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»Zweiheit im Einklang. Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe« – Klassik Stiftung Weimar zeigt ausgewählte Dokumente des literarischen Austausches Goethes und Schillers im Renaissancesaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Anlässlich des 250. Geburtstages Schillers präsentiert die Klassik Stiftung Weimar vom 18. September 2009 bis zum 17. Januar 2010 im Renaissancesaal des Historischen Gebäudes der Herzogin Anna Amalia Bibliothek die Ausstellung »Zweiheit im Einklang. Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe«. Die Auswahl einzelner Briefe und Gegenbriefe zeigt, wie intensiv sich die über elf Jahre währende Zusammenarbeit zwischen Schiller und Goethe gestaltete. Die Ausstellung bietet Einblicke in den kreativen Wettstreit zweier Dichter, die sich in fortlaufender Anregung und Kritik in ihrem literarischen Schaffen wechselseitig beförderten und stellt Erstdrucke ihrer Werke sowie Bildnisse, graphische Blätter und historische Schreibzeuge aus den Beständen der Stiftung vor.

Mit Schillers schriftlicher Einladung an Goethe zur Mitarbeit an der Zeitschrift »Die Horen« setzte im Juni 1794 der bis zu Schillers Tod 1805 geführte Briefwechsel ein. Die 1015 überlieferten, mit wenigen Ausnahmen im Goethe- und Schiller-Archiv aufbewahrten Briefe und Billetts dokumentieren auf einzigartige Weise den freundschaftlichen Dialog zweier unterschiedlicher poetischer und philosophischer Charaktere. Goethe selbst setzte seinem Arbeits- und Freundschaftsbündnis mit Schiller mit der Herausgabe der Korrespondenz ein Denkmal. Seit Mai 1823 beschäftigte er sich mit den Briefen seines Freundes, die er als „den größten Schatz, den ich vielleicht besitze“ bezeichnete. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Verleger Cotta und den Erben Schillers veröffentlichte er 1828/29 den geringfügig gekürzten Briefwechsel. Er hat bis heute zahlreiche Auflagen erfahren und zählt zu den aufschlussreichsten Zeugnissen der Weimarer Klassik. Die Originalhandschriften wurden 1885 durch Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar und Eisenach für das von ihr gegründete Goethe-Archiv in Weimar erworben, das 1889 zum Goethe- und Schiller-Archiv erweitert wurde und das älteste deutsche Literaturarchiv ist.

Die Ausstellung führt in fünfzehn Schritten von den schwierigen Anfängen des Dichterbündnisses bis zur Editionsgeschichte der Korrespondenz. Der Briefwechsel begann auf Anregung von Schiller, seine posthume Würdigung hingegen ist das Verdienst Goethes. Schiller ermunterte Goethe nicht nur nachdrücklich zur Fortsetzung des »Faust«, sondern war ihm auch ein wichtiger Gesprächspartner während seiner Arbeit am Roman »Wilhelm Meisters Lehrjahre«. Im Gegenzug begleitete Goethe mit großem Interesse die Entstehung von Schillers Dramen »Wallenstein« und »Wilhelm Tell«. Als Leiter des Weimarer Hoftheaters brachte er die Stücke unmittelbar nach ihrer Fertigstellung zur Uraufführung.

In Schiller fand Goethe zudem seinen bevorzugten Gesprächspartner in den mit Leidenschaft geführten kunstästhetischen Debatten. Nicht weniger kam ihm Schillers ausgeprägt analytisches Denken bei der methodologischen Klärung naturwissenschaftlicher Probleme zugute. Umgekehrt führte Goethe Schillers spekulativen Geist näher an die Anschauung der Objekte heran, etwa bei der Beobachtung von Naturphänomenen. Im Zuge ihrer Diskussionen entstanden gemeinsame Aufzeichnungen und Schemata zur Farbenlehre und zum Problem des Dilettantismus, durch die das literarische Schaffen beider nachhaltig geprägt wurde. So sorgsam die Dichter auf ihre Autorschaft achteten, so wichtig war es ihnen, bei dem Projekt der »Xenien« mit einer Stimme aufzutreten. Die in Schillers »Musen-Almanach« für das Jahr 1797 veröffentlichten Epigramme sind eine kritisch-satirische Abrechnung mit den Intellektuellen ihrer Zeit und entsprechend heftig fiel der Widerstand in der literarischen Öffentlichkeit aus. An den Erfolg des Skandals um die »Xenien« anknüpfend, widmeten sich Schiller und Goethe im ‚Balladenjahr’ 1797 einem Genre, das zum Kernbestand der Weimarer Klassik werden sollte.

