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Wiedereröffnung der Weimarer Fürstengruft nach musealer Neugestaltung des Kapellenraumes

Zum 1. Februar 2011 wird die Fürstengruft, Grablege des Hauses Sachsen-Weimar und Eisenach, nach musealer Neugestaltung des Kapellenraumes wieder für den Besucherverkehr geöffnet. Ein Höhepunkt ist die Präsentation der großformatigen Bibel, die 1865 von der preußischen Königin Augusta für die Fürstengruft gestiftet und erst kürzlich von Mitarbeitern der Herzogin Anna Amalia Bibliothek identifiziert wurde.

Die Weimarer Fürstengruft ist ein Hauptwerk klassizistischer Architektur in Thüringen. Sie ist keine gewöhnliche Begräbnisstätte einer Fürstenfamilie, denn seit 1832 stehen die Sarkophage der beiden großen Dichterpersönlichkeiten der Weimarer Klassik, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller, neben den Särgen von Mitgliedern der Herzogsfamilie im Gruftgewölbe. Dies hatte zur Folge, dass sich die Fürstengruft, obwohl hier bis 1905 Beisetzungen erfolgten, bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem frühen Verehrungsort für die Dichter entwickelte.

Als Kapellenraum wird die obere Halle des zweietagigen Gebäudes bezeichnet. Noch vor der Fertigstellung des Sakralraumes hatte der Herzog verfügt, dass auch Weimarer Bürger diesen Ort für Begräbnisfeiern nutzen können sollen. Die Ausstattung der Frühzeit war schlicht. Die Wände besaßen nur einen Kalkfarbenanstrich. Es befanden sich nur wenige Ausstattungsstücke in dem Gebäude, u.a. der Altar in Form eines mit einem schwarzen Tuch verkleideten Holzgestells, ein Holz-Kruzifix mit Sockel, zwei geschnitzte bronzierte Kandelaber sowie ein kleines Pult mit Bibel und Agenda. Von 1862 bis 1865 wurde der Raum durch Neugestaltungen im Geschmack des Historismus erheblich verändert. Anlass dafür war die Vollendung der reich ausgeschmückten russisch-orthodoxen Kapelle. Finanziert wurden die Neugestaltungen durch die preußische Königin Augusta, Schwester des regierenden Großherzogs Carl Alexander. Zu den Stiftungen Augustas gehörten die üppige Ausmalung, u.a. mit neoklassizistischen Elementen, der reich intarsierte Steinfußboden, die korinthischen Stuckkapitelle an den Pfeilern und Pilastern, das metallene Schmuckgitter um die ovale Bodenöffnung als Ersatz für die hölzerne Absperrung sowie die Malereien in den Schildbögen und Zwickeln unter der Kuppel sowie eine Fülle von Einrichtungsgegenständen sakralen Charakters. Das Gros dieser Ausstattung und Ausgestaltung ging verloren, als in den Jahren von 1949 bis 1955 der Kapellenraum säkularisiert und die Fürstengruft in eine Dichtergedenkstätte umgewandelt wurde. Die aktuelle museale Neugestaltung knüpft an die Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen von 1993/94 an. Damals wurde die Umwidmung der Fürstengruft rückgängig gemacht und im Kapellenraum die Raumfassung der Augusta-Zeit wiederhergestellt.

Ab 1. Februar 2011 werden den Besuchern die wenigen erhaltenen, von Augusta gestifteten, bisher größtenteils nicht gezeigten Inventarstücke präsentiert. An der Südwand stehen zwei der ursprünglich zehn tönernen Kandelaber. Vor der Westwand befindet sich eine von ursprünglich vier eichenholzfarbig lackierten Kirchenbänken mit Engelsköpfen, zwei ähnlich gestaltete Armlehnsessel rahmen sie ein. Als besondere Neuerung stellt die Präsentation der großformatigen Bibel in der Altarvitrine dar. Im Frühjahr 2010 identifizierten Mitarbeiter der Herzogin Anna Amalia Bibliothek die von Königin Augusta für die Fürstengruft gestiftete Heilige Schrift. Diese war 1861 im Verlag Julius Bädeker in Elberfeld/Iserlohn erschienen. Ihr Einband ist aufwendig gestaltet. Das Leder zieren eine Rahmen-Blindprägung und ein goldenes Kreuz auf dem vorderen Buchdeckel. Messingbeschläge schützen und dekorieren die Ecken. Zwei Schließen halten den Buchblock mit Dreiseitengoldschnitt zusammen. Die Bibel enthält die handschriftliche Widmung „Für den Altar der Fürstengruft zu Weimar, wo die Meinen ruhen in Gott … Januar 1865“. Darunter schrieb Augusta verschiedene Bibelsprüche. Weitere Einträge wurden von anderer Hand hinzugefügt. Aus konservatorischen Gründen kann die „Augusta-Bibel“ nicht im Original im Kapellenraum präsentiert werden. Gezeigt wird ein antiquarisch erworbenes Exemplar aus der gleichen Auflage. Teil der musealen Neugestaltung sind weiterhin die Errichtung eines neuen, servicefreundlichen Kassenhäuschens und die Überarbeitung der Lichtgestaltung sowie der Dokumentation zur Geschichte.

Partner der Klassik Stiftung für Planung, Bauleitung und grafische Gestaltung war das Architekturbüro Albrecht von Kirchbach/Innenarchitektur + Design aus Erfurt.

Für weitere Informationen stehen Ihnen Silke Oldenburg (03643 | 545-104) und Timm Schulze (03643 | 545-113 und 0172 | 79 999 59) zur Verfügung.

Öffnungszeiten 2011
Februar – März: Mo-So 10-16 Uhr
April – September: Mo-So 10-18 Uhr
Oktober – Dezember: Mo-So 10-16 Uhr

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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