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Wielands Ort


Das Wielandgut in Oßmannstedt bei Weimar öffnet am kommenden Wochen-ende nach zweijähriger grundlegender Sanierung wieder seine Pforten. Durch die Unterstützung des Hamburger Wielandforschers Jan Philipp Reemtsma sowie des Freundeskreises des Goethe-Nationalmuseums hat Christoph Martin Wieland (1733-1813) im Ensemble der Museen der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen hier wieder seinen Ort gefunden. In den nach originalen Befunden rekonstruierten Wohnäumen des Gutshauses wurde ein Museum eingerichtet, das an den Dichter, Übersetzer und Herausgeber als eine der facettenreichsten Persönlichkeiten der deutschen Geistesgeschichte erinnert. Neben Möbeln und Interieur aus Wielands Besitz, darunter sein Schreibsekretär, illustrieren Dokumente, Bücher, Plastiken, Gemälde und Graphiken sein literarisches und publizistisches Schaffen. Hier lebte er sechs Jahre als »poetischer Landjunker« und empfing seine zahlreichen Gäste. Über ein audiovisuelles Leitsystem können die heutigen Besucher eine mediale Reise durch Wielands Biografie und sein Werk antreten und differenzierte Informationen auch zu den gezeigten Exponaten aufrufen. Ein »Digitales Oßmantinum« bietet darüber hinaus vertiefende Informationen.
In unmittelbarer Nachbarschaft des Museums beherbergt das Wielandgut künftig eine Bildungsstätte, die literarische, philosophische und historische Themen vermitteln wird. Eine Wieland-Forschungsstelle wird hier außerdem in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Manger in den kommenden Jahren eine historisch-kritische Ausgabe der Werke Christoph Martin Wielands erarbeiten.
Für die Renovierung des Wielandgutes als eines nach den Worten von Jan Philipp Reemtsma symbolischen Ortes der deutschen Spätaufklärung wurden rund 1,5 Millionen Euro aufgewendet. 735 000 Euro davon steuerten die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und der Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums bei. 665 000 Euro kamen über das Förderprogramm des Bundes »Kultur in den neuen Ländern«. Für die museale Einrichtung und die Wiederherstellung des Rosengartens wurden zusätzlich 300 000 Euro eingesetzt. An der Gesamtfinanzierung von 1,8 Millionen Euro ist das EU-Förderprojekt HERMES einschließlich Projektmittel des Bundes und des Landes mit 300 000 Euro beteiligt. Stiftungspräsident Hellmut Seemann dankt allen Förderern für ihre Unterstützung. Durch die Initiative von Jan Philipp Reemtsma und des Freundeskreises des Goethe-Nationalmuseums sei im Jahr 2000 ein Stein ins Wasser geworfen worden, der Kreise gezogen habe. Die Stiftung hätte das Gut in Oßmannstedt, das schon Wieland nicht zuletzt wegen finanzieller Schwierigkeiten 1803 wieder verließ, keine Zukunft geben können. Für den Abschluß der Arbeiten am Gebäude und die Wiederherstellung des Gartens mit seinen Anlagen werden noch einmal rund 250 000 Euro gebraucht.
Das Gut in Oßmannstedt, von Wieland in Anlehnung an Horaz` Sabinum auch sein Osmantinum genannt, erwarb der Dreiundsechzigjährige im März 1797 für 22 000 Taler. Hier wollte er »von aller Abhänglichkeit frei« und ganz sein eigener Herr sein, um sich in Ruhe selbstgewählten Arbeiten widmen zu können. Während seines sechsjährigen Aufenthaltes wurde der Ort ein Anziehungspunkt für Gäste aus ganz Deutschland. Goethe und die Herzogin Anna Amalia, das Ehepaar Herder, Wielands Jugendliebe Sophie von La Roche mit ihrer Enkelin Sophie Brentano, deren Bruder Clemens Brentano, Jean Paul, der Verleger Göschen, Johann Gottfried Seume, Heinrich von Kleist und viele andere besuchten den berühmten Mann, der hier im Kreis seiner großen Familie lebte. Die Grabstätte am Ufer der Ilm im Oßmannstedter Park, wo Wieland seinem Wunsch entsprechend neben seiner Frau und Sophie Brentano beigesetzt wurde, bezeichnete Arno Schmidt als »eines unserer Nationalheiligtümer, nach dem jeder einmal im Leben wallfahrten sollte...«. Sie konnte – dank der Hilfe Jan Philipp Reemtsmas und des Freundeskreises des Goethe-Nationalmuseums – bereits vor vier Jahren saniert werden.
(Weitere Informationen unter: www.wielandgut-ossmannstedt.de)

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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