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Wissenschaftliche Bibliothekare im Nationalsozialismus – Tagung in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek untersucht Handlungsspielräume, Kontinuitäten und Deutungsmuster

Vom 7. bis 9. Dezember veranstaltet der Wolfenbütteler Arbeitskreis für Bibliotheks-, Buch- und Mediengeschichte in Kooperation mit der Herzogin Anna Amalia Bibliothek der Klassik Stiftung Weimar eine Tagung zur Rolle wissenschaflicher Bibliothekare im Nationalsozialismus. In einem öffentlichen Abendvortrag spricht Prof. Dr. Jürgen Elvert am Dienstag, 8. November 2009, 19 Uhr, im Neuen Studienzentrum über Rolle der »Biographie in der heutigen Geschichtswissenschaft«.

Seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts konnten verschiedene Studien den Einfluss des Nationalsozialismus auf die Bibliotheken und die persönliche Verstrickung prominenter Bibliothekare in das Unrechtssystem belegen. Die Tagung möchte diese und neuere Erkenntnisse nutzen und das Verhalten einzelner leitender Persönlichkeiten des wissenschaftlichen Bibliothekswesens beleuchten. Die unterschiedlichen Denk- und Handlungsräume von Bibliothekaren, die dem Regime kritisch oder als unpolitische Mitläufer gegenüberstanden, sind noch nicht ausreichend untersucht. Die Tagung verfolgt einen historisch-biographische Ansatz und stellt Bibliothekare in den Vordergrund, die ihre Karriere nach 1945 fortsetzen konnten. Folgende Fragen möchte die Tagung berücksichtigen: Welche Handlungsspielräume konnten Bibliothekare in der Zeit des Nationalsozialismus ausnutzen? Welche intellektuellen und wissenschaftlichen Voraussetzungen haben ihnen eine Abgrenzung zum nationalsozialistischen Wissenschaftssystem ermöglicht? Haben sie das neue Regime als kategorialen Bruch zu ihrem eigenen Wert- und Ordnungssystem verstanden? Lässt sich aus ihrem Handeln eine Übereinstimmung mit oder Abweichung zu dem bibliothekarischen Berufsbild erkennen, wie es zuletzt 1933 von Milkau formuliert wurde? Was haben diese Bibliothekare anders gemacht als ihre der NS-Ideologie hörigen Kollegen? Oder haben sie nur geschickt den Entnazifizierungsprozess überstanden? Wie deuten die Betreffenden ihre eigene Biographie? Die Beschäftigung mit dem Verhalten einzelner Vertreter der Berufsgruppe mündet in die bibliothekarische Berufsethik und die stets aktuelle Frage: Welchen Normen und Werten sehen sich Bibliothekare verpflichtet?


Veranstaltungsdaten

Wissenschaftliche Bibliothekare in der Zeit des Nationalsozialismus – Handlungsspielräume, Kontinuitäten, Deutungsmuster
Eine Tagung des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Bibliotheks-, Buch- und Mediengeschichte in Kooperation mit der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Tagungsleitung: Dr. Michael Knoche, Weimar und Prof. Dr. Wolfgang Schmitz, Köln
Tagungsort: Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Platz der Demokratie 4 | 99423 Weimar

Abendvortrag
Die Biographie in der heutigen Geschichtswissenschaft
Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Elvert, Köln
Dienstag, 8. Dezember 2009 | 19 Uhr
Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Platz der Demokratie 4 | 99423 Weimar
Eintritt frei

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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