Begleitend zur Ausstellung veranstaltet die Klassik Stiftung Weimar unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Oellers vom 1. bis 3. Oktober 2009 ein Kolloquium zum Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe. Die Schau wird gefördert  durch die Freundesgesellschaft des Goethe- und Schiller-Archivs. Die Produktion des Katalogs zur Ausstellung wurde durch den Weimarer Schillerverein großzügig unterstützt.

Weitere Höhepunkte im Schiller-Jahr 2009
Die Ausstellung »Zweiheit im Einklang. Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe« ist Teil des umfangreichen Programms der Klassik Stiftung Weimar zum 250. Geburtstag Schillers. Zu den noch verbleibenden Höhepunkten zählen u.a. Ausstellungen, Vortragsreihen und Tagungen. Zudem bietet das Studiolo, die Werkstatt für Klein und Groß in Schillers Wohnhaus, ein kreatives Programm für Kinder.

Am Mittwoch, 23. September, 18 Uhr, eröffnet „Schillers Schädel – Physiognomie einer fixen Idee“. Die Ausstellung, die vom 24. September 2009 bis zum 31. Januar 2010 im Schiller-Museum stattfindet, zieht ein Resümee der Schiller-Schädel-Forschung und beleuchtet die Rolle Schillers, die er als idealisierter Nationaldichter und -Held vor allem im 19. Jahrhundert gespielt hat. Am Vorabend zu Schillers 250. Geburtstag, Montag, 9. November 2009, 18.30 Uhr, stellt die Klassik Stiftung eine das Thema der Ausstellung vertiefende Publikation vor. Das reich bebilderte Buch erzählt die Geschichte der über zwei Jahrhunderte andauernden Faszination, die von Schillers Schädel ausging. Zahlreiche Exkurse öffnen den Horizont über die in der Ausstellung behandelten Materialien und Themen hinaus auf ihre kulturgeschichtlichen Kontexte.

Mit einer Kranzniederlegung vor dem Goethe-Schiller-Denkmal auf dem Weimarer Theaterplatz erinnert die Klassik Stiftung gemeinsam mit Schülern des Friedrich-Schiller-Gymnasiums am 10. November 2009, 10 Uhr, an den Geburtstag des Dichters.

Am 15. November laden der Freundeskreis Kulturstadt Europas 1999 e.V. und die Klassik Stiftung in Kooperation mit der Kondrad-Adenauer-Stiftung/Bildungswerk Erfurt, dem Lesezeichen e.V. und dem Musikgymnasium Belvedere zum Symposium »Die Macht der Muse: Ästhetische Erziehung – Luxus oder Notwendigkeit?« ins Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek ein. Teilnehmer aus Kulturpolitik, Neurobiologie, Pädagogik und Wirtschaft diskutieren die Rolle der ästhtischen Erziehung für die Bildung einer autonomen Persönlichkeit.

Der Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums e.V., die Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek e.V., die Freundesgesellschaft des Goethe- und Schiller-Archivs e.V. sowie die Freunde des Liebhabertheaters Schloss Kochberg e.V. laden zu zahlreichen Vorträgen, Lesungen, Konzerten und Theater in die Häuser der Stiftung ein.

Das komplette Veranstaltungsprogramm zum Schiller-Jahr 2009 ist unter www.schillergeburtstag.de abrufbar.


Ausstellungsdaten
Zweiheit im Einklang. Der Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller
18. September 2009 bis 17. Januar 2010
Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 17. September | 19 Uhr, Studienzentrum
Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Historisches Gebäude, Renaissancesaal
Platz der Demokratie 1 / 99423 Weimar
Di-So 9.30-17 Uhr
Eintritt Frei

Katalogdaten
Zweiheit im Einklang. Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe
Von Silke Henke und Alexander Rosenbaum
72 Seiten mit 56 Abbildungen
ISBN 978-3-7443-0146-6, 7,90 Euro

Besucherinformation
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