherinformation
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Für weitere Informationen steht Ihnen  Saskia Helin (03643 | 545-113 und 0172 | 79 999 59) zur Verfügung

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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