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Wiederaufbau in Weimar

Mit einer komplizierten Anhebung des Rokokosaales beginnt in Weimar elf Monate nach der Brandkatastrophe der Wiederaufbau der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. In dem durch Feuer und Wasser schwer gezeichneten Saal, der vor dem Unglück mit seinen Büchergalerien und zahlreichen Kunstwerken zu den schönsten Bibliotheksräumen in Mitteleuropa zählte, müssen tragende Balken durch Stahlträger ersetzt werden. Die gesamte Saalkonstruktion einschließlich der Holzeinbauten wird dabei in insgesamt sieben Achsen jeweils um mehrere Millimeter angehoben. Die Last der zeitweise frei schwebenden Abschnitte hängt an einer im Dachbereich installierten Trägerkonstruktion. Die komplizierte Aktion wird mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Voraussichtlich parallel dazu starten in der zweiten Septemberhälfte die Arbeiten für den neuen Dachstuhl. Bereits zum Geburtstag Anna Amalias am 24. Oktober dieses Jahres will die Klassik Stiftung Weimar hier Richtfest feiern. 2007, im Jahr des 200. Todestages der Herzogin, soll die Bibliothek wiedereröffnet werden.
Das 1565 als fürstliches Wohnhaus errichtete und im 18. Jahrhundert für Bibliothekszwecke umgebaute Gebäude stand kurz vor der Restaurierung, als es durch den Brand im September 2004 zusätzlich schwer beschädigt wurde. Das Dachgeschoß und die zweite Galerie des Rokokosaales mit rund 50 000 Büchern aus der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert sowie 35 Gemälden sind vollständig verbrannt. Mit der Sanierung, für die rund 12 Millionen Euro notwendig sind, wird der historische Bau als ein Zentrum für das alte Buch wiedererstehen. Neben dem Rokokosaal und dem Bücherturm, die dann zur Besichtigung einladen, wird der Renaissancesaal im Erdgeschoß für Ausstellungen aus der Schatzkammer der Bibliothek zur Verfügung stehen. Die den Flammen zum Opfer gefallene zweite Galerie des Rokokosaales soll nicht in der alten Form wiederhergestellt werden, sondern einen Sonderlesesaal für das Studium von Handschriften, Inkunabeln, Landkarten und besonders wertvollen Sammlungen aufnehmen.
Die in der Brandnacht geretteten historischen Bestände werden an ihren angestammten Platz im alten Haus zurückkehren. Von den 62 000 vom Feuer und Löschwasser stark beschädigten Büchern sind nach derzeitigen Schätzungen ca. 40 000 restaurierbar. Für die restlichen schwer brandgeschädigten Bände wird noch nach geeigneten Technologien für die weitere Behandlung gesucht. Sie sollen so weit wie möglich digitalisiert werden. Bisher sind 33 000 Bände nach der Erstversorgung und Gefriertrocknung im Leipziger Zentrum für Bucherhaltung wieder nach Weimar zurückgekehrt. Die exakte Schadensermittlung, die für jedes einzelne Buch erforderlich ist, hat im Juli begonnen und wird voraussichtlich bis Ende 2006 dauern. Die ersten rund 5 500 gefriergetrockneten Bände, die nur geringfügige Beschädigungen erlitten, befinden sich inzwischen wieder im normalen Bestand.
Für die Restaurierung und Wiederherstellung ihrer Bestände rechnet die Herzogin Anna Amalia Bibliothek mit einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten und Kosten in Höhe von 67 Millionen Euro. Die Spenden, die seit September 2004 vorrangig für die Restaurierung der Bücher eingegangen sind, belaufen sich inzwischen auf knapp zehn Millionen Euro. Die Mittel für die Sanierung des historischen Bibliotheksgebäudes werden zum größten Teil vom Bund und dem Land Thüringen bereitgestellt. 1,4 Millionen Euro für die Rekonstruktion des Rokokosaales kommen von der Allianz-Kulturstiftung.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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