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Zum Archiv-Jubiläum zu sehen: Max Klingers Nietzsche-Portraits

Mit der Ausstellung »Klingers Nietzsche« erinnert die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen ab 15. Oktober im Nietzsche-Archiv an die Wiedereröffnung des neu gestalteten Hauses vor 100 Jahren. In Henry van de Veldes »neuem Stil« präsentierte sich die Villa drei Jahre nach dem Tod des Philosophen damals als ein Ort kulturell-ästhetischen Aufbruchs im »neuen Weimar«. Hier versammelten sich neben Harry Graf Kessler, Henry van de Velde und Hans Olde zahlreiche Künstler und Schriftsteller der Zeit; von hier gingen Impulse für ein »produktives, modernes Leben« aus, die weit über die Stadt hinaus wirken sollten. Der Kunstmäzen Graf Kessler hatte Elisabeth Förster-Nietzsche, Schwester und Nachlaßverwalterin des Philosophen, für diese Idee des Aufbruchs und den Umbau der Archivräume gewinnen können. Er war es auch, der dem Leipziger Bildhauer Max Klinger den Auftrag für eine Portraitherme Nietzsches für das Archiv erteilte. Aufgestellt wurde das monumentale Bildnis, wie es der heutige Besucher kennt, jedoch erst 1905. Zur feierlichen Eröffnung des Archivs enthüllte man ein Provisorium.
Die Kabinettausstellung im Nietzsche-Archiv stellt alle Nietzsche-Bildnisse des Leipziger Künstlers, die auch einen inszenierten Wandel in der Sicht auf den Philosophen deutlich werden lassen, erstmals nebeneinander. Wichtigstes Gegenstück zur Archivherme von 1905 ist dabei eine frühe Bronzebüste Nietzsches, die bis vor vier Jahren als verschollen galt und sich heute in Privatbesitz befindet. Klinger hatte diese Büste 1902 nach der Totenmaske und nach Fotografien des kranken Philosophen geschaffen. Die naturalistische, expressive Arbeit entsprach jedoch nicht den Erwartungen an ein machtvolles Portrait, wie sie in dem Auftrag Kesslers an Klinger formuliert wurden. Erst die geforderte Anlehnung an den griechisch-antiken Hermentypus machte das Monument tauglich für eine Nietzsche-Verehrung, die kultische Züge annahm. Noch nach der Aufstellung der idealisierten Herme im Oktober 1905 meldete Elisabeth Förster-Nietzsche bei Klinger Korrekturwünsche an, um jeden Verdacht einer paralytischen Erkrankung ihres Bruders zu zerstreuen.
Insgesamt dokumentieren in der Weimarer Ausstellung neben den plastischen Darstellungen rund 50 Exponate – darunter Nietzsches Totenmaske, Originalfotografien, Archivalien, Bücher und Zeitschriften - die kunsthistorische und wirkungsästhetische Bedeutung von Max Klingers Nietzsche-Portraits. Außer der Archivherme und der frühen Bronzebüste werden auch zeitgenössische Bronzeabgüsse für den Handel sowie die fotografische Reproduktion einer zweiten, monumentalisierten Büste gezeigt, mit der der Alfred Kröner Verlag 1914 für seine Nietzsche-Ausgaben warb. Das über zwei Tonnen schwere Original steht seit März 1993 im Südflügel des Weimarer Stadtschlosses.
Die Ausstellung »Klingers Nietzsche« wird am 15. Oktober, 17 Uhr, eröffnet.
Sie ist bis 29. November täglich außer montags von 13 bis 18 Uhr, ab 1. November
bis 16 Uhr, zu besichtigen.
Bitte beachten: Ein Pressetermin mit den Kuratoren der Ausstellung Hansdieter Erbsmehl (Berlin) und Conny Dietrich (Leipzig) findet am 15. Oktober, 11 Uhr, im Nietzsche-Archiv, statt.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